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„Bürgerengagement soll den Staat nicht ersetzen, sondern ergänzen", heißt es häufig. Stimmt das eigentlich so? Unsere Perspektive stellen wir im Jahresbericht Blickpunkt Aktive Bürgerschaft 2011/2012 ab Seite 5 zur Diskussion.

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Auszug aus dem Interview


Blickpunkt: Dies kommt auch in dem aktualisierten Selbstverständnis zum Ausdruck. Dort heißt es: „Privates Engagement für das Gemeinwohl soll staatlichem Handeln vorausgehen“. Warum wird das so betont?

Nährlich: Ich habe die häufig verwendete Formulierung „Bürgerengagement soll den Staat nicht ersetzen, sondern ergänzen“ immer für problematisch gehalten. Der ersten Hälfte des Satzes kann ich zustimmen, der zweiten nicht. Es geht nicht darum, staatliches Handeln im Sinne einer zusätzlichen Leistung zu ergänzen. Selbst in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität ist das kein sinnvoller Ansatz, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten führt dieser Ansatz auf direktem Weg in die Lückenbüßer-Debatte. Bürgerengagement soll dann dort aushelfen, wo sich der Staat aus finanziellen Gründen oder aufgrund anderer Prioritäten aus bestimmten Bereichen zurückziehen will.

Zu Recht fragen sich die Menschen, ob z.B. ihre Kinder noch eine vernünftige Schulbildung bekommen, wenn sich keine Mäzene oder Sponsoren auftreiben lassen oder ob ihr Engagement als Anlass genommen wird, dass sich der Staat dort künftig zurückhält. Das ist nicht nur, was das Verständnis von Staat und Bürger angeht, ein gesellschaftspolitischer Rückschritt, das funktioniert auch praktisch nicht. Bürgerschaftliches Engagement muss staatlichem Handeln vorausgehen, dann kommen die Eigenständigkeit des Engagements, man könnte auch sagen, der Bürgerwille und die Gestaltungskraft zum Tragen. Dort wo das Bürgerengagement nicht ausreicht, dort handelt der Staat.


Das vollständige Interview im Blickpunkt Aktive Bürgerschaft 2011/2012 können Sie von der rechten Spalte als PDF Datei herunterladen.