Fragen und Antworten


Update 28.05.2009

Wir freuen uns über das Interesse an unserer am 30. April veröffentlichten Denkschrift Bürgergesellschaft. In den ersten vier Woche nach Erscheinen ist die Denkschrift bereits fast 2.000 mal heruntergeladen worden. Einige Reaktionen darauf wollen wir hier monatlich vorstellen. Auf die Nennung von Namen (soweit es sich nicht um veröffentlichte Beiträge handelt) verzichten wir bewusst.

1. Bedenken habe ich im Hinblick auf die Einrichtung eines Großfonds. Der derzeitige Eklektizismus ist nicht gut. Aber ein zentraler Fond – hier wäre doch klar, wer die Fäden ziehen würde. Dieses Modell sollte auf jeden Fall nochmals überdacht werden. Dazu ist die Zivilgesellschaft doch zu heterogen.

Wir haben versucht darzulegen, dass sowohl die Entkopplung von Finanzierung durch die öffentliche Hand und die aus unserer Sicht bislang damit einhergehenden Steuerung und Einflussnahme, als auch der angedachte Dualismus von Vergabekommission und Sachverständigenrat dazu beitragen können, dass es nicht dazu kommt, "dass klar ist, wer die Fäden zieht". Natürlich ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, dafür die richtigen Personen und Regeln zu finden.

Was die Heterogenität der Zivilgesellschaft angeht, finden wir diese wünschenswert. Wir sehen nicht, dass ein "Großfonds" diese Heterogenität notwendigerweise gefährden muss. Sie wird aber auch nicht geschützt oder gestärkt, wenn jedes Ministerium weiterhin seine Klientel pflegt, was besonders gut gelingt, wenn einer nichts vom anderen weiß oder nur durch Insiderwissen davon erfährt. Den Vorteil eines solchen Fonds sehen wir nicht nur in einer abgestimmten Förderpolitik, sondern eben auch in einem transparenten und rechenschaftspflichtigen Verfahren, dem wünschenswerterweise auch eine Diskussion über gesellschaftliche Zielsetzungen vorangeht.

Nicht zuletzt wäre ein solcher Fonds auch eine sichtbare und erkennbare "eigene" Institution der Bürgergesellschaft, die aus unserer Sicht auch zu einer gemeinsamen Identität beitragen kann und die allgemein kritisierte "Versäulung" des Dritten Sektors überwinden helfen würde.

2. Ich vertrete die Position, dass die Infrastrukturen zur Engagementförderung auf lokaler und kommunaler Ebene auch von Seiten des Staates und des Bundes unterstützt werden müssen. Nicht wie gehabt, nach dem Top-Down-Prinzip mit standardisierten Verfahren, sondern mit Formen, die die Kommunen in die Lage versetzen, eine eigene engagementpolitische Agenda zu entwickeln und umzusetzen. (...) Als kritisch würde ich die Forderung nach Rating-Agenturen und Benchmarking-Prozessen bewerten. Die Aktivitäten diverser Agenturen im Hochschulbereich zeigen, dass hier lediglich ein neues Geschäftsfeld für Akteure eröffnet wird, dessen Nutzen äußerst fraglich ist.

Kommunale Ebene/Infrastrukturen zur Engagementförderung: Ja, mit der kommunalen Ebene haben wir uns nicht explizit beschäftigt, doch was spräche dagegen, unser "Modell" auch auf die kommunale Ebene zu übertragen? Das schließt nach unserer Auffassung weder aus, dass sich die öffentliche Hand auf Bundes- und Länderebene finanziell an der Förderung lokaler und kommunaler engagementförderlicher Strukturen beteiligt (wobei wir uns auch eine Diskussion wünschen würden, was eigentlich unter „Infrastruktur der Engagementförderung“ zu verstehen ist), noch, dass die Kommunen eine engagementpolitische Agenda entwickeln. In unserem Papier kritisieren wir ja nur, dass bislang mit jeder Förderung auch der Inhalt und die Form des Engagements in weiten Teilen bestimmt wurde. Wir glauben nicht, dass Partizipation, Entwicklung von unten und fachliche Vernunft sich durchsetzen können, wenn alle machtpolitischen Instrumente (Geld, Recht, Einfluss, Agenda Setting, mediale Aufmerksamkeit) "auf der anderen Seite" sind.

Rating Agenturen/Benchmarking: Ja, das ist eine echte Gefahr, die wir auch sehen würden. Insbesondere, wenn man jetzt auf den "Impact-Hype" aufspringt und die Erforschung und fachliche Bearbeitung von Fragen der Bewertung vernachlässigt. Es gibt da inzwischen einige Ansätze und Aktivitäten. Grundsätzlich glauben wir aber, dass man eine bessere Bewertung der Arbeit von NPOs braucht, die über eine einzelfallbezogene Evaluierung hinausgeht. Unsere Befürchtung ist, dass wenn weiter nur über den finanziellen Input gesteuert wird, sich bei sinkendem Finanzinput die Qualität der Arbeit verschlechtern wird, weil man keine transparente Möglichkeit hat, die Grenze zwischen Einsparpotentialen und Qualitätsreduzierungen zu erkennen. Es wird darauf ankommen, wie man die Rahmenbedingungen für diese Agenturen setzt.

3. Als ein „Plädoyer für eine bessere (Selbst-)Steuerungs- und Leistungsfähigkeit der Bürgergesellschaft“ versteht sich die Denkschrift mit dem Titel „In eigener Regie!“. Über die Bedeutung des unternehmerischen Engagements in der Zivilgesellschaft und praktische Fragen einer Selbstorganisation sprach CSR NEWS mit den Denkschriftautoren.

Zum Interview auf den Seiten von CSR News.

Wir freuen uns über weitere Rückmeldungen!
Die Autoren Holger Backhaus-Maul, Stefan Nährlich, Rudolf Speth

eMail an alle Autoren: denkschrift-buergergesellschaft@aktive-buergerschaft.de