Länderspiegel Bürgerstiftungen. Fakten und Trends


Für Schnell-Leser: Ein Überblick


313 Bürgerstiftungen gibt es bundesweit (Stichtag: 30.06.2011). Insgesamt 37 Millionen Menschen – das sind 45% der deutschen Bevölkerung – leben im Einzugsgebiet einer Bürgerstiftung und können sich als Stifter, Spender, Ehrenamtliche oder Projektantragsteller beteiligen.

Die größte Bürgerstiftungsdichte hat Baden-Württemberg mit 7 Bürgerstiftungen pro eine Million Einwohner. Es folgen Niedersachsen (6,4) und Nordrhein-Westfalen (5). Unter den ostdeutschen Ländern liegt Thüringen mit einer Stiftungsdichte von 3,1 vorn.

Bürgerstiftungen sind wieder auf Wachstumskurs: Ihr Gesamtkapital wuchs 2010 auf 191 Mio. Euro (Stand: 31.12.2010). Das sind 37,9 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Damit war die Wachstumsrate des Gesamtkapitals im zweiten Jahr nach der Finanzkrise mit nahezu 25% mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr mit 11%. 2010 verwalteten Bürgerstiftungen 36% ihres Stiftungskapitals als zweckgebundenes Vermögen in Fonds oder Treuhandstiftungen. Dabei setzen sie zunehmend Fonds ein.

Weiterhin hohe Summen bei Spendeneinnahmen und Projektförderung: Im Jahr 2010 haben Bürgerstiftungen insgesamt 7,8 Mio. Euro an Spenden eingeworben. Gemeinnützige Zwecke förderten sie mit 9,8 Mio. Euro aus Spenden und Zinserträgen. Seit 2005 haben Bürgerstiftungen insgesamt 41,4 Mio. Euro in das lokale Gemeinwohl investiert.

Bürgerstiftungen setzen sich für Zukunftsthemen ein. Sie fördern überwiegend gemeinnützige Zwecke (93%). Fast die Hälfte dieser Mittel investieren sie in Bildung und Erziehung (47%), gefolgt von Kunst und Kultur (17%) und Sozialem (15%).

12.000 Ehrenamtliche insgesamt engagieren sich mit Zeit und Ideen: 8.000 sind ehrenamtlich in Projekten oder Geschäftsstellen der Bürgerstiftungen aktiv, weitere 4.000 in Vorstand, Kuratorium und Stiftungsrat. Damit engagieren sich durchschnittlich 40 Menschen ehrenamtlich in einer Bürgerstiftung.

Bürgerstiftungen sind ein etabliertes Stiftungsmodell für private und privatwirtschaftliche Stifter und Spender. Rund 90% des im Jahr 2008 zugestifteten Kapitals (19,7 von 21,7 Mio. Euro) kamen von Privatpersonen und Unternehmen.

Herausforderungen: Bürgerstiftungen haben das Potential, zu einem Dach für bürgerschaftliches Engagement in der Region zu werden. Voraussetzung ist, dass sie sich konsequent als unabhängige Akteure positionieren, ihr Profil schärfen und ihr Stiftungsvermögen aufbauen.

Der Bürgerstiftungs-Benchmark bietet den Gremienmitgliedern Orientierung für die Entwicklung ihrer Bürgerstiftung und das strategische Management. Potenziellen Stiftern, Spendern und Projektpartnern verdeutlicht er die Leistungsfähigkeit einzelner Bürgerstiftungen.

Methode: Der „Länderspiegel Bürgerstiftungen. Fakten und Trends 2011“ ist eine Vollerhebung der deutschen Bürgerstiftungen, die den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entsprechen und bis zum 30.06.2011 gegründet wurden. Stichtag der Finanzdatenerhebung war der 31.12.2010. Der Länderspiegel wird seit 2006 jährlich veröffentlicht.