Empirische Erfassung: Der Dritte-Sektor-Ansatz


Mit dem Dritte-Sektor-Ansatz wurden erstmalig die Organisationen dieses Sektors in den Mittelpunkt von Untersuchungen gestellt und empirisch erfasst. Der Begriff Dritter Sektor wird zur Bezeichnung einer Gruppe von Organisationen verwendet, die zwischen den beiden anderen Sektoren – Markt und Staat – angesiedelt ist. Dieser Sektor ist ein eigenständiger und unabhängiger gesellschaftlicher Bereich, in dem sich Organisationen finden, die  – von Wirtschaftsunternehmen und staatlichen Bürokratien unterschieden – einen wesentlichen Beitrag für die gesellschaftliche Wohlfahrt leisten. Beispiele für solche Organisationen sind Stiftungen, Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Johanniter, Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege und Sport- und Kulturvereine.

In den 1990er Jahren hat sich mit dem Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sector Project ein internationaler Forschungsverbund gegründet, mit dem in den 30 größten Ländern Daten zum Dritten Sektor erhoben wurden. Das Projekt erfasst den Dritten Sektor quantitativ auf der Länderebene in seinen strukturellen Dimensionen und untersucht ihn qualitativ in seinen nationalen Einbettungsstrukturen. Für die deutsche Teilstudie liegen die Ergebnisse für den Berichtszeitraum 1990-1995 vor (Zimmer/Priller 2007).

Im Dritte-Sektor-Ansatz wird vor allem auf die wirtschaftliche Bedeutung der meist gemeinnützigen Organisationen abgehoben. Es wird danach gefragt, wie diese Organisationen ihr Einkommen erzielen (staatliche Zuwendungen, Erträge aus wirtschaftlicher Tätigkeit, Spenden) und wie sie sich als nicht gewinnorientierte Einrichtungen auf den sich herausbildenden Märkten behaupten. Neben dem Beitrag zur Wertschöpfung geht es aber auch um den Anteil der Beschäftigten, die Einbindung von Freiwilligen, die Verwendung der Mittel, die Tätigkeitsfelder und um die Art und Weise, wie die ideellen Ziele der Organisation erreicht werden. Daneben wurde mit dem Ansatz eine international gültige Klassifikation von Organisationen nach zwölf abgegrenzten Tätigkeitsbereichen entwickelt.

Mit dem Johns Hopkins Project wurde die Grundlage und die Methodik für eine Dauerbeobachtung des Dritten Sektors geschaffen. Ein erster Schritt zur Anwendung dieser Methodik wird gegenwärtig mit dem Projekt Zivilgesellschaft in Zahlen unternommen. Das Projekt, das von einigen Stiftungen und dem Stifterverband für die Wissenschaft gefördert wird, will ein Berichtssystem auf Grundlage der Datenbestände des Statistischen Bundesamts aufbauen. Ziel ist es, eine ökonomische Bilanz und das gesellschaftliche Leistungsprofil zivilgesellschaftlicher Organisationen zu erstellen.


Literaturtipp


Anheier, Helmut K./Priller, Eckhard/Seibel, Wolfgang/Zimmer, Annette (Hrsg.): Der Dritte Sektor in Deutschland, Berlin 1998.

Zimmer, Annette/Priller, Eckhard: Gemeinnützige Organisationen im gesellschaftlichen Wandel. Ergebnisse der Dritte-Sektor-Forschung, Wiesbaden 2007.