Engagement im kommunalen Raum
Die Kommunen sind der wichtigste Ort für das bürgerschaftliche Engagement. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 80 Prozent des Engagements im sozialen Nahraum stattfinden. Daher ist es entscheidend, wie die Bedingungen für das bürgerschaftliche Engagement in den mehr als 12.000 Städten und Gemeinden in Deutschland aussehen. Es gibt heute kaum eine Kommune, die das Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger nicht fördert, doch es gibt deutliche Unterschiede in der kommunalen Engagementförderpolitik. Am weitesten ist die Engagementförderpolitik in den Kommunen Baden-Württembergs entwickelt. Dort hat man bereits vor mehr als einem Jahrzehnt damit angefangen.
Bürgerschaftliches Engagement hat in den zentralen kommunalen Handlungsfeldern Bedeutung: in Bildungseinrichtungen und Schulen, im Bereich Migration/Integration, in der Stadtentwicklung, in der kommunalen Kultur, im Sport und der Freizeit, bei den sozialen Diensten und im Bereich der politischen Partizipation. Das Engagement der Bürgerinnen und Bürger ist in die kommunale Daseinsvorsorge mit eingebunden. Ohne die freiwilligen und unentgeltlichen Leistungen ihrer Bürgerinnen und Bürger können viele Kommunen ihre Aufgaben in der Daseinsvorsorge kaum mehr bewältigen.
Um das bürgerschaftliche Engagement im kommunalen Raum zu stärken, ist in den letzten 15 Jahren eine neuartige Infrastruktur lokaler Engagementförderung entstanden. Inzwischen gibt es ca. 300 Freiwilligenagenturen/-zentren, rund 250 Seniorenbüros, mehr als 560 Lokale Bündnisse für Familie, 500 Mehrgenerationshäuser, mehr als 200 Selbsthilfekontaktstellen und mehr als 240 Bürgerstiftungen. Zu diesen Einrichtungen kommen noch kommunale Anlaufstellen für Engagementförderung, die direkt bei den Kommunalverwaltungen angesiedelt sind, Stadtteilbüros, Nachbarschaftshäuser sowie Eltern- und Familienzentren. Diese Einrichtungen beraten Organisationen und Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren wollen. Sie vermitteln auch Engagementgelegenheiten und dienen familien-, generationen- und demografiepolitischen Zielen.
Wichtig für das Engagement im kommunalen Raum ist die Zusammenarbeit der Akteure. Hier gilt es vor allem seitens der Kommunalverwaltung und der Politik (Bürgermeister, Parteien, Fraktionen im Rat), den Bürgerinnen und Bürgern und den Organisationen der Zivilgesellschaft Entfaltungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten zu bieten. Wichtig ist es aber auch, dass zivilgesellschaftliche Organisationen mit den Unternehmen vor Ort kooperieren.
Die Zusammenarbeit der Akteure im kommunalen Raum ist notwendig, weil die Kommunen vor einer Reihe von Problemen stehen, die sie nur im Verbund mit zivilgesellschaftlichen Organisationen lösen können. Die Finanznot der Kommunen ist nur ein - wenn auch wesentlicher - Aspekt. Andere Herausforderungen betreffen den Mitgliederschwund beispielsweise bei den Freiwilligen Feuerwehren, die zu geringe Zahl von Frauen in kommunalen Wahlämtern und Probleme der Anwanderungen in den Kommunen der neuen Bundesländer.
Literaturtipp
Holtkamp, Lars/Bogumil, Jörg/Kißler, Leo: Kooperative Demokratie. Das politische Potenzial von Bürgerengagement, Frankfurt/New York 2006.