Engagement und Schule
Die Institution Schule gewann in der Diskussion um das bürgerschaftliche Engagement in den letzten Jahren eine zunehmend wichtiger werdende Rolle. Schulen sind Bildungseinrichtungen, die auch Aufgaben der Sozialisation und der Integration übernehmen. Für das bürgerschaftliche Engagement spielt die sozialisatorische Rolle der Schule eine besondere Rolle, weil Untersuchungen gezeigt haben, dass das Engagementverhalten wesentlich durch die Familie und die Schulen beeinflusst wird. Je früher Kinder lernen sich zu engagieren, desto eher sind sie im späteren Leben bereit, freiwillig Aufgaben und Ämter zu übernehmen. Das Engagementverhalten muss also eingeübt werden. Damit werden die Schulen zum wichtigen Lernort von Engagement, auch weil Familien in vielen Milieus Engagementerfahrung nicht mehr in ausreichendem Maße an die Kinder weitergeben können. Der neue Begriff für diesen Sachverhalt heißt "Service Learning": Schülerinnen und Schüler engagieren sich für Themen und Bedürfnisse in ihrer Schule oder in ihrem sozialen Umfeld, gemeinsam mit ihren Lehrern und den Partnern außerhalb der Schule. Damit können drei Dinge zusammengebracht werden: Wissensvermittlung, Erfahrung in der Durchführung von Projekten und bürgerschaftliches Engagement. Service Learning ist der Begriff für ein handlungsorientiertes Lernen in der Schule und im Gemeinwesen. Damit verbunden ist ein anderes Lernkonzept, mit dem solidarisches Handeln, kritisches Denken und der Kontakt zu anderen Lebenswelten eingeübt werden können.
Damit Schulen diesen hohen Anspruch erfüllen können, sind tief greifende Veränderungen an der Bildungsinstitutionen Schule notwendig. Ein wesentliches Element ist dabei die "Öffnung" der Schule. Mit diesem Schlagwort verbindet sich das Bestreben, die Schulen stärker mit dem Gemeinwesen, mit ihrem sozial-lokalen Umfeld zu verbinden. Die Schule wird als soziales Unternehmen (Adalbert Evers) begriffen, für das zivilgesellschaftliche Akteure Verantwortung übernehmen. Konkret heißt dies, dass Schulen den Kontakt zum ihrem Umfeld, zu Vereinen, sozialen Organisationen, Unternehmen und kommunalen Einrichtungen suchen.
Die Öffnung der Schule hat noch eine weitere Dimension. Für diese neue Schule müssen die Lehrer besser und anders ausgebildet werden. Damit sind die Universitäten als Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung der Lehrer gefordert, ihre Ausbildungspläne zu überarbeiten. Wichtig ist aber auch, dass Schulen nicht mehr primär als staatliche Einrichtungen in der Oberaufsicht einer staatlichen Schulbürokratie begriffen werden. Der Staat muss bereit sein, die Schulen in kommunale oder private Trägerschaft zu überführen. Nur dann kann es gelingen, dass Schulen vermehrt Lernorte des bürgerschaftlichen Engagements und des demokratischen Handels werden.
Literaturtipp
Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Vorbilder bilden – Gesellschaftliches Engagement als Bildungsziel. Carl Bertelsmann-Preis 2007, Gütersloh 2007.
Fatke, Reinhart / Schneider, Helmut: Kinder- und Jugendpartizipation in Deutschland. Daten, Fakten, Perspektiven, Gütersloh 2005.