Engagement von Unternehmen
Wirtschaft und Unternehmen stehen in Deutschland häufig in der Kritik. In der Öffentlichkeit paart sich Ablehnung mit Zuweisung von Verantwortung für das Wohlergehen der Gesellschaft. Unternehmen sind in Deutschland keine rein privaten Organisationen, sondern – auch über ihre Verbände – eingebunden in die koordinierte Ökonomie des Rheinischen Kapitalismus. Als solche sind sie gesellschaftliche Einrichtungen und tragen rechtlich geregelte Verantwortung in vielen gesellschaftlichen Bereichen: duales Ausbildungssystem, Arbeitsrecht, Betriebsverfassungsgesetz, Kranken- und Rentenversicherung, lokale Ökonomie und Förderung von Forschung und Entwicklung.
Neben dieser gesetzlich geregelten und im Vergleich mit anderen OECD-Staaten sehr weit gehenden gesellschaftlichen Verantwortung übernehmen Unternehmen auch Verantwortung für gesellschaftliche Probleme auf freiwilliger Basis. Für dieses Engagement von Unternehmen haben sich in den letzten 15 Jahren zwei Begriff aus der angelsächsischen und europäischen Diskussion eingebürgert. Corporate Citizenship (CC) und Corporate Social Responsibility (CSR).
Der Begriff CSR bezieht sich auf die Ausgestaltung betrieblicher Prozesse und Strukturen, die über die gesetzlichen Erfordernisse hinausreichen. In dieser Dimension handelt es sich um Maßnahmen, die die Mitarbeiter, die Produkte und den Produktionsprozess betreffen. CC hingegen bezeichnet das über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehende Engagement von Unternehmen zur Lösung gesellschaftlicher Fragen. Das Unternehmen wird in der Rolle des Bürgers wahrgenommen. Doch beide Dimensionen gehören zusammen. Unternehmen können nur dann mit Akzeptanz rechnen, wenn sie sich sowohl innerhalb als auch außerhalb des Betriebs gesellschaftlich verantwortlich verhalten.
Die Forschung hat sich neben der begrifflichen Klärung auch darum bemüht, das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen empirisch genauer zu erfassen. Empirische Erhebungen zeigen, dass sich nahezu alle Unternehmen (96 Prozent) freiwillig und gesellschaftlich engagieren. Bei mehr als 80 Prozent der Unternehmen gehört das gesellschaftliche Engagement zum Selbstverständnis und ist Teil der Unternehmenskultur. Bei den Formen liegen Geld- und Sachspenden (Corporate Giving) mit 91 Prozent an erster Stelle. Danach kommt die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit 60 Prozent. Eine weitere wichtige Form des gesellschaftlichen Engagements ist die Bereitstellung von Dienstleistungen, Geräten, Räumen und Betriebseinrichtungen und die Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen.
Es gibt allerdings immer noch Kritik daran, dass die Unternehmen im Vergleich zu ihren Möglichkeiten zu wenig machen würden. Darüber hinaus wird kritisiert, dass das gesellschaftliche Engagement immer dem Unternehmenszweck untergeordnet wird.
Literaturtipp
Backhaus-Maul, Holger/Biedermann, Christiane/Nährlich, Stefan/Polterauer, Judith (Hrsg.): Corporate Citizenship in Deutschland. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen. Bilanz und Perspektiven. 2., akt. u. erw. Aufl., Wiesbaden 2010.