Der Dritte Sektor in Deutschland - seine Perspektiven im neuen Millennium


Eckhard Priller, Annette Zimmer

Wenn auf den Dritten oder Nonprofit-Sektor Bezug genommen wurde, stand bisher vorrangig seine Qualität als Dienstleister im Vordergrund (Anheier et al. 1997). Hier scheint sich derzeit eine deutliche Wende abzuzeichnen. Im Kontext von Bürgerengagement und Zivilgesellschaft nimmt der Dritte Sektor in den aktuellen Diskursen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft einen zunehmend wichtigeren Stellenwert ein (vgl. Streeck 2000). Herausgestellt wird hierbei insbesondere das assoziative Moment der Dritter-Sektor-Organisationen, die als freiwillige Vereinigungen und intermediäre Instanzen einen wichtigen Beitrag zur Sozial- wie Systemintegration leisten. Insofern werden die Potentiale des Dritten Sektors wiederentdeckt, gesellschaftliche Partizipationschancen zu eröffnen, Wege der Integration in das Gemeinwesen aufzuzeigen sowie bestimmte Werte und Normen weiterzugeben und damit Sozialisationsfunktionen zu übernehmen(Anheier et al 2001; Putnam 1993; Zimmer/Nährlich 2000).Diese Neubewertung ist in engem Bezug zur "Parteien- und Politikverdrossenheit" sowie zur"Krise des Wohlfahrtsstaates" und zu den damit einhergehenden Legitimationsproblemen demokratischer Regierungen zu sehen. Es scheint, daß der Staat infolge von Globalisierungs- und Individualisierungstendenzen nicht nur an Steuerungskompetenz einbüßt, sondern daß gleichzeitig auch seine Legitimationsgrundlagen in Frage gestellt werden. Aus modernisierungstheoretischer Sicht kann man das derzeitige Interesse an bürgerschaftlichem Engagement aus der Notwendigkeit eines neu zu schließenden Gesellschaftsvertrages erklären. Danach steht nach dem nationalstaatlichen und dem wohlfahrtsstaatlichen Konsens des 19. und 20. Jahrhunderts gegenwärtig auf der gesellschaftspolitischen Agenda, einen den Veränderungen einer globalisierten Wirtschaft und individualisierten Gesellschaft angemessenen neuen Konsens des 21. Jahrhunderts zu finden.