Die Rolle der NGOs in der Entwicklungszusammenarbeit


Marcus Lenzen

Im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist seit den 70er Jahren und besonders seit den 80er Jahren weltweit eine immense Proliferation sogenannter Nichtregierungsorganisationen oder Non-Governmental Organisations (NGOs) zu verzeichnen, gerade auch in vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt. Verlässliche Daten über ihre Anzahl liegen nicht vor, unter anderem aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Definitionen, aber auch aufgrund der Unüberschaubarkeit und Hybridität dieses expandierenden Sektors in den vielen einzelnen Ländern. Dennoch vermitteln Versuche einer Quantifizierung ihrer Verbreitung zumindest einen ungefähren Eindruck über das enorme Ausmaß dieses Phänomens. Schätzungen des UNDP zufolge habe es 1990 etwa 50.000 NGOs in Entwicklungsländern gegeben, und 1992 seien an die 250 Millionen Menschen in Entwicklungsländern von NGO-Aktivitäten "berührt" worden (vgl. UNDP 1993: 24; 93). In einer vielzitierten Formulierung sieht Lester M. Salamon daher in dem "Aufstieg" der NGOs eine "global associational revolution that may prove to be as significant to the latter twentieth century as the rise of the nation-state was to the latter nineteenth." (Salamon1994: 109). Beschreibungen wie diese, oder auch Bertrand Schneiders (1988) "Revolutionder Barfüßigen", sind überzogen (vgl. etwa Yamamoto 1996a: 4f.), reflektieren aber die zunehmende Prominenz und wachsende Anzahl von NGOs; der euphorische Ton förderte sicherlich gleichzeitig eben diese Prominenz. In der globalen Entwicklungsdebatte wurden NGOs zusehends zu der großen Alternative zu staatlicher Entwicklungshilfe stilisiert.