Licht und Schatten im Sportverein


Erfolgs- und Risikofaktoren am Beispiel der Organisationsanalyse des TuS Hiltrup e.V.

Michael Vilain, Ingo Bücker, Frauke Kanbach, Oliver Williges, Stephan Kapp

Zahlreiche Beiträge haben sich in den letzten Jahren der Thematik "Sportvereine" zugewandt und das Phänomen unter verschiedensten Gesichtspunkten durchleuchtet. Während Sportvereinen dabei in der Vergangenheit - nicht selten in ihrer eigenen Darstellung - wichtige gesellschaftliche Aufgaben (Stärkung des sozialen Zusammenhalts, Jugendarbeit, Gesundheitsvorsorge etc.) zugeschrieben wurden, entwerfen hier neuere Studien jedoch ein differenzierteres Bild.

Die von Rittner/Breuer im Auftrag des Bundesinstitutes für Sportwissenschaft erstellte Expertise zur sozialen Bedeutung und Gemeinwohlorientierung des Sports, wertet beispielsweise ausgehend von den dem Sport immer wieder zugewiesenen angeblichen positiven Wirkungen relevante Literatur aus, um nachzuzeichnen, inwieweit diese Wirkungen oder "Funktionszuschreibungen "tatsächlich auch wissenschaftlich abgesichert sind. Im Ergebnis scheint deutlich, dass viele angebliche Auswirkungen des Sports auf reinem Wunschdenken, statt auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und noch erheblicher Forschungsbedarf besteht um die "weißen Flecken" auf der Forschungslandkarte verschwinden zu lassen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die sogenannte Brettschneider-Studie. Diese widmete sich im Rahmen einer im Zeitraum von 1998-2000 durchgeführten Längsschnittuntersuchung ganz speziell dem Themenfeld Sportverein und dessen Auswirkungen auf die Entwicklung Jugendlicher. Insgesamt bringt die Brettschneider-Studie zumindest auf den ersten Blick ernüchternde Ergebnisse (z.B. in Bezug auf Drogenkonsum in Sportvereinen) und stutzt die Sportvereinein Ihrer Bedeutung für die (positive) Entwicklung Jugendlicher auf ein realistisches Maß zusammen. Sehen einige solche Befunde als "Katastrophe für den organisierten Sport", gibt es auf der anderen Seite hingegen nicht wenige, die in diesen Ergebnissen einen "Glücksfall für den Vereinssport" sehen. Letztgenannte sehen - trotz aller Einschränkungen - die Studie in erster Linie als Bestätigung für die Leistungskraft des organisierten Sports, der aber dennoch vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse dazu gezwungen sei, Veränderungen vorzunehmen. Ein ähnlich kontroverses Bild zeichnet sich auch im Hinblick auf die Innenperspektive von Sportvereinen ab.