Stakeholder-Management - Möglichkeiten des Umgangs mit Anspruchsgruppen


Ludwig Theuvsen

Organisationen werden mit den Erwartungen verschiedener Anspruchsgruppen- neudeutsch: Stakeholder - und den von ihnen verfolgten, oftmals konfliktären Zielen konfrontiert. Jede Organisation sieht sich daher vor die Notwendigkeit gestellt zu entscheiden, wie sie im Rahmen des Stakeholder-Managements mit diesen verschiedenen Gruppierungen umgehen will. Das Management der Stakeholder einer Organisation kann unter zwei ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten erfolgen (vgl. Jones/Wicks 1999, S. 207 ff.; Ulrich1999, S. 37 ff.).

Das Stakeholder-Konzept kann zum einen normativ-ethisch orientiert sein. Im Mittelpunkt steht dann die Frage, welchen moralischen Verpflichtungen das Management einer Organisation gegenüber den verschiedenen Stakeholdern nachzukommen hat. Die angemessene Gewichtung von Shareholder- und Stakeholder-Orientierung gehört in der Literatur zu den populärsten Fragestellungen dieser Richtung(vgl. allgemein v. Werder/Talaulicar 1999). Die Berücksichtigung der Anliegen aller Stakeholder einer Organisation wird bei dieser Ausrichtung als Wert als solcher betrachtet; es wird davon ausgegangen, daß die Interessen aller Stakeholder einen Eigenwertbesitzen und der gleichen Aufmerksamkeit bedürfen (vgl. z.B. Evan/Freeman1988, S. 103).

Die zweite mögliche Ausrichtung eines Stakeholder-Managements gibt die Auffassung, daß alle Stakeholder dieselbe Beachtung verdienen, auf. An ihre Stelle tritt die Überzeugung, daß die Beziehungen zwischen verschiedenen Stakeholdern wie auch zwischen Stakeholdern und Organisation sowohl kooperativer, unterstützender als auch konfliktärer, durch Interessengegensätze geprägter Natur sein können. Eine Gleichbehandlung aller Stakeholder macht unter dieser Bedingung keinen Sinn. Im Mittelpunkt des Stakeholder-Managements steht vielmehr das Ziel, einen Beitrag zur langfristigen Überlebensfähigkeit einer Organisation zu leisten.