Nicht jeder kriegt, was er verdient

Diese Woche wurde in Berlin die erste Untersuchung über die Vergütungen von haupt- und ehrenamtlichen Führungskräften in Stiftungen vorgestellt. Was sagt uns die Studie? Stiftungen in Deutschland werden ehrenamtlich geleitet. Nur jede vierte Stiftung hat einen hauptamtlichen Geschäftsführer, nur jede zehnte Stiftung bezahlte Vorstände. Letztere verdienen im Durchschnitt 81.000 Euro jährlich. Rechnet man die wenigen sehr hohen Vergütungen heraus, reduziert sich der Wert auf 73.000 Euro. Geschäftsführer müssen mit 59.000 Euro Jahresgehalt auskommen. Mehr als zwei Drittel der Befragten empfinden die Höhe ihrer Vergütung als angemessen und sind damit zufrieden, obwohl sie deutlich weniger verdienen als Manager in der Privatwirtschaft.

Verdienen Stiftungsmanager also, was sie verdienen? Dazu sagt uns die Studie nichts. Kann sie auch nicht. Eine adäquate Antwort auf die Frage nach der angemessenen Vergütung setzt voraus, dass man das Managementhandeln in sinnvollen Bezug zum Ergebnis der Stiftungstätigkeit setzt. Daran ändert auch nichts, dass die meisten Stiftungsmanager mit ihrem Einkommen zufrieden sind und es als angemessen einschätzen. Wäre das schön, wenn die subjektive Empfindung der Maßstab für die eigene Einkommenhöhe wäre! Der Hinweis auf den deutlichen Vergütungsabstand zu Managern aus der Wirtschaft macht auch nur bedingt Sinn. Das Vergütungssystem in Stiftungen ist weitgehend an dem des öffentlichen Dienstes orientiert. Bildungsabschluss, Anzahl der Dienstjahre und Mitarbeiter haben wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Gehaltes.

Wenn man sich mit der Wirtschaft vergleicht, muss man auch die Frage nach dem Erfolg stellen. Der Output ist hierfür der Maßstab, nicht der Input. Dass Erfolg von Stiftungsarbeit nicht einfach zu ermitteln ist, stimmt. Vor allem deshalb, weil man sich bislang wenig damit beschäftigt hat. Das ist dringend nachzuholen, denn die Anforderungen an Stiftungen und ihr Management steigen und damit auch die Vergütungsansprüche. Gute Einkommen, auch höhere Einkommen, lassen sich am besten mit guten Ergebnissen legitimieren, nicht mit der Tatsache, dass man weniger verdient als andere.

Kommentar von Dr. Stefan Nährlich für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 74 – Januar 2008 vom 31.01.2008.