Stiftungen brauchen mehr als eine Imagepolitur
Der Bundesverband der Deutschen Stiftungen prämiert vorbildliche Stiftungskommunikation. Der Preis wird im November dieses Jahres zum dritten Mal in Berlin an Stiftungen verliehen, die beim Gesamtauftritt, beim Jahresbericht und bei der Kommunikation einzelner Projekte glänzen. Auch der Verband selbst bekommt Lob: Der Pressesprecherverband hat ihm den Goldenen Apfel für seine professionelle PR verliehen. Der PR-Verband, der selbst wegen seines unklaren Verhältnisses zur Wahrheit und Wahrhaftigkeit in der Kommunikation in der Kritik steht, empfiehlt den Verband der Stiftungen als nachahmenswertes Beispiel für Kommunikation von Nonprofit-Organisationen.
Die Professionalisierung der Stiftungs-PR ist eines der zentralen Ziele des Stiftungssektors. Das haben viele in diesem Bereich inzwischen erkannt. Eine bessere PR kann aber nicht Alles sein. Transparenz und Öffentlichkeit gelten mehr als geschickte PR.
Die „Grundsätze guter Stiftungspraxis“, die der Bundesverband 2006 verabschiedet hat, bekennen sich ausdrücklich zum Gebot der Transparenz, da Stiftungen eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft haben und von deren Vertrauen abhängig sind. In den Grundsätzen heißt Transparenz konkret: der Öffentlichkeit Informationen über die Arbeit, die Fördergrundsätze, die Bewilligungsbedingungen, die Projekte, Gutachter, die wirtschaftliche Lage, die Organmitglieder sowie die Tätigkeitsberichte rasch und umfassend zur Verfügung zu stellen. Notwendig ist aber auch, dass mehr Transparenz dazu beiträgt, mögliche Interessenkonflikte zwischen Mitgliedern der Stiftungsorgane, Mitarbeitern und Beratungsgremien und Antragstellern zu vermeiden. Auch dies ist in den Grundsätzen geregelt.
Allerdings haben die Grundsätze einen entscheidenden Makel: sie haben den Charakter einer Selbstverpflichtung, mit der gesetzliche Regelungen abgewehrt werden sollen. Der Bundesverband vermag nicht anzugeben, wie viele der mehr als 3.000 Mitglieder sich diese zu Eigen gemacht haben. Darüber hinaus fehlen Sanktionsmechanismen bei Missachtung der Grundsätze. Im Sinne zivilgesellschaftlicher Selbststeuerungsmechanismen können die „Grundsätze guter Stiftungspraxis“ also nur ein erster Schritt sein. Transparenz und Accountability müssen für einen Bereich, der von erheblichen Steuervergüns-tigungen profitiert, verbindlicher geregelt sein.
Kommentar von Dr. Rudolf Speth für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 83 – Oktober 2008 vom 31.10.2008.