Gib’s uns!

Die Kampagne "Geben gibt" soll die Anerkennungskultur für freiwilliges Geben von Zeit, Geld und Wissen stärken. Träger der vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Rahmen der Initiative ZivilEngagement gestarteten Kampagne ist der Bundesverband Deutscher Stiftungen. Hauptförderer und Geldgeber sind zu gleichen Teilen das BMFSFJ und ein Versicherungsunternehmen. Über die Gesamtkosten werden keine Angaben gemacht, im vergangenen September wurden sie in einer Antwort auf eine kleine Anfrage auf insgesamt sechs Millionen Euro beziffert. Begleitet wird die Kampagne von "unterstützenden Partnern" und einem "Bündnis für Engagement".

Die Kampagnen-Homepage leitet Engagement-, Spenden- oder Stiftungswillige zu einer Linkliste mit verschiedenen Organisationen und ruft prominent zur Teilnahme am "Deutschen Engagementpreis" auf. Denn, so die Botschaft von "Geben gibt", mehr als ein Drittel der Deutschen setze sich bereits aktiv für das Gemeinwohl ein, die breite Öffentlichkeit aber nehme eher selten davon Notiz. Mit dem "Deutschen Engagementpreis" solle sich dies ändern. War das vor zehn Jahren vielleicht noch zutreffend, stimmt das heute schon lange nicht mehr. Die Zahl der Engagementpreise ist kaum noch zu überblicken, darunter viele von bundesweiter Bedeutung. Worin liegt der entscheidende Beitrag eines weiteren Engagementpreises?

Statt mit der Kampagne "Geben gibt" primär die Anerkennungskultur zu stärken, sollte man besser die Investition von Geld in die Bürgergesellschaft als Kampagnenziel in den Mittelpunkt stellen. Was bürgerschaftlichem Engagement und gemeinnützigen Organisationen zunehmend fehlt, sind tragfähige Finanzierungsstrukturen. Dazu gehört auch ein größerer Anteil an privaten und Unternehmensspenden, auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Dass dieser Anteil an der Gesamtfinanzierung in Deutschland zu klein ist, wissen Fachleute; in das Bewusstsein der Öffentlichkeit ist das noch nicht gedrungen. Eine erfolgreiche Engagementkampagne muss zu einer Erhöhung des Volumens privater Mittel führen. Das Potenzial hat sie, das richtige Konzept noch nicht.

Kommentar von Dr. Stefan Nährlich für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 88 – März 2009 vom 30.03.2009.