Tafeln: Mehr Bürgerengagement wagen!

Die derzeitige Debatte um die Tafeln, die durch die Studie von Stefan Selke angeregt worden ist, verweist auf Paradoxien und Dilemmata, die für Leistungen und Angebote im sozialen, aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen kennzeichnend sind. Die Tafeln sind als Hilfe und Unterstützungsangebot für Menschen gedacht, die von Armut betroffen sind und deren Einkommen nicht genügt, um sich ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. Als ökologisch inspiriertes Nebenziel geht es den Einrichtungen darüber hinaus darum, der Vernichtung von wertvollen Nahrungsmitteln entgegenzuwirken.

Das Angebot hat allerdings Nebenwirkungen, die nicht beabsichtigt sind. Forciert durch die gesellschaftliche Entwicklung und sozialstaatliche Defizite, drohen die Tafeln zu „Lückenbüßern“ bei der Armutsbekämpfung und zu „billigen Lebensmittelentsorgern“ für Supermarktketten zu werden. Des Weiteren untergraben die Tafeln die sozialen Bürgerrechte, wenn sie dazu dienen, sozialstaatliche Leistungen zu ersetzen.

Diese paradoxe Situation lässt sich nicht auflösen, sondern muss politisch und sozial gestaltet werden. So wäre es derzeit keine Lösung, das Angebot der Tafeln einzustellen oder die Einrichtungen gar aufzulösen. Sie sind für viele Betroffene ein wichtiges Angebot, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Darüber hinaus machen die Tafeln das Problem der Armut gesellschaftlich sichtbar, nicht zuletzt, weil sich in den Tafeln auch Bürgerinnen und Bürger aus sozialen Milieus ehrenamtlich engagieren, die nicht von Armut betroffen sind.

Diese paradoxe Situation lässt sich nicht auflösen, sondern muss politisch und sozial gestaltet werden. So wäre es derzeit keine Lösung, das Angebot der Tafeln einzustellen oder die Einrichtungen gar aufzulösen. Sie sind für viele Betroffene ein wichtiges Angebot, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen. Darüber hinaus machen die Tafeln das Problem der Armut gesellschaftlich sichtbar, nicht zuletzt, weil sich in den Tafeln auch Bürgerinnen und Bürger aus sozialen Milieus ehrenamtlich engagieren, die nicht von Armut betroffen sind.

Die derzeitige Debatte verweist allerdings auch darauf, dass es für die Tafeln kein einfaches „Weiter-So“ geben kann. Die einzelnen Einrichtungen und die überregionalen Tafel-Zusammenschlüsse sind gefordert, sich stärker als bislang in die politische Auseinandersetzung um den staatlichen und gesellschaftlichen Umgang mit Armut einzumischen und Position zu beziehen. In Kommunen oder auch auf Bundesebene müssen die Tafeln ihre differenzierten Kenntnisse über die Lebenssituation armer Menschen und deren Probleme einbringen. Gegenüber den lokalen Arbeitsagenturen und Sozialämtern muss deutlich gemacht werden, dass die Leistungen der Tafel rechtlich gesicherte, sozialstaatliche Leistungen nicht ersetzen. Eine Politisierung der Tafelarbeit würde somit dem bürgerschaftlichen Aspekt des Engagements Rechnung tragen. Über Helfen und Unterstützen hinaus bedeutet bürgerschaftliches Engagement auch, sich einzumischen, auf gesellschaftliche Probleme hinzuweisen und an ihrer Bearbeitung mitzuwirken.

Kommentar von Prof. Dr. Gisela Jakob für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 90 – Mai 2009 vom 28.05.2009.