Einfach mal helfen?

Die ARD Themenwoche "Ist doch Ehrensache!" vom 10. bis 16. Mai 2009 hat das bürgerschaftliche Engagement zum Programmschwerpunkt gemacht und wollte damit den Blick auf ein "gesellschaftlich höchst relevantes Thema" lenken. Während die ARD-Verantwortlichen in einer vorläufigen Bestandsaufnahme ein positives Fazit zogen, sprach der SPIEGEL vom "Quotenflop" (21/2009, S. 77) und FOCUS-Online titelte am 12. Mai: "Publikum kehrt ARD-Ehrenamtwoche den Rücken".

Zurück bleibt von der Themenwoche ein geteilter Eindruck. Das Bürgerengagement mehr zu thematisieren ist richtig und wichtig. Den Aktiven und den gemeinnützigen Organisationen hätte man mehr Zuschauer und Zuhörer gewünscht. Bei der Botschaft, mit der das Thema transportiert wurde, dachte man aber streckenweise, hoffentlich hat es keiner gesehen. Vielfach wurde, vor allem bei den Sendungen auf den besseren Sendeplätzen, nicht die gesellschaftliche Relevanz des Engagements herausgestellt, sondern das bürgerschaftliche Engagement auf das schlichte Helfen reduziert.

"Bürgerschaftliches Engagement kann helfen, ohne nach den Ursachen fragen zu müssen" erklärte die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen bei Anne Will zum Thema Armut und Die Tafeln. Ihr Parlamentarischer Staatssekretär Hermann Kues formulierte in der Phoenix-Runde über den Bürger als Lückenbüßer fast wortgleich: "Sie brauchen nicht nach dem Warum fragen, sondern sie geben, weil sie Bedürftigkeit feststellen."

Nicht nach den Ursachen fragen? Das Hauptmotiv sich zu engagieren ist laut Freiwilligensurvey des Bundesfamilienministeriums der Wunsch, die Gesellschaft mitzugestalten. Wer den Eindruck entstehen lässt, es gehe in erster
Linie um zusätzliche Hilfe, um die Ursachenbekämpfung kümmere sich jedoch der Staat, der braucht sich nicht zu wundern, wenn er aus der Debatte um den Bürger als Lückenbüßer nicht herauskommt. Wenn das die Rolle ist, die Stiftern, ehrenamtlich Aktiven, Spendern oder engagierten Firmen zukommen soll, werden wichtige gesellschaftspolitische Potenziale und Kompetenzen verschenkt. Wollen wir uns das einfach mal leisten?

Kommentar von Dr. Stefan Nährlich für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 90 – Mai 2009 vom 28.05.2009.