Mehr Transparenz gegen Guerilla-PR
Die Interessenvertretung hat sich im letzten Jahrzehnt grundlegend verändert. Es gibt nicht nur mehr Gruppen und Organisationen, die ihre Interessen einbringen. Wichtiger ist auch die Kommunikation der Interessen gegenüber der Gesellschaft geworden. Unternehmen, Verbände und andere Organisationen sind um ein möglichst positives Image in der Öffentlichkeit bemüht. Da interessegeleitete PR nicht sehr glaubwürdig ist, sind viele bestrebt, Reputation durch unabhängige Personen und Organisationen zu bekommen. Am wirkungsvollsten ist dieser Reputationstransfer, wenn der Absender bzw. der Auftraggeber unsichtbar ist.
Für diese Guerilla- oder Undercover-PR-Methoden gibt es in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Beispielen. Vor ein paar Jahren ist die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) damit aufgefallen, dass sie ihren Auftraggeber eher verschwiegen hat, heute sind es die Deutsche Bahn und der Deutsche Bauernverband, die sich dem Vorwurf der intransparenten Öffentlichkeitsarbeit aussetzen.
Mehr Kontrolle ist hier offensichtlich notwendig. Dafür bieten sich zwei Wege an. Einmal müssen die Selbstkontrollmechanismen der PR noch besser greifen. Hier sind die berufsständischen Organisationen wie der Deutsche Rat für Public Relations gefragt, um solches Verhalten eindeutig zu sanktionieren. Es liegt aber auch an den Unternehmen und Verbänden, die internen Kontrollmechanismen zu stärken, damit für die Öffentlichkeit auch deutlich wird, wer welche Botschaften versendet.
Der andere Weg ist der der zivilgesellschaftlichen Kontrolle. Watchdog-Gruppen wie LobbyControl erfüllen hier eine wichtige Funktion, wenn sie Fehlverhalten aufdecken und skandalisieren. Diese Funktion ist die ureigenste Aufgabe der Medien, doch sind diese allzu oft selbst mit den Interessengruppen verbandelt. Viele freie Journalisten arbeiten aus ökonomischen Zwängen auch im PR-Bereich, und über das Anzeigengeschäft baut sich ein subtiler Zwang zur konformen Berichterstattung auf. Zivilgesellschaftliche Organisationen übernehmen daher oft diese unbequeme Rolle und tragen zur Erhaltung der wichtigsten Güter der Demokratie – Öffentlichkeit und Transparenz – bei.
Kommentar von Dr. Rudolf Speth für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 91 – Juni 2009 vom 30.06.2009.