Telekom strebt Weltführung in Corporate Responsibility an
Die Deutsche Telekom hat in ihrem CR-Bericht 2009 verkündet, die internationale Führungsrolle in Corporate Responsibility (CR) übernehmen zu wollen. Schon länger hat sich der Konzern mit der Deutsche Telekom Stiftung dem Thema Bildung verschrieben – nun strebt er eine umfassende "CR-Leadership" an.
Ein solch hoch gestecktes Ziel kann nur erreicht werden, wenn das Unternehmenshandeln konsequent und strategisch an den CR-Zielen ausgerichtet wird. Zudem muss eine CR-Strategie, die sämtliche Unternehmensaktivitäten umfasst und entlang der gesamten Wertschöpfungskette verfolgt wird, vom Management und der Konzernspitze getragen werden – was bei der Telekom der Fall zu sein scheint.
Eine derart umfassende Strategie benötigt zudem die Konzentration auf das Wesentliche. Die Telekom hat daher drei Handlungsfelder identifiziert, auf denen weltweit Maßstäbe gesetzt werden sollen: die nachhaltige Vernetzung von Leben und Arbeiten, die Integration möglichst vieler Menschen in die Wissensgesellschaft und die CO2-reduzierte Gesellschaft. Das Thema Datensicherheit ist nicht dabei.
Mit der Integration in den Wertschöpfungsprozess wird CR zu einem Geschäftsfeld wie schon bei anderen Konzernen. Gesellschaftliche Verantwortung betrifft nun auch das Kerngeschäft und die Lieferkette – vor allem in Ländern, in denen Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Ökoeffizienz und gesellschaftliche Verantwortung noch nicht weit oben auf der Tagesordnung stehen.
Das Vorhaben klingt nach einem großen Aufbruch des Unternehmens, der Mobilisierung aller Mitarbeiter und Lieferanten. Am Ende muss sich eine solche Strategie jedoch in Zahlen ausdrücken lassen. Denn sie garantieren Messbarkeit, und Zahlen sind der wichtigste – international verständliche – Code der Unternehmensführung. Ein Indikatorensystem soll die Fortschritts- und Erfolgskontrolle möglich machen.
Zudem muss die CR-Strategie zum Erfolg des Unternehmens beitragen – und dieser Erfolg entscheidet sich an der Kundenfront. Werden mehr Mobilfunkverträge, mehr Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüsse verkauft, wenn wenn sich das Unternehmen gesellschaftlich verantwortliches Handeln auf die Fahnen schreibt? Wichtig für die Kunden eines Telekommunikationskonzerns ist, dass er verantwortlich mit den persönlichen Daten umgeht. Hier gab es in jüngster Zeit doch erhebliche Zweifel.
Kommentar von Dr. Rudolf Speth für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 93 – August 2009 vom 31.09.2009.