Weihnachtszeit, Spendenzeit

Zu Weihnachten sind wir nicht nur in Kauflaune, viele von uns sind auch spendenfreudig. Daran scheint auch die Finanzkrise nicht viel zu ändern. Im Dezember, so vermelden die Medien, werden 500 Millionen Euro an Vereine, Stiftungen oder soziale Einrichtungen gespendet, ähnlich wie im Vorjahr. Trübt also nichts das frohe Fest?

Spendenfachleute sind da weniger euphorisch. Sie weisen wie jüngst auf einer Tagung im Wissenschaftszentrum Berlin darauf hin, dass sich das Spendenaufkommen seit 20 Jahren nahezu unverändert zwischen 3 und 5 Mrd. Euro jährlich bewegt. Trifft dies zu, wäre die Spendensumme real rückläufig, denn Deutschland ist seit der Wiedervereinigung größer geworden und auch das zur Verfügung stehende Einkommen ist real gewachsen. Mehrmals hat der Gesetzgeber in den letzten Jahren das Stiften und Spenden auch steuerlich attraktiver gemacht, die Zahl der professionellen Fundraiser ist gestiegen. Ohne die erwünschten positiven Auswirkungen auf das Spendenaufkommen?

In seiner aktuellen Evaluierungsstudie des „Hilfen für Helfer“-Gesetzes kommt das DZI unter Bezug auf die Laufende Wirtschaftsrechnung (LWR) des Statistischen Bundesamtes für 2006 auf 3,6 Mrd. Euro Spenden und auf weitere 7,2 Mrd. Euro an Mitgliedsbeiträgen für Gemeinnützige. Das ist in der Höhe eine Überraschung, denn insgesamt entspräche das einem privaten Finanzengagement von knapp 11 Mrd. Euro für gemeinnützige Zwecke. Also doch alles gut? Vielleicht. Wer aber nach validen Daten über die Spendenentwicklung sucht, ist kaum schlauer als vorher: die verschiedenen Datenquellen wie LWR, Einkommensteuerstatistik oder Umfragen sind nicht miteinander kompatibel, die Daten stehen nicht zeitnah zur Verfügung. Entwicklungen und Einflüsse auf das Spendenverhalten kann man so nicht erkennen.

Notwendig ist eine kontinuierliche Spendenberichterstattung, die zeitnah Daten und Fakten liefert. Hierfür setzt sich neben dem DZI auch das Projekt „Zivilgesellschaft in Zahlen“ ein. Um diese notwendige Grundlage für eine sachorientierte Engagementpolitik zu schaffen, sollte die Bundesregierung dem Statistischen Bundesamt den Auftrag zur statistischen Erfassung des Non-Profit-Sektors erteilen.

Kommentar von Dr. Stefan Nährlich für "Aktive Bürgerschaft aktuell" – Der Online-Nachrichtendienst Bürgergesellschaft, Ausgabe Nr. 96, vom 17.12.2009