Only bad news are good news

Wenn Bürgerengagement in den Medien vorkommt, dann vor allem mit zwei Themen: beispiellose Hilfe bei Katastrophen und erschütternde Skandale. Die Welt zwischen diesen beiden Extremen gewinnt nur langsam an Beachtung.

Wenn sich Katastrophen ereignen, wie jüngst in Südasien, sind die Medien nicht nur voll mit Schreckensmeldungen, dann ist auch viel von beispielloser Solidarität und Hilfe, von enormer Spendenbereitschaft und couragiertem persönlichem Einsatz die Rede, kurz: vom Engagement der Zivilgesellschaft. Zu Recht! Doch bald fragen auch besorgte Stimmen in den Zeitungen und Zeitschriften, im Fernsehen und Hörfunk, ob denn die Hilfe auch wirklich ankommt und wie lange das Engagement wohl anhält.

Nun, vermutlich hält das Engagement länger an als das Interesse der Medien. Denn so berechtigt die Fragen nach Wirkung und Nachhaltigkeit auch sind, so sehr zeigen sie auch das Problem, das Bürgerengagement, Nonprofit-Organisationen oder Zivilgesellschaft und die Medien haben. Bürgerschaftliches Engagement wird zumeist in Beiträgen auf das Mitmenschliche, um nicht zu sagen auf das "Menschelnde", reduziert. Ach, gut, dass es doch noch etwas Wärme in unserer kalten Leistungsgesellschaft gibt, meint man zwischen den Zeilen herauszuhören. Erfolgreiche Fundraiser wissen das längst, und so befolgen professionelle Spendenbeschaffer die gute alte Regel: Kinder rühren besonders unser Herz und öffnen die Geldbörsen. Und weil auch die Medien das Spiel kennen, und es ihnen manchmal selbst wohl nicht ganz geheuer ist, gibt es noch eine zweite Linie in ihrer Berichterstattung, und die heißt: Skandal! Dann wird - häufig einige Zeit nach solchen Katastrophen - nach den unschönen Beispielen gesucht: Spendenveruntreuung, Missmanagement und überforderte Helfer sind dann gefragt. Wer dazu etwas "Kritisches" sagen kann, schafft es sogar bis ins Fernsehen.

Nicht, dass es keine Missstände geben würde. Selbstverständlich gibt es die auch. Wie überall. Und natürlich ist es die Aufgabe von Journalisten, diese zu recherchieren, aufzudecken und zu kritisieren. Auch dazu sind Medien da. Sie sollen die Welt aber auch so zeigen, wie sie ist. Das tun sie in Bezug auf bürgerschaftliches Engagement aber meistens nur sehr einseitig. Neue Trends werden kaum aufgegriffen. Alles bleibt beim Alten. Wer nur Katastrophen oder Skandale, herzzerreißende Geschichten oder "innovative Modellprojekte" für berichtenswert hält, bekommt bald auch genau das geliefert, wer will es den gemeinnützigen Organisationen verdenken. Selbsterfüllende Prophezeiungen nennt man dann so etwas.

Offenbar hält es z.B. kaum jemand für interessant zu fragen, wie es sein kann, dass manche spendensammelnde Organisationen hundert Prozent aller Spenden beim Empfänger abliefern können. Dabei müsste eigentlich jedem klar sein, dass dies nur sinnvoll möglich ist, wenn bereits Strukturen, Kontakte, Kompetenzen und Fähigkeiten bestehen und finanziert sind, die dies ermöglichen. Wo also kommt das Geld dafür her? Wer sorgt dafür, dass alles funktionieren kann? Nicht nur derjenige, der sich spontan und unter medialer Beachtung engagiert, sondern auch der, der langfristig und unspektakulär dafür sorgt, dass Strukturen entstehen und erhalten bleiben, durch die erst kurzfristiges Engagement möglich ist, verdient Aufmerksamkeit.

In letzter Zeit sind jedoch auch einige Bemühungen zu erkennen, die Qualität, Vielfalt und Kontinuität der Berichterstattung über bürgerschaftliches Engagement zu verbessern. So widmet sich die Frankfurter Rundschau regelmäßig mittwochs dem Thema Globalisierung und Bürgergesellschaft, und die Robert Bosch Stiftung zeichnet Journalisten für hervorragende Pressebeiträge zum Thema Bürgerengagement aus. Jeder dritte Bundesbürger ist ehrenamtlich engagiert, in den 600.000 Vereinen in Deutschland, 12.000 Stiftungen oder in anderer Form. Das ist nicht nur ein großes Potential an interessierten Lesern, Rundfunkhörern und Fernsehzuschauern, das könnten auch, zumal für die Zeitungen, "Kunden" sein.

Kommentar: Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer Aktive Bürgerschaft e.V.