Sachverständigenkommission für den Ersten Engagementbericht der Bundesregierung


"Aktive Bürgerschaft aktuell" hat die Kommissionsmitglieder nach ihrer Sicht auf das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen und nach ihrem Anliegen für die Kommissionsarbeit befragt:


Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat deutlich gemacht, wie wichtig Vertrauen für eine funktionierende Wirtschaft ist. Und Unternehmen können einen wichtigen Beitrag für die Erstellung dieses Vertrauens- und Sozialkapitals leisten. Voraussetzung ist, dass sich die Unternehmenslenker der Verantwortung bewusst sind und erkennen, wie ihr Verhalten im öffentlichen Raum wahrgenommen und bewertet wird. Bürgerschaftliches Engagement muss auf die Gestaltung dieses öffentlichen Raumes ausgerichtet sein, um eine verlässliche Basis jenseits der Wirtschafts- und Rechtsordnung für unternehmerisches Handeln zu sichern.

Mein Anliegen: Eine klare Positionierung zu den Handlungsmöglichkeiten und -grenzen des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen zu erarbeiten und auf die Verantwortung von Eliten für die Gestaltung des öffentlichen Raums aufmerksam zu machen.

Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor und Mitglied des Präsidiums des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln e.V. Vorsitzender der Sachverständigenkommission für den Ersten Engagementbericht der Bundesregierung


Schmal ist der Grat zwischen gesellschaftlichem Engagement aus Überzeugung und imagegetriebenen Bekenntnissen vor Publikum. Wir brauchen mehr Menschen – Manager und Mitarbeiter – die sich und ihren Betrieb als wichtigen Teil eines größeren Gemeinwesens begreifen. Die Kernfrage lautet: Wie können Unternehmen im Interesse aller die eigene Rolle als Partner der Zivilgesellschaft und der Politik weiterentwickeln? Gerade Unternehmen mit einer hohen gesellschaftlichen Relevanz haben dazu eine staatsbürgerliche Pflicht.

Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom AG


Unternehmen stellen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung, wenn sie nützliche Güter nachhaltig produzieren, Arbeitsplätze zu guten Bedingungen schaffen, Menschen ausbilden, Beruf und Familie zu vereinbaren helfen und Menschen mit Behinderung nicht ausgrenzen. Dann bauen sie ihren Erfolg darauf, für Bürgerinnen und Bürger nützlich zu sein. Wenn sie sich darüber hinaus engagieren, etwa Initiativen fördern, die im Umfeld ihrer Standorte sozial aktiv sind, umso besser.

Prof. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes e.V.


Mit dem Ersten Engagementbericht der Bundesregierung besteht nunmehr die Chance, die gesellschaftliche Rolle von Unternehmen zu thematisieren. Während das BMAS unter dem Leitbegriff  Corporate Social Responsibility der betriebs- und volkswirtschaftlichen Dimension der gesellschaftlichen Rolle von Unternehmen nachgeht, rückt das BMFSFJ im Ersten Engagementbericht das Unternehmensengagement als Corporate Citizen und damit die Gesellschaft in den Mittelpunkt. Die gesellschaftlichen Effekte unternehmerischen Engagements wurden in der Vergangenheit der Sozialen Marktwirtschaft als gegeben angenommen, aber in der Tat ist nicht jede unternehmerische Aktivität zugleich auch gesellschaftlich sinnvoll und zweckmäßig.

Holger Backhaus-Maul, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg


Bürgerschaftliches Engagement ist bei vielen Arbeitgebern fester Bestandteil der Unternehmenskultur. Die erste Priorität der Kommission sollte daher sein, dass ihre Arbeit praxisrelevant und praxisbezogen ist. Theoretische Diskussionen um Abgrenzungsfragen zu CSR sind nicht zielführend und für das Engagement der Unternehmen unrelevant. Insbesondere die kleinen Unternehmen und der Mittelstand richten ihr Engagement nach den Bedürfnissen der Menschen vor Ort aus, nicht nach den Begriffsdefinitionen von Wissenschaftlern oder einer Kommission zum Thema bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen. Es muss darum gehen, das bürgerschaftliche Engagement von Unternehmen in seiner Vielfältigkeit bekannter zu machen und gerade das der kleinen Unternehmen besser zu verstehen.

Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der BDA | Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände


Jenseits staatsfixierter Ansätze auf der einen und marktliberaler Ansätze auf der anderen Seite wird das bürgerschaftliche Engagement insbesondere auch von Wirtschaftsunternehmen immer häufiger als alternative Steuerungsressource zur Umgestaltung des wohlfahrtsstaatlichen Arrangements in Deutschland betrachtet. Damit sind allerdings auch veränderte Formen der Koordination in komplexen gesellschaftlichen Strukturen verbunden, an denen Unternehmen, zivilgesellschaftliche Akteure und staatliche Organisationen mitwirken. Die Arbeit in Netzwerken setzt allerdings voraus, dass Kooperationsbeziehungen neu entwickelt und dabei eine Kohärenz öffentlicher und privater Aktivitäten erzielt werden, die sich an längerfristigen Wirkungen und weniger an kurzfristigen Outputs orientieren. Die Weiterentwicklung des bürgerschaftlichen Engagements von Unternehmen dürfte auch von der Antwort auf die Frage abhängen, in welcher Weise diese Voraussetzungen geschaffen werden.

Prof. Dr. Sebastian Braun, Humboldt-Universität zu Berlin


Der Kommission gehören weiterhin an:

Prof. Dr. Helmut K. Anheier, Universität Heidelberg, Direktor des Centrums für soziale Investitionen und Innovationen (CSI), Heidelberg

Prof. Dr. André Habisch, Katholische Universität Eichstätt

Edeltraud Glänzer, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands der IG BCE  Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie