Die Entstehung der Bürgerstiftungen: Frederick Goff


Seit den 1990er Jahren haben sich Bürgerstiftungen weltweit verbreitet. Dies hätte sich Frederick Goff, der „Erfinder“ der Bürgerstiftung, wohl nicht träumen lassen, als er 1914 im US-amerikanischen Bundesstaat Ohio die Cleveland Community Foundation ins Leben rief. Der Bankier und Rechtsanwalt wollte mit einer unabhängigen lokalen Stiftung von Bürgern für Bürger Philanthropie effektiver gestalten. Auslöser war, dass die Bank, in der Goff arbeitete, zahlreiche gemeinnützige Stiftungen treuhänderisch verwaltete. Viele dieser Stiftungen sollten Zwecke oder Institutionen fördern, die nach dem Tod der Stifter obsolet geworden waren. Die „dead hands of the past“, der obsolet gewordene Stifterwille, erschwerten es oder machten es gar unmöglich, die Mittel auszuschütten.

Goffs Vision war, die gemeinnützigen Mittel lebender und verstorbener Stifter dauerhaft in einer gemeinsamen Stiftung zu bündeln und die Erträge bestmöglich für das Gemeinwohl in Cleveland einzusetzen. Ein Vorstand, zusammengesetzt aus Bürgerinnen und Bürgern aus der Region, sollte sicherstellen, dass „die Bewohner Clevelands bestmöglich mental, moralisch und physisch gefördert würden.“ Das Kapital wurde weiterhin von den Banken als Trustees verwaltet, der Vorstand konnte aber unabhängig über die Förderung entscheiden. Noch heute erkennt man die erste Generation amerikanischer Bürgerstiftungen daran, dass sie als Trust organisiert sind.

Fast 100 Jahre nach Gründung der Cleveland Community Foundation ist Goffs Vision Wirklichkeit geworden: Die Stiftung verwaltet ein Vermögen von 1,8 Milliarden Dollar. Nach ihrem Vorbild sind in den USA mehr als 700 Bürgerstiftungen mit einem Gesamtvermögen von rund 44,5 Milliarden USDollar entstanden. Weltweit existieren mehr als 1.680 Bürgerstiftungen in 51 Ländern.

Weitere Informationen: www.clevelandfoundation.org


Frederick Goff: »Es wäre schön, wenn jemand, der sein Testament aufsetzt, zu einer dauerhaft bestehenden Organisation gehen und sagen könnte: „Hier ist eine große Geldsumme. Ich möchte sie hinterlassen, um das Gemeinwohl vor Ort zu fördern. Da ich nicht weiß, was in 50 Jahren die größten Bedürfnisse sein werden, gebe ich sie in Ihre Hände, um zu entscheiden, was getan werden soll.“«