Bürgerstiftungen ermöglichen es den Menschen, selbst aktiv zu werden. Als Stifter, Spender oder Ehrenamtlicher. Mit Geld, Zeit oder Ideen. Für die Stadt oder Region in der man lebt. Für Bildung und gute Nachbarschaften, für Kultur und Umwelt. Bürgerstiftungen bestimmen selbst, was sie tun. Von Bürgern für Bürger.

Da der Begriff Bürgerstiftung nicht rechtlich definiert ist, haben die im Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen mitarbeitenden Bürgerstiftungen im Jahr 2002 die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ formuliert. Diese Merkmale definieren, ob eine Stiftung eine Bürgerstiftung ist.

Da es bislang grundsätzlich keine rechtliche Möglichkeit gibt, Stiftungen die Verwendung des Namens Bürgerstiftung zu untersagen, setzen sich die Bürgerstiftungen und die sie fördernden Organisationen Stiftung Aktive Bürgerschaft und Initiative Bürgerstiftungen mit verschiedenen Instrumenten für einen Schutz des Begriffs Bürgerstiftung ein. Mehr dazu in der Gemeinsamen Erklärung der Aktiven Bürgerschaft und der Initiative Bürgerstiftungen.

Kommunen empfehlen wir freundlich die Orientierung an den folgenden Hinweisen und den nachfolgenden "10 Merkmalen einer Bürgerstiftung".




 

 

 

 

10 Merkmale einer Bürgerstiftung


Arbeitskreis Bürgerstiftungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, Mai 2000

Eine Bürgerstiftung ist eine unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftung von Bürgern für Bürger mit möglichst breitem Stiftungszweck. Sie engagiert sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen in einem geografisch begrenzten Raum und ist in der Regel fördernd und operativ für alle Bürger ihres definierten Einzugsgebiets tätig. Sie unterstützt mit ihrer Arbeit bürgerschaftliches Engagement.

  1. Eine Bürgerstiftung ist gemeinnützig und will das Gemeinwesen stärken. Sie versteht sich als Element einer selbstbestimmten Bürgergesellschaft.
  2. Eine Bürgerstiftung wird in der Regel von mehreren Stiftern errichtet. Eine Initiative zu ihrer Errichtung kann auch von Einzelpersonen oder einzelnen Institutionen ausgehen.
  3. Eine Bürgerstiftung ist wirtschaftlich und politisch unabhängig. Sie ist konfessionell und parteipolitisch nicht gebunden. Eine Dominanz einzelner Stifter, Parteien, Unternehmen wird abgelehnt. Politische Gremien und Verwaltungsspitzen dürfen keinen bestimmenden Einfluss auf Entscheidungen nehmen.
  4. Das Aktionsgebiet einer Bürgerstiftung ist geografisch ausgerichtet: auf eine Stadt, einen Landkreis, eine Region.
  5. Eine Bürgerstiftung baut kontinuierlich Stiftungskapital auf. Dabei gibt sie allen Bürgern, die sich einer bestimmten Stadt oder Region verbunden fühlen und die Stiftungsziele bejahen, die Möglichkeit einer Zustiftung. Sie sammelt darüber hinaus Projektspenden und kann Unterstiftungen und Fonds einrichten, die einzelne der in der Satzung aufgeführten Zwecke verfolgen oder auch regionale Teilgebiete fördern.
  6. Eine Bürgerstiftung wirkt in einem breiten Spektrum des städtischen oder regionalen Lebens, dessen Förderung für sie im Vordergrund steht. Ihr Stiftungszweck ist daher breit. Er umfasst in der Regel den kulturellen Sektor, Jugend und Soziales, das Bildungswesen, Natur und Umwelt und den Denkmalschutz. Sie ist fördernd und/oder operativ tätig und sollte innovativ tätig sein.
  7. Eine Bürgerstiftung fördert Projekte, die von bürgerschaftlichem Engagement getragen sind oder Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Dabei bemüht sie sich um neue Formen des gesellschaftlichen Engagements.
  8. Eine Bürgerstiftung macht ihre Projekte öffentlich und betreibt eine ausgeprägte Öffentlichkeitsarbeit, um allen Bürgern ihrer Region die Möglichkeit zu geben, sich an den Projekten zu beteiligen.
  9. Eine Bürgerstiftung kann ein lokales Netzwerk innerhalb verschiedener gemeinnütziger Organisationen einer Stadt oder Region koordinieren.
  10. Die interne Arbeit einer Bürgerstiftung ist durch Partizipation und Transparenz geprägt. Eine Bürgerstiftung hat mehrere Gremien (Vorstand und Kontrollorgan), in denen Bürger für Bürger ausführende und kontrollierende Funktionen innehaben.

 

 

 

 

Meinungsbild: "10 Merkmale einer Bürgerstiftung"

 

Im Frühjahr 2015 hat die Aktive Bürgerschaft die 378 Bürgerstiftungen bundesweit befragt, ob und welchen Handlungsbedarf sie bezüglich der Einhaltung der „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ sehen. Jetzt sind die Ergebnisse da: Die große Mehrheit der Bürgerstiftungen hat ihre uneingeschränkte Übereinstimmung mit den „10 Merkmalen“ bekräftigt und fordert, dass der Begriff „Bürgerstiftung“ nur von Stiftungen verwendet wird, die diesen entsprechen.

Hintergrund der Befragung ist, dass seit einigen Jahren insbesondere von Kommunen zunehmend Stiftungen gegründet und als Bürgerstiftung deklariert werden, die gemäß den „10 Merkmalen“ keine sind. Seit 2013 setzt sich die Aktive Bürgerschaft zusammen mit der Initiative Bürgerstiftungen verstärkt dafür ein, dass der Begriff Bürgerstiftung hält, was er verspricht: eine „Stiftung von Bürgern für Bürger“. Dies wird von 99 Prozent der Bürgerstiftungen befürwortet. Am Meinungsbild haben sich 200 der 378 Bürgerstiftungen bundesweit beteiligt. Hier finden Sie die Ergebnisse in der Übersicht.




 

 

 

 

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Protokoll der Sitzung des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement vom 22.04.2015

Die Stiftung Aktive Bürgerschaft hat gemeinsam mit der Initiative Bürgerstiftungen den Unterausschuss des Deutschen Bundestages über die positive Entwicklung der Bürgerstiftungen und auch über die Nicht-Bürgerstiftungen informiert.

 

 

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