Fragen und Antworten zur Bürgerstiftung

 

 

1. Was ist eine Bürgerstiftung?

Was eine Bürgerstiftung ist, definieren die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. In der Präambel heißt es: „Eine Bürgerstiftung ist eine unabhängige, autonom handelnde, gemeinnützige Stiftung von Bürgern für Bürger mit möglichst breitem Stiftungszweck. Sie engagiert sich nachhaltig und dauerhaft für das Gemeinwesen in einem geografisch begrenzten Raum und ist in der Regel fördernd und operativ für alle Bürger ihres definierten Einzugsgebiets tätig. Sie unterstützt mit ihrer Arbeit bürgerschaftliches Engagement.“

Zu den „10 Merkmalen“…




2. Wie viele Bürgerstiftungen gibt es in Deutschland?

Der Begriff Bürgerstiftung ist gesetzlich nicht geschützt. Daher definieren die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“, ob eine Stiftung eine Bürgerstiftung ist. Derzeit gibt es rund 380 Bürgerstiftungen in Deutschland, die den „10 Merkmalen“ entsprechen. 275 davon tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen (Stand 10/2014). Da nicht alle Bürgerstiftungen, die die Merkmale erfüllen, das Gütesiegel beantragen, entsteht diese Differenz. Darüber hinaus gibt es auch Stiftungen, die sich selbst als Bürgerstiftung bezeichnen, die „10 Merkmale einer Bürgerstiftung“ aber nicht erfüllen. Der Bürgerstiftungsfinder listet alle Bürgerstiftungen, die den Merkmalen entsprechen. Mehr zu den „10 Merkmalen“…


3. Wie kann man bei einer Bürgerstiftung mitmachen?

Mit Geld, Zeit oder Ideen – jeder kann mit seinen Mitteln in der Bürgerstiftung für das lokale Gemeinwesen aktiv werden. Grundlage hierfür sind der breite Stiftungszweck der Bürgerstiftung und die vielen Möglichkeiten des Engagements, sei es als Stifter, Spender, mit einem eigenen Stiftungsfonds, durch ehrenamtliches Engagement in den Gremien, freiwillige Mitarbeit in Projekten und Arbeitsgruppen oder durch gute Ideen für die Arbeit der Bürgerstiftung. Mitstiften können alle, mit kleinerem ebenso wie mit größerem Vermögen. Auch Vereine, Kirchengemeinden, Unternehmen, Banken und Kommunen können Stifter werden. Zum Mitstiften…


4. Wie wird eine Bürgerstiftung gegründet?

Um eine Bürgerstiftung zu gründen, muss bei der zuständigen Stiftungsbehörde (i.d.R. Bezirksregierung) ein Antrag auf staatliche Anerkennung gestellt werden. Erst mit der Anerkennung entsteht die Stiftung als selbständige juristische Person privaten Rechts. Dem Antrag sind Entwürfe des Stiftungsgeschäfts (Formular mit Namen und Zweck der Stiftung, Nennung der Erststifter und Höhe des Anfangsvermögens, Benennung der Mitglieder des ersten Vorstands und des ersten Kuratoriums) und der Stiftungssatzung sowie der Nachweis des Stiftungsvermögens beizufügen. Die juristischen Grundlagen sind die Stiftungsgesetze der Länder, das BGB sowie steuerrechtliche Vorschriften wie beispielsweise die Abgabenordnung. Mehr im Wegweiser zur Bürgerstiftung…


5. Was kann die Bürgerstiftung leisten?

Die Bürgerstiftung ist ein innovatives Stiftungsmodell, weil sie langfristig aus eigener Kraft und durch eigene finanzielle Mittel bürgerschaftliches Engagement vor Ort organisiert, vernetzt und bündelt. "Mitmachen und mitentscheiden" charakterisiert ihre Funktionsweise. In entsprechenden Gremien (Vorstand, Kuratorium, Stifterversammlung, Ausschüsse) beteiligen sich Stifter an der Entscheidung über die Mittelvergabe. Als erste Ansprechpartner für bürgerschaftliches Engagement sind Bürgerstiftungen neutrale Mittler zwischen denjenigen, die sich engagieren wollen, und denjenigen, die Unterstützung brauchen. Mehr dazu in den "Roten Seiten"...

 

 

 

6. Wie sind Bürgerstiftungen entstanden?

 

Vor gut 100 Jahren erfand der US-Amerikaner Frederick Goff in Cleveland, Ohio, die erste Bürgerstiftung. Als Anwalt und Bankier verwaltete er zahlreiche Nachlässe und Treuhandstiftungen. Eigentlich eine schöne Aufgabe, doch bereiteten Goff die „toten Hände der Vergangenheit“ schlaflose Nächte. So bezeichnete er die Wünsche vieler Stifter, die Jahrzehnte nach deren Tod obsolet geworden waren oder nicht mehr dem aktuellen Bedarf entsprachen. Mit der Bürgerstiftung entwickelte Goff ein ewigkeitstaugliches Stiftungsmodell. Seine Idee: Handelnde Akteure und Problemlagen vor Ort verändern sich, die Bürgerstiftung bleibt dauerhaft bestehen. Alle Bürgerinnen und Bürger können zustiften. Die orts- und sachkundigsten von ihnen stellen in den Gremien sicher, dass die finanziellen Mittel sinnvoll eingesetzt und drängende Probleme angegangen werden – auch in künftigen Generationen. 100 Jahre später verwaltet die Cleveland Foundation ein Vermögen von fast 2 Milliarden US-Dollar. Weltweit existieren über 1.800 Bürgerstiftungen in mehr als 50 Ländern. Mehr erfahren…




 

7. Was kann ich an eine Bürgerstiftung stiften?

Bürgerstiftungen finanzieren ihre Arbeit grundsätzlich durch Spenden und durch die Erträge aus dem Stiftungsvermögen. Dies kann neben Geldbeträgen auch aus Wertpapieren, Beteiligungen, Patenten, Lizenzen oder sonstigen geldwerten Rechten bestehen. Auch Grundstücke, Immobilien oder Kunstgegenstände können in das Stiftungsvermögen eingebracht werden. Stiften können Sie, indem Sie durch eine Zustiftung das Grundstockvermögen der Bürgerstiftung erhöhen oder einen namensgebundenen Stiftungsfonds einrichten, dessen Erträge nur bestimmten Zwecken dienen. Es ist auch möglich und üblich, an Stiftungen zu spenden (Geld- und Sachspenden). In diesem Fall kommt der ganze Betrag bzw. die ganze Sache unmittelbar einem gemeinnützigen Zweck zugute.


8. Wie kann ich Zustiftungen und Spenden steuerlich geltend machen?

Das Engagement für das Gemeinwohl wird vom Fiskus gefördert. Am 1. März 2013 hat der Bundesrat dem „Gesetz zur Stärkung des Ehrenamtes“ zugestimmt. Die Regelungen des Gesetzes treten damit größtenteils rückwirkend zum 1. Januar 2013 in Kraft. Wir haben die wichtigsten Auswirkungen des Gesetzes für Vereine, Stiftungen und engagierte Bürger in einer Übersicht zusammengestellt. Sie können hier die PDF-Datei herunterladen.


9. Macht das Stiften an Bürgerstiftungen in der aktuellen Niedrigzinsphase noch Sinn?

Ja, mehr denn je. Zwar sind Bürgerstiftungen wie alle Stiftungen davon betroffen, dass die Zinserträge aus ihrem Stiftungskapital sinken. Doch die Bürger stiften und spenden mehr denn je an Bürgerstiftungen und wählen diese immer häufiger als Partner für ihren Stiftungsfonds oder ihre Treuhandstiftung. Denn gerade in Zeiten niedriger Zinsen können Bürgerstiftungen dafür sorgen, dass das Stiften reizvoll bleibt, indem sie stifterisches Engagement bündeln und durch geringen Verwaltungsaufwand mehr Geld für die Zweckerfüllung bleibt. Besonders die Stiftungsfonds sind attraktiv: Sie bieten den Stiftern viel Gestaltungsspielraum und reduzieren den Verwaltungsaufwand und die Kosten, so dass mehr Mittel für die Zweckverwirklichung verbleiben.


10. Sind Bürgerstiftungen Lückenbüßer für staatliche Aufgaben?

Das ist eine vieldiskutierte Frage, auch unter den Bürgerstiftungen selbst. Niemand, der sich engagiert, will ein Lückenbüßer sein. Gleichwohl stehen auch Politik und Verwaltung vor der Frage, wo sie Prioritäten setzen oder Mittel einsparen können. Dass dies auch in Bereichen geschieht, in denen Bürgerstiftungen und andere Formen bürgerschaftlichen Engagements aktiv sind, ist nicht von der Hand zu weisen. Ob das bürgerschaftliche Engagement ein Lückenbüßer für einen abbauenden Sozialstaat ist, wie manche befürchten, oder ein Mehr an gesellschaftlicher Teilhabe bringt, wie viele hoffen, liegt zum einen am Selbstverständnis der Engagierten. Bürgerstiftungen verstehen sich als selbstbestimmte, unabhängige Akteure.

Zum anderen liegt es an der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen. Das ordnungspolitische Prinzip der Subsidiarität geht davon aus, dass zunächst der Einzelne, Familien und Lebenspartner, Freunde und Verwandte einander helfen, dann freiwilliges Engagement aktiv wird. Wenn diese Kräfte erschöpft sind, soll der Staat handeln. So verstanden, füllen Bürgerstiftungen keine staatlichen Lücken, sondern kümmern sich vorangehend und oft auch vorausschauend um Gemeinwohlaufgaben. Inwieweit das Prinzip der Subsidiarität ordnungspolitisches Leitbild staatlichen Handelns ist, kann durch bürgerschaftliches Engagement nur bedingt beeinflusst werden.

 

 

Sie haben weitere Fragen?

Für sämtliche Fragen zum Thema Bürgerstiftungen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Sprechen Sie uns an!

 

 

 

 

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