Mehr Unterstützung von außen nötig


Gleichwohl stimmten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion überein, dass heutzutage die Probleme in Familien zunähmen und immer mehr Familien Unterstützung von außen benötigten. Oder, wie es Holger Backhaus-Maul zusammenfasste: "Wir haben Situationen, die für Familien belastend und schwierig sind, die mit Armut einhergehen. Begriffe wie Kindeswohlgefährdung, Verwahrlosung sind Themen, die [...] auf der Tagesordnung stehen." Dieses Bild sieht Johanna von Hammerstein in der Hansestadt Hamburg bei ihrer täglichen Arbeit bestätigt. Sie berichtete über ihre Erfahrungen bei der Bürgerstiftung: „Dann sehen wir in einer großen Stadt, dass es Biographien gibt, [...] wo die Mutter schon aus einer Familie kommt, wo sie vernachlässigt worden ist, wo Gewalt ein Thema war, wo Sucht ein Thema war. Und das wird eben leider sehr schnell an Kinder vererbt."


Leistungspotential von Familien stärken


Mit ihrem Integrationslotsenprojekt setzt die Bürgerstiftung Bad Essen an der Stärkung des Leistungspotentials von Familien an. Dr. Jochen Busse sagte dazu: "Weil die Familie, solange sie funktioniert, ein ganz wichtiges Gesellschaftsmerkmal ist. Und ich denke, das darf man nicht aus dem Fokus verlieren, dass wir auch die Familien an sich nach wie vor stärken müssen." Das erreicht die Bürgerstiftung mit ihrem Projekt, das unter anderem türkischen Müttern die deutsche Sprache näher bringt und ihnen so Hilfe zur Selbsthilfe bietet. Aynur Boldaz, erfolgreiche Unternehmerin mit Migrationshintergrund, weiß aus ihrer eigenen Biographie, wie wichtig das ist: "Ich war selber arbeitslos und habe gesagt: 'Ich muss unbedingt etwas aus meinem Leben machen.' Ich habe angefangen, mir Seminare und Kurse zu suchen, habe ganz schnell die Sprache gelernt und mich beraten lassen; und dann habe ich gesagt, ich muss nicht nur mir alleine helfen, ich möchte auch sehr gerne sehr vielen Menschen helfen, die auch arbeitslos waren."

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion waren sich ebenso einig, dass man weiter für das Engagement von und für Familien werben muss – gerade um die Eigeninitiative der Bürgerinnen und Bürger zu wecken und sie mit Engagement "anzustecken". Hier sei auch der Staat gefragt, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen einen wichtigen Aspekt für das Engagement von und für Familien darstellen. Dem Staat komme dabei eine begleitende Funktion zu: Die Begleitung einer Gesellschaft, die aus sich heraus und in eigener Regie Dinge in die Hand nimmt.


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