bürgerAktiv
Nachrichtendienst Bürgergesellschaft
Ausgabe 178 - Mai 2017
EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser,
in dieser Ausgabe legen wir Ihnen die Lektüre der Rubrik Ausland besonders ans Herz, denn Sie finden darin die Links zu zwei hochinteressanten Gastbeiträgen: Der Philanthropie-Experte Michael Alberg-Seberich hat an der Jahrestagung der kanadischen Bürgerstiftungen in diesem Monat teilgenommen und berichtet in seinem Gastbeitrag für bürgerAktiv, dass auch im einwanderungserprobten Kanada das Thema Integration ganz oben auf der Agenda steht. In der Türkei dagegen würde man sich möglicherweise freuen, wenn zivilgesellschaftliche Organisationen sich "nur" um Integration kümmern müssten - welche Kämpfe politisch engagierte Menschen dort gegenwärtig auszustehen haben und worum es unter der Oberfläche geht, beschreibt die Soziologin und Politikwissenschaftlerin Anil Al-Rebholz in unserem zweiten Gastbeitrag. Beiden Autoren gebührt unser herzlichster Dank.

Ihnen wünschen wir eine anregende Lektüre!

Gudrun Sonnenberg und Dr. Stefan Nährlich, Redaktion bürgerAktiv

INHALT
Aktive Bürgerschaft
> Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2017: Engagement für Integration gewürdigt
> Stiftungsrecht: Zulegung vereinfachen
Gesellschaft
> Vor dem G20-Treffen: Große Stiftungen gründen Plattform
> Flüchtlinge: Rettungseinsätze sind kein Fluchtgrund
> Studie: Jüngere Erben setzen auf Wirkung
Bürgerstiftungen
> Rheda-Wiedenbrück: Engagement gegen drohende Abschiebung
> Lörrach: Immobilienkauf sichert Engagement und Sozialarbeit
Service Learning
> Löhne: Schüler laden Senioren ein
Wirtschaft
> Textilien: Verbraucher kennen nachhaltige Labels nicht
Unternehmen
> DAX 30: Engagement ohne Strategie
> Locomore: Crowdfunding-Investoren droht Verlust
Politik und Staat
> Bundesgerichtshof: Gemeinnützige Vereine dürfen wirtschaftlich tätig sein
> Bundesfinanzministerium: Rechtsstreit um Attac soll weitergehen
> Bundestag: Geldwäschegesetz mit Folgen für Vereine und Stiftungen
> Bundesregierung: Integrationspreis für kommunale Vernetzung
> Deutscher Verein: Kritik am Europäischen Solidaritätskorps
Presseschau
> Deutschlandfunk: Genossenschaft gründen - Wie leicht darf es sein?
> Süddeutsche Zeitung: Reparaturbetriebe für sparsame Kämmerer
> Die Welt: Pädagogisierender Duz-Ton
> Die Welt: Gutes tun lernen
> SWR: Geldsegen nur auf den ersten Blick
> Stern: Aufdringliche Spendenwerbung
Fachmedien
> ZStV: Bürgerstiftungen und Fundraising
> VM: NPO als Vorreiter
Regionales
> Hessen: Sponsoring in Schulen erlaubt, Werbung verboten
> Baden-Württemberg: Programm eingestellt mangels geeigneter Bewerber
> Nordrhein-Westfalen: Neue Kompetenzzentren
> Berlin: Spendenrückgang bei der Tafel nach Veruntreuung
Ausland
> Kanada: Bürgerstiftungen mit großem Vermögenszuwachs
> Gastkommentar: Ringen um die eigene Rolle
> Türkei: Repressionen halten an
> Gastkommentar: Nach dem Referendum
> Ungarn: Offener Brief gegen Restriktionen
> Schweiz: Konstantes Stiftungswachstum
Panorama
> Deutschlandstipendium: Kreative Interpretation
AKTIVE BÜRGERSCHAFT
Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2017
Engagement für Integration gewürdigt
Vor 400 Gästen und musikalisch untermalt vom Damascus String Quintet of SEPO hat die Stiftung Aktive Bürgerschaft am 3. Mai 2017 den Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2017 an die Bürgerstiftungen aus Jena (Thüringen) und Kehl (Baden-Württemberg) verliehen. "Mit einer gelungen Integration stärken wir uns selbst", sagte die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Baden-Württembergs, Gisela Erler, in ihrer Laudatio auf die Bürgerstiftung Kehl. Menschen zu helfen, selbst aktiv zu werden, sei "auch ein zutiefst genossenschaftlicher Ansatz", befand Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, der die Laudatio auf die Bürgerstiftung Jena hielt. In der Gesprächsrunde über die Rolle des Engagements bei der Integration dankte die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement in Berlin, Sawsan Chebli, den Bürgerstiftungen für ihren Integrationsbeitrag, und ZDF-Chefredakteur Dr. Peter Frey prognostizierte, die Integrationsdebatte werde Politik und Gesellschaft noch jahrzehntelang begleiten. Die Aktive Bürgerschaft hat Fotos und Videos der Preisverleihung, die im Forum der DZ BANK AG am Brandenburger Tor in Berlin stattfand, online gestellt.
> www.aktive-buergerschaft.de/foerderpreis
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Stiftungsrecht
Zulegung vereinfachen
Die Stiftung Aktive Bürgerschaft hat an den Gesetzgeber appelliert, die Hürden für die Zulegung einer Stiftung möglichst niedrig zu halten. In einer Stellungnahme zum Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe "Stiftungsrecht" (bürgerAktiv berichtete), plädiert die Aktive Bürgerschaft dafür, die Entscheidung möglichst in die Hände der Gremien der beteiligten Stiftungen zu legen. Damit stünde unter anderen auch Bürgerstiftungen der Weg offen, notleidenden Stiftungen unter ihrem Dach eine Zukunft zu ermöglichen. Hintergrund sind die anhaltend niedrigen Zinsen, die insbesondere kleine Stiftungen in ihrer Existenz bedrohen. Bei einer Zulegung unter das Dach einer Bürgerstiftung können beide Seiten profitieren: der Stifterwille und Stiftungszweck der aufgenommenen Stiftung bleiben erhalten, während die Bürgerstiftung einen Partner zur weiteren Erfüllung ihrer breiten Stiftungszwecke hinzugewinnt. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe erarbeitet derzeit einen Diskussionsentwurf zu Änderungen des Bundesstiftungsrechts.
> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /presse-info ...
> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /AktiveBuerg ...
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GESELLSCHAFT
Vor dem G20-Treffen
Große Stiftungen gründen Plattform
Mehr als 30 Stiftungen aus acht Ländern wollen mit einer "Foundations-Plattform" (F20) die Umsetzung der Agenda 2030 fördern. Sie stellten sie am 16. Mai 2017 der Öffentlichkeit vor und erklärten, Klimaschutzprojekte und die Entwicklung neuer Technologien initiieren und fördern zu wollen. Drei Tage vor dem Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im Juli in Hamburg ist eine Veranstaltung mit 600 Teilnehmern aus Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Politik geplant. An der Plattform beteiligen sich aus Deutschland unter anderem die Stiftung Mercator, die Michael-Otto-Stiftung, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die BMW Foundation Herbert Quandt, die Stiftung deutscher Nachhaltigkeitspreis und die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius.
> www.foundations-20.org/partner.html
> www.forum-csr.net/ ... /StiftungenausallerWel ...
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Flüchtlinge
Rettungseinsätze sind kein Fluchtgrund
Das Engagement der Seenotretter ist kein Faktor, der die Zahl der Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in die Höhe treibt. Das erklärten die Migrationsforscher Elias Steinhilper und Rob Gruijters in einem Gastbeitrag für Die Zeit im April 2017. Sie hatten in einer Studie die Zahlen in vergleichbaren Zeiträumen untersucht und festgestellt: Zur Zeit des EU-Rettungsprogramms "Mare-Nostrum" waren es in einem bestimmten Zeitraum rund 45.000 Menschen, die die gefährliche überfahrt aus Afrika nach Europa riskierten. Nach Auslaufen des Programms stieg in einem vergleichbaren Zeitraum die Zahl auf 63.000.
> www.zeit.de/ ... /fluechtlinge-mittelmeer-fro ...
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Studie
Jüngere Erben setzen auf Wirkung
Reiche junge Menschen, die etwas Gutes tun wollen, legen großen Wert auf Effektivität, Effizienz und Transparenz bei den Organisationen, die sie unterstützen. Das meldeten im Mai 2017 Prof. Dr. Silke Boenigk und Jutta Schrötgens von der Universität Hamburg. In einer qualitativen Studie hatten sie 23 vermögende Erben interviewt, die nach 1961 geboren waren und ein Erbe von mindestens einer Million Euro erwarteten. Neben altruistischen Motiven spürten einige auch einen Erwartungsdruck der Gesellschaft an reiche Familien, sich für das Gemeinwohl zu engagieren, so Boenigk/Schrötgens.
> www.neues-stiften.de/ ... /exklusiv-so-tickt- ...
> www.neues-stiften.de/ ... /4tipps
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BÜRGERSTIFTUNGEN
Rheda-Wiedenbrück
Engagement gegen drohende Abschiebung
Die Bürgerstiftung Rheda-Wiedenbrück engagiert sich gegen die drohende Abschiebung einer siebenköpfigen syrischen Familie nach Bulgarien. Hierzu hat sich die Bürgerstiftung unter Zuhilfenahme eines Anwalts an die Härtefall-Kommission und den Petitionsausschuss des Landes Nordrhein-Westfalen gewandt. So will sie eine erneute Prüfung des Falles erwirken. Die Familie lebt inzwischen seit anderthalb Jahren in Rheda-Wiedenbrück. Ihren Einsatz gegen die drohende Abschiebung begründet die Bürgerstiftung mit den für Geflüchtete unzumutbaren Bedingungen in Bulgarien und beruft sich dabei auf den Artikel 1 des Deutschen Grundgesetzes - die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Bürgerstiftung hofft auf weitere Unterstützung durch die Stadtgesellschaft.
> www.buergerstiftung-rhwd.de/ ... /buergerstif ...
> www.nw.de/ ... /21782536_Die-Buergerstiftung- ...
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Lörrach
Immobilienkauf sichert Engagement und Sozialarbeit
Die Bürgerstiftung Lörrach hat mit dem Umbau und der Sanierung ihrer Immobilie im Bildungsquartier Rosenfels in Lörrach begonnen und im Mai 2017 die lokale Öffentlichkeit über den Stand der Arbeiten nach dem Erwerb des Gebäudes informiert. Sie kaufte es im Februar 2017 für 310.000 Euro von der evangelischen-lutherischen Gemeinde Lörrach und Steinen und sichert so die Zukunft des Schülercafés Kamélion, das der Christliche Verein Junger Männer (CVJM) betreibt. Das Gebäude steht auf dem Campus Rosenfels, auf dem drei Schulen angesiedelt sind. Im Kamélion finden neben dem Cafébetrieb auch Schulsozialarbeit und Familientraining statt. Rund 300.000 Euro wolle die Bürgerstiftung in Heizung, Dämmung und Brandschutz investieren, war in der Lokalpresse am 9. Mai 2017 zu lesen. Die Bürgerstiftung beabsichtige, viele Arbeiten ehrenamtlich zu verrichten. Sie ist mit der Stadtverwaltung wegen eines Betriebskostenzuschusses im Gespräch.
> www.buergerstiftung-loerrach.de
> www.verlagshaus-jaumann.de/inhalt.loerrach-di ...
> www.badische-zeitung.de/ ... /loerrach-besitz ...
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Weiterbilden, austauschen, vernetzen

CampusAktiv - das Portal für Bürgerstiftungen

Teilen Sie Ihre Erfahrungen aus der Arbeit in der Bürgerstiftung mit anderen Aktiven und diskutieren Sie auf dem Portal CampusAktiv - einem kostenlosen Angebot der Stiftung Aktive Bürgerschaft.


> www.campusaktiv.de
 
SERVICE LEARNING
Löhne
Schüler laden Senioren ein
Neunt- und Zehntklässler der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Löhne (NRW), die sich um alte Menschen in Löhne kümmern, haben den Spieß umgedreht und die Senioren in die Schule eingeladen. Sie führten sie durch Klassenräume, statteten mit ihnen der Schulimkerei einen Besuch ab, wo sie den Honig direkt aus der Wabe probieren konnten, und schließlich gab es Kaffee und Kuchen in der Mensa. Es war die erste Veranstaltung dieser Art. Sie fand im Rahmen des Profilkurses Service Learning statt, der ein Teil der Berufsorientierung der Schüler ist.
> www.bbg-loehne.de/ ... /honig-direkt-aus-der- ...
> www.nw.de/ ... /21769548_Von-den-Bienen-Kuhlo ...
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sozialgenial-Kreativwerkstätten

Engagement gestalten

Das außerschulische Engagement der Schüler gestalten: Anregungen dafür bieten die sozialgenial-Kreativwerkstätten der Aktiven Bürgerschaft für Lehrer und Schulsozialarbeiter. Die nächsten Termine sind im September und November. Infos und Anmeldung finden Sie online.


> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /veranstaltu ...
 
WIRTSCHAFT
Textilien
Verbraucher kennen nachhaltige Labels nicht
Die Arbeitsbedingungen von Textilarbeiterinnen und -arbeitern in Ländern wie Bangladesch sind spätestens seit dem Einsturz des Fabrikgebäudes Rana Plaza in Bangladesch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Welche Marken ihre Arbeiter und die Umwelt anständig behandeln, wissen dagegen nur wenige. In einer Umfrage der Kölner Kommunikationsfachfrau Nicole Franken unter 504 Frauen konnten weniger als ein Drittel ein sogenanntes "CSR-aktives Label" nennen, heißt es in einem Bericht des Nachrichtenportals CSR NEWS. Die Kundinnen hätten sich vor allem in den Ladengeschäften informiert.
> www.csr-news.net/ ... /viele-verbraucher-kenn ...
> www.oekom.de/ ... /corporate-responsability-i ...
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UNTERNEHMEN
DAX 30
Engagement ohne Strategie
Mehr als 500 Millionen Euro Sach- und Geldspenden geben die im Deutschen Aktienindex (DAX) notierten DAX-30-Unternehmen jährlich für ihr gesellschaftliches Engagement aus. Doch das Engagement - über das nur 60 Prozent berichteten - sei größtenteils beliebig; nur 17 Prozent der DAX-30-Unternehmen hätten klare Schwerpunkte gesetzt, Wirkungsmessung und Berichterstattung seien meist rudimentär und die Zuständigkeiten für die mit dem Engagement verbundenen Prozesse nur in wenigen Unternehmen klar geregelt. Das berichten die Verfasser der Studie "From Good Intentions to Real Results - Corporate Citizenship of German's DAX 30 Companies", goetzpartners und Beyond Philanthropy. Die Studie basiert den Angaben nach auf Recherchen, Befragungen und Expertengesprächen.
> www.beyondphilanthropy.eu/corporate-citizensh ...
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Locomore
Crowdfunding-Investoren droht Verlust
Die Privatbahn Locomore ist insolvent, ihre Gesellschafterin Ralway Management GmbH habe einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt, berichtete am 11. Mai 2017 die Berliner Zeitung. Unklar sei, was mit dem Geld der Menschen passiert, die sich über Crowdfunding an Locomore beteiligt haben. Insgesamt gehe es um 928.000 Euro. Locomore fährt mit Ökostrom einen elektrischen Zug, der täglich die Strecke zwischen Berlin und Stuttgart bedient. Die Fahrkarten kosten 22 bis 98 Euro. Seit dem Start im Dezember 2016 seien 70.000 Fahrgäste mit Locomore gefahren, meldete das Unternehmen am 6. April 2017. Die Insolvenz begründete es damit, dass die Einnahmen die Ausgaben nicht deckten und die Reserven aufgebraucht seien. Inzwischen teilte Locomore mit, den Zugverkehr bis Mitte Juni 2017 auszusetzen.
> locomore.com/ ... /index.html
> www.berliner-zeitung.de/ ... /locomore-insolv ...
> www.faz.net/ ... /bahn-konkurrent-locomore-de ...
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POLITIK UND STAAT
Bundesgerichtshof
Gemeinnützige Vereine dürfen wirtschaftlich tätig sein
Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 16. Mai 2017 das Amtslöschungsverfahren gegen einen Kita-Verein durch das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg aufgehoben (Aktenzeichen II ZB 7/16). Der Verein betreibt neun Kindertagesstätten und verfolgt ausschließlich und unmittelbar steuerbegünstigte gemeinnützige Zwecke im Sinne der Abgabenordnung. Das Amtsgericht leitete 2015 die Löschung des Vereins aus dem Vereinsregister ein, weil er wirtschaftlich tätig sei. Der Widerspruch des Vereins und die Beschwerde beim Kammergericht blieben erfolglos. Doch jetzt hat der BGH klargestellt, dass der Geschäftsbetrieb des Vereins dem ideellen Hauptzweck des Vereins zuzuordnen ist und deshalb unter das sogenannte Nebenzweckprivileg fällt. Dabei kommt der Anerkennung des Vereins als gemeinnützig entscheidende Bedeutung zu. Sie indiziere, dass der Verein nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb als Hauptzweck ausgerichtet ist. Auch der Umfang der wirtschaftlichen Tätigkeit und wettbewerbsrechtliche Gründe stünden dem nicht entgegen.
> juris.bundesgerichtshof.de/ ... /document.py? ...
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Bundesfinanzministerium
Rechtsstreit um Attac soll weitergehen
Das Bundesfinanzministerium (BMF) hat die Frankfurter Finanzverwaltung angewiesen, weiter um die Aberkennung der Gemeinnützigkeit des globalisierungskritischen Netzwerks Attac zu kämpfen. Die Finanzverwaltung solle im Rechtsstreit nun für eine Revision vor dem Bundesfinanzhof in München streiten, berichtete das Online-Magazin Legal Tribune Online am 19. Mai 2017 unter Berufung auf einen Sprecher des BMF. Zwei Tage vorher hatte das Hessische Finanzgericht die schriftliche Begründung (Aktenzeichen: 4 K 179/16) für das Urteil aus November 2016 veröffentlicht, in dem es der Klage von Attac gegen die 2014 erfolgte Aberkennung der Gemeinnützigkeit recht gab. Das Gericht hatte entschieden, dass die politischen Tätigkeiten des Vereins mit der Gemeinnützigkeit vereinbar seien (bürgerAktiv berichtete). Eine grundsätzliche Bedeutung des Streitfalles über den Einzelfall hinaus sah das Hessische Finanzgericht nicht und hatte daher keine Revision zugelassen. Dagegen wehren sich jetzt BMF und Frankfurter Finanzverwaltung mit der Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof (Aktenzeichen I B 51/17). Das Urteil ist damit noch nicht rechtskräftig, Attac ist nicht gemeinnützig und kann weiterhin keine Spendenquittungen mehr ausstellen.
> fg-kassel-justiz.hessen.de/ ... /94e6da03-b07 ...
> www.attac.de/ ... /schaeuble-ministerium-behi ...
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Bundestag
Geldwäschegesetz mit Folgen für Vereine und Stiftungen
Unternehmen, Vereine und Stiftungen müssen künftig über ein neues Transparenzregister offenlegen, welche natürlichen Personen die Eigentümer sind. Der Bundestag hat mit den Stimmen der Regierungskoalition am 18. Mai 2017 den Gesetzentwurf zur Umsetzung der Vierten EU-Geldwäscherichtlinie beschlossen. Damit soll der Missbrauch von Personengesellschaften und Trusts zur Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Terrorismusfinanzierung verhindert werden. Bei Stiftungen bürgerlichen Rechts sei davon auszugehen, dass in aller Regel eine Mitteilung an das Transparenzregister erfolgen muss, da sich die notwendigen Angaben weder zum Stifter noch zum Vorstand in den Stiftungsverzeichnissen der Länder befinden, heißt es in dem Gesetzestext. Ob dies auch gemeinnützige Vereine und Stiftungen betrifft, ist dem Gesetz nicht explizit zu entnehmen. Dagegen sind gemeinnützige Soziallotterien aus dem Anwendungsbereich des Geldwäschegesetzes ausdrücklich ausgenommen.
> www.bundestag.de/ ... /505092
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Bundesregierung
Integrationspreis für kommunale Vernetzung
Die Stadt Altena im Sauerland hat den Integrationspreis der Bundesregierung erhalten, weil sie Flüchtlinge nicht in Sammelunterkünften, sondern in Wohnungen unterbrachte und in ihrem Zentrum ein Büro einrichtete, das nicht nur Geflüchteten weiterhilft, sondern auch Anlaufstelle für die ehrenamtlichen Helfer ist. Deren Engagement ist ein weiterer Grund für die Auszeichnung. Altena hat 17.000 Einwohner. Der Integrationspreis ist mit 10.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden sollen Projekte und beispielhaftes Engagement. 2017 wurde er zum zweiten Mal verliehen; diesmal waren insgesamt 33 Projekte nominiert. Zehn von ihnen kamen in die Endausscheidung, darunter das Projekt "Zauberhafte Physik mit Lesekisten" der Ingenieurin Maren Heinzerling. Mit dem Material in den Kisten sollen ehrenamtliche Paten Schülerinnen und Schüler für Physik begeistern. Das Projekt läuft seit vergangenem Jahr und verbindet Physik und Deutschlernen miteinander.
> www.bundesregierung.de/ ... /_node.html
> www.zauberhafte-physik.net/#lesekisten
> www.welt.de/ ... /Raten-Sie-mal-warum-Kanzler ...
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Deutscher Verein
Kritik am Europäischen Solidaritätskorps
Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge hat am 5. Mai 2017 die Verbindung von Freiwilligentätigkeit und Erwerbsarbeit im Europäischen Solidaritätskorps als zu eng kritisiert. Der Einsatz von Freiwilligen dürfe nicht sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ersetzen. Die EU-Kommission hat Ende Dezember 2016 mit dem Solidaritätskorps einen neuen Freiwilligendienst gegründet. Er richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren und bietet die Möglichkeit, an Freiwilligenprojekten oder Beschäftigungsprojekten teilzunehmen.
> europa.eu/ ... /press-release_IP-16-4165_en.htm
> europa.eu/ ... /SOLiDARITY_de
> www.deutscher-verein.de/ ... /aktuelles-2017- ...
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PRESSESCHAU
Deutschlandfunk
Genossenschaft gründen - Wie leicht darf es sein?
über die Pläne der Bundesregierung, die Gründung kleiner Genossenschaften zu erleichtern (bürgerAktiv berichtete), berichtete am 13. Mai 2017 sehr ausführlich Anke Petermann im Deutschlandfunk. Sie ließ auch Kritiker zu Wort kommen, die unter anderem davor warnten, die Prüfkriterien aufzuweichen. Den Vorstandschef einer Agrargenossenschaft zitierte sie mit den Worten, um den Genossen darzulegen "wie wir mit ihrem Geld gewirtschaftet haben, ist das ein hervorragendes Instrument". Und der Vorstand der Volksbank Halle an der Saale sagte in dem Bericht: "Wer es nicht schafft, die Kriterien zu erfüllen, die wir bislang haben, sollte sich fragen, ob es Sinn macht, weiterhin wirtschaftlich aktiv zu sein." Der Beitrag hat den Titel "Bürgerschaftliches Engagement soll leichter werden".
> www.deutschlandfunk.de/die-genossenschaft-bue ...
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Süddeutsche Zeitung
Reparaturbetriebe für sparsame Kämmerer
Manchmal seien Bürgerstiftungen eine Art Reparaturbetrieb, man könne sagen: "Sie springen ein, wo es eng wird in der Kommune, in Starnberg wie in Hof", schrieb Johann Osel in der Süddeutschen Zeitung vom 6.7. Mai 2017. Titel: "Die Nothelfer des Staates". Doch treibe vielerorts ein Grundkonflikt die Stifter um: "Ist man eine Art Goldesel für Kämmerer, die sich manches einfach sparen? Hört man sich um in der Stifterszene, heißt es meist, dass man das eben nicht sein wolle - aber doch oft an dieser Grenze laviere."
> www.sueddeutsche.de
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Die Welt
Pädagogisierender Duz-Ton
Die Wirkung der Plakate, mit denen die Bundesregierung zur Beteiligung ihres 100-Millionen-Programms "Demokratie leben" aufruft, ist ebenso wie das gesamte Programm umstritten, berichtete am 7. Mai 2017 Susanne Gaschke in Die Welt. "Vom pädagogisierenden Duzton vieler Projekte abgesehen, gibt es eine Reihe von Einwänden gegen die Praxis des Ministeriums", so Gaschke. Sie zitierte konservative Kritiker wie die frühere Familienministerin Kristina Schröder (CDU) und den Dresdner Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Patzelt, die sich gegen eine "einseitige Ausrichtung 'gegen rechts'" wehrten und mangelnde Erfolgskontrolle im Ministerium kritisieren. Ein Kommunikationsexperte hat Paschke zufolge die Demokratie-Kampagnen als "kompletten Unsinn" bezeichnet.
> www.welt.de/ ... /100-Millionen-Euro-fuer-Dem ...
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Die Welt
Gutes tun lernen
"Gesellschaftliches Engagement und Professionalität sind längst kein Gegensatz mehr", so Christina Petrick-Löhr in ihrem Beitrag "Gekonnt Gutes tun", der am 6. Mai in Die Welt erschien. Was man lernen kann, beschrieb sie unter anderem am Beispiel der Nonprofit-Managerin Miriam Schwartz, die ihr Handwerk in dem berufsbegleitenden Studiengang "Nonprofit-Management und Governance" an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster (WWU) gelernt hat.
> www.welt.de/ ... /Gekonnt-Gutes-tun.html
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SWR
Geldsegen nur auf den ersten Blick
Manche Großspenden haben es in sich, und zwar, wenn sie mit Bedingungen verknüpft sind. "Es gibt eine Zunahme von Spenden an die Städte oder an die Stadtkassen, häufig äußern anonyme Spender dabei bestimmte Wünsche an die Politik", heißt es in "Vermeiden, dass Politik käuflich erscheint", online beim Südwestrundfunkt (SWR) zu lesen. So habe kürzlich ein anonymer Spender eine Million Euro für die Sanierung und Erhaltung des Freibads in Waldshut (Südbaden) geboten - wenn die Gemeinde die restlichen drei Millionen Euro aufbringt und sich zum Weiterbetrieb der Anlage verpflichte. "Auch wenn das eine große Summe ist, nimmt man wegen dieser Million die Renovierung eines Schwimmbades in Angriff, das man es eigentlich schließen will?", sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, im Interview mit Andreas Böhnisch am 16. Mai 2017.
> www.swr.de/ ... /index.html
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Stern
Aufdringliche Spendenwerbung
Über Spendenwerbung an der Grenze zur Belästigung berichtete Kerstin Herrnkind am 7. Mai 2017. Im Mittelpunkt ihres Beitrags stehen ihre Erlebnisse mit Werbern der Schweizer Naturschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF). "Warum sind diese Leute so aufdringlich? Ganz einfach. Es sind keine Gutmenschen, sondern professionelle Spendensammler", hat sie erkannt und nachrecherchiert: "Die Promoter bekommen eine Art Fixum plus Erfolgsprämie. Je mehr Spender, desto mehr Geld."
> www.stern.de/ ... /wwf-bezahlt-agenturen--die ...
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FACHMEDIEN
ZStV
Bürgerstiftungen und Fundraising
Bürgerstiftungen haben seit 2005 mehr als 104 Millionen Euro für das Gemeinwohl eingesetzt. Diese finanziellen Mittel mobilisieren sie, indem sie als Fundraiser kontinuierlich ihr Stiftungskapital durch Zustiftungen aufbauen, zugleich aber auch Spenden für gemeinnützige Projekte einwerben, berichten Christiane Biedermann und Judith Polterauer von der Stiftung Aktive Bürgerschaft im Beitrag "Woher das Geld der Bürgerstiftungen kommt", erschienen in der Zeitschrift für Stiftungs- und Vereinswesen (ZStV 2/2017). Die Autorinnen bieten darin einen Überblick über die verschiedenen Formen des Fundraisings von Bürgerstiftungen. Im Ausblick schreiben sie: "Die Frage nach einer nachhaltigen Förderung von gemeinnützigen Projekten und Infrastruktur, nach dem Verhältnis von Ressourcen, Mitteleinsatz und gesellschaftlicher Wirkung und nach der gesellschaftlichen Relevanz der geförderten Zwecke wird angesichts der gesellschaftspolitischen Herausforderungen drängender."
> www.zstv.nomos.de/ ... /heft-2
> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /Biedermann ...
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VM
NPO als Vorreiter
Frauen sind auch in den Führungsetagen von Nonprofit-Organisationen (NPO) unterrepräsentiert. Dr. Jürgen Weibler, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fernuniversität Hagen, referiert die jüngeren Zahlen, beschreibt die Phänomene und sucht die Erklärung für die Beständigkeit des Problems in der Machttheorie: "Faktische Eliten, ob selbst ernannt oder nicht, geben freiwillig nur ausnahmsweise ihre Privilegien ab." Er endet mit dem Appell: Nonprofit-Organisationen können die gegenwärtigen Missstände aber durchaus zum Anlass nehmen, eine Wende einzuleiten. Sie sollten sich an ihre zivilstaatliche Verantwortung erinnern und an oberster Stelle gesamtgesellschaftliche und rechtlich verankerte Vorstellungen repräsentieren." Der Beitrag heißt "Weibliche Führungskräfte in NPO - Exklusion von der Macht?" und ist in der Zeitschrift Verbands-Management erschienen (VM, 43. Jg., 1/2017).
> www.vmi.ch/ ... /167-fachzeitschrift_vm.html
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REGIONALES
Hessen
Sponsoring in Schulen erlaubt, Werbung verboten
Der hessische Landtag hat Anfang Mai 2017 mit den Stimmen der Regierungsparteien CDU und Bündnis 90/Die Grünen ein Gesetz verabschiedet, das die Betätigung von Unternehmen in den Schulen des Landes regeln soll. Demnach ist Werbung für Produkte und Dienstleistungen verboten, die nichts mit der Schule zu tun haben. Sponsoring soll jedoch erlaubt sein, solange der Nutzen für die Schule größer ist als der Werbeeffekt für das Unternehmen, und solange eine Beeinflussung von Schule und Unterricht oder auch ihr Anschein auszuschließen ist. Darüber müssen die Schulleitungen entscheiden. Eine ursprünglich vorgesehene Genehmigungspflicht durch die Schulämter oder das Kultusministerium wurde aus dem Gesetzentwurf wieder gestrichen. Kritiker wie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) bezeichneten das Gesetz als Paradebeispiel für Lobbyismus.
> hessenschau.de/ ... /neues-schulgesetz-sponso ...
> www.faz.net/ ... /geringe-tragweite-reaktion- ...
> www.taz.de/ ... /!5403471
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Baden-Württemberg
Programm eingestellt mangels geeigneter Bewerber
Das Diakonische Werk Württemberg hat sein Projekt FSJplus eingestellt. In dem Freiwilligendienst konnten seit 2005 Menschen mit schwacher Schul- und Erwerbsbiographie Engagement mit dem Erwerb eines Realschulabschlusses kombinieren. Als Grund für die Einstellung wurde die Verkleinerung der Zielgruppe angegeben; unter den Bewerbern seien immer weniger Jugendliche mit Erfolgsaussichten, die den Anforderungen des Programms gewachsen wären.
> www.b-b-e.de/ ... /newsletter-09-steigmiller- ...
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Nordrhein-Westfalen
Neue Kompetenzzentren
Im Münsterland und im Ruhrgebiet entstehen neue Kompetenzzentren, die Unternehmen in ihrem Bemühen um Nachhaltigkeit und beim gesellschaftlichen Engagement von Unternehmen (CSR) unterstützen sollen. Sie werden mit bis zu 400.000 Euro aus EU-Mitteln und Landesmitteln finanziert.
> csr.nrw.de/ ... /neue-csr-kompetenzzentren-au ...
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Berlin
Spendenrückgang bei der Tafel nach Veruntreuung
Die Berliner Tafel e.V. bekommt weniger Geldspenden, nachdem bekannt wurde, dass in einer der 45 Ausgabestellen Lebensmittelspenden veruntreut worden waren. Vor allem würden weniger Kleinspenden zwischen fünf und zehn Euro eingehen; insgesamt liege der Rückgang im vierstelligen Bereich täglich, sagte die Vorsitzende der Berliner Tafel, Sabine Werth, einem Bericht des RBB zufolge. Die Berliner Tafel hilft nach eigenen Angaben pro Monat rund 50.000 bedürftigen Menschen.
> www.rbb-online.de/ ... /berliner-tafel-bekomm ...
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AUSLAND
Kanada
Bürgerstiftungen mit großem Vermögenszuwachs
Bei ihrem landesweiten Kongress haben die kanadischen Bürgerstiftungen vom 11. bis 13. Mai 2017 das 25-jährige Bestehen ihres Verbandes, der Community Foundations of Canada (CFC), gefeiert. Zu der dreitägigen Tagung in Ottawa kamen rund 700 Vertreter kanadischer Bürgerstiftungen und Nonprofit-Organisationen aus Kanada und anderen Ländern. Sie diskutierten schwerpunkthaft über die Integration nicht nur von Flüchtlingen sondern auch der einheimischen Bevölkerung. Der Verband wurde 1992 gegründet, um das Wachstum der kanadischen Bürgerstiftungen zu fördern. Tatsächlich hat sich die Zahl der kanadischen Bürgerstiftungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt, ihr Vermögen sogar verdreifacht. Aktuell gibt es 191 Bürgerstiftungen in Kanada mit zusammen umgerechnet rund 3,4 Milliarden Euro Kapital. Das Land hat rund 36,5 Millionen Einwohner.
> communityfoundations.ca/
> communityfoundations.ca/philanthropy-leaders- ...
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Gastkommentar

Ringen um die eigene Rolle

Einwanderung hat in Kanada eine ungleich größere und ältere Tradition als in Deutschland, dennoch sind die Fragen, die sich daraus ergeben, sehr ähnlich: Wie lässt sich Integration bewerkstelligen? Michael Alberg-Seberich, Geschäftsführer der Beratung "Beyond Philanthropy", hat die Diskussionen auf der dreitägigen Tagung der kanadischen Bürgerstiftungen im Mai 2017 vor Ort verfolgt. Die Bürgerstiftungen befassten sich intensiv mit dem Integrationsprozess, der auch im Misslingen eine lange Tradition hat, wie die ungelösten Probleme der Ureinwohner belegen. Zudem ging es um wirkungsvolles Investieren, Fundraising und Evaluation. Aus europäischer Sicht ist das Ringen, Suchen einer gesellschaftspolitischen Rolle der Bürgerstiftungen in Kanada von besonderem Interesse", meint Alberg-Seberich.


> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /2017#2017-05-01
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Türkei
Repressionen halten an
Die Regierung des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan setzt die Repressionen gegen zivilgesellschaftliche Organisationen und Personen fort. 120 inhaftierte Journalistinnen und Journalisten in der Türkei, mehr als in jedem anderen Land, meldete die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Jahrestag der Pressefreiheit am 3. Mai 2017. Am 22. Mai 2017 veröffentlichte sie einen Bericht über das Land, in dem sie die Massenentlassungen kritisierte, die für die Betroffenen oft Arbeitsverboten gleich kämen. Auch die deutschen parteinahen Stiftungen sind unter Druck geraten, weil sie angeblich die Gülen-Bewegung unterstützten. Der regierungsnahe Fernsehsender A Haber warf der Bündnis 90/Die Grünen nahestehenden Heinrich-Böll-Stiftung sogar vor, selbst Terrororganisationen zu gründen.
> diepresse.com/ ... /In-keinem-Land-sind-mehr- ...
> www.amnesty.org/ ... /en
> www.euractiv.de/ ... /tuerkei-stabiler-ausnah ...
> www.deutschlandfunk.de/tuerkei-deutsche-stift ...
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Gastkommentar

Nach dem Referendum

Im Referendum über eine Verfassungsänderung hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Pläne durchgesetzt - mit knapper Mehrheit. Die Proteste gegen seine Bestrebungen, kritische Stimmen auszuschalten und die Macht auf sich und seine Partei zu konzentrieren, halten an. Die kritische türkische Zivilgesellschaft wehrt sich trotz zahlloser Repressionen mit Demonstrationen bis hin zum Hungerstreik, berichtet für bürgerAktiv aus der Türkei die Soziologin und Politologin Dr. Anil Al-Rebholz, die in Istanbul und Frankfurt a.M. lebt und arbeitet: Ein aktueller Blick auf eine gespaltene Gesellschaft.


> www.aktive-buergerschaft.de/ ... /2017#2017-05-02
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Ungarn
Offener Brief gegen Restriktionen
Die Vorsitzenden und Präsidenten von 81 internationalen Stiftungen und Philanthropie-Netzwerken haben in einem offenen Brief an die ungarische Regierung gegen die Restriktionen protestiert, die der ausländischen Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen auferlegt worden sind. Diese müssen sich selbst in ihren Publikationen und Internetauftritten als ausländisch finanziert kennzeichnen und ihre Finanzierung offen legen (bürgerAktiv berichtete). Das sei in dem vorgesehenen Ausmaß diskriminierend, heißt es in dem offenen Brief.
> www.opensocietyfoundations.org/ ... /statemen ...
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Schweiz
Konstantes Stiftungswachstum
In der Schweiz sind 2016 349 gemeinnützige Stiftungen neugegründet worden und 168 wurden liquidiert. Das entspricht ungefähr den Veränderungen des Vorjahres. Die Zahl der Stiftungen in der Schweiz Ende 2016 betrug 13.172. Alle Zahlen sind im Schweizer Stiftungsreport 2017 nachzulesen.
> www.swissfoundations.ch
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PANORAMA
Deutschlandstipendium
Kreative Interpretation
Kreative Perspektivenfindung lautet offenbar das aktuelle Motto der Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (CDU) beim Deutschlandstipendium: Es überzeuge "immer mehr Menschen" und sie freue sich, "dass die Hochschulen das Deutschlandstipendium immer stärker strategisch nutzen und immer mehr Studierende von dieser Förderung profitieren", schwärmte sie. Doch bei faktenorientierter Betrachtung hätte eher der Bundesfinanzminister Grund zur Freude: Von den eingeplanten 48 Millionen Euro konnten nur 32,7 Millionen ausgezahlt werden, mehr Mittel wurden nicht abgerufen von den Hochschulen. Denn diese müssen private Geldgeber finden, die bereit sind, monatlich 150 Euro an begabte Studierende zu zahlen. Dann legt die Bundesregierung weitere 150 Euro drauf. Mit dem Deuschlandstipendium wollte Wankas Vorgängerin Annette Schavan (SPD) ab 2011 zehn Prozent der Studierenden fördern. 2016 erhielten jedoch nur 0,9 Prozent der Studierenden das Stipendium. Die Verwaltungskosten des Programms liegen bei 20 Prozent.
> www.spiegel.de/ ... /deutschlandstipendium-fo ...
> www.deutschlandstipendium.de/ ... /3239.php
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