VR engagiert im Gespräch mit Dr. Eckhard Priller

 

"Der Trend geht zu Projekten"

 

Dr. Eckhard Priller, Leiter der Projektgruppe Zivilengagement im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB)


VR engagiert: Spenden die Deutschen heute mehr als vor zehn Jahren?

Priller: Nein. Das Spendenaufkommen ist ziemlich konstant. Es liegt derzeit bei 5 bis 6 Milliarden Euro. Manche Schätzungen nennen auch 7 Milliarden Euro, aber da sind dann beispielsweise alle steuerlich absetzbaren Spenden mit drin, also auch Parteispenden. Die Datenbasis ist leider noch immer lückenhaft. Auch die sogenannte Spenderquote ist gleich geblieben: Rund 40 Prozent der Deutschen spenden. Ausschläge nach oben gibt es lediglich bei Katastrophen, etwa bei großen Überschwemmungen oder Erdbeben.


VR engagiert: Wie verändert sich das Fundraising? Gibt es Ansätze, neue Spenderschichten zu erschließen?

Priller: Ein wesentlicher Trend ist die gezielte Ansprache von Großspendern, also jenen, die mehr als 500 Euro pro Jahr spenden. Das ist in Deutschland eine beachtliche Zahl, und sie bringen den Löwenanteil der Spenden auf. Die Organisationen gehen dazu über, sie gezielt anzuschreiben und um größere Spenden zu bitten. Sie informieren sie auch gezielt, was mit ihrem Geld geschieht und danken ihnen. So stellen sie eine Bindung her und zeigen diesen Spendern, dass sie ein besonderes Gewicht für ein Projekt oder die Organisation haben.


VR engagiert: Welche Rolle spielen die neuen Online-Kanäle in der Werbung um Spenden?

Priller: Über Spendenportale oder Crowdfunding lassen sich viele kleine Spenden einwerben. Sie machen das Spenden einfacher und schneller und sprechen häufig besonders jüngere Menschen an. Bislang kommen in Relation zu den Gesamtspenden noch keine großen Summen dabei zusammen, aber für kurzfristige und konkrete Projekte gerade im kulturellen und politischen Bereich sind Onlinespenden oder Crowdfunding ein guter Weg.


VR engagiert: Verändert sich die Nachfrage nach Spenden?

Priller: Tatsächlich gibt es mehr Organisationen und mehr Projekte, die ein Stück vom Spendenkuchen haben wollen. Ein Grund dafür ist, dass die öffentlichen Mittel für gemeinnützige Organisationen zurückgefahren wurden und sich zugleich auf immer mehr Organisationen verteilen. Aber es gibt auch deswegen mehr Projekte, die um Spender werben, weil es eine Form gesellschaftlicher Solidarität und Beteiligung ist, ein Projekt auf die Beine zu stellen und es zu unterstützen.


VR engagiert: Wofür spenden die Leute – gibt es Veränderungen?

Priller: Ja. Die Themen bleiben zwar gleich, ganz oben auf der Empfängerliste stehen Katastrophen, Kinder und Jugendliche, Entwicklungshilfe und Menschen mit Behinderungen. Aber es gibt Änderungen bei der Struktur. Der Trend geht immer stärker zu Projekten. Die Spender sind oft misstrauisch und geben ihr Geld lieber für eine konkrete Sache als für eine Organisation. Neuere Formen wie Crowdfunding verstärken noch diesen Trend.


VR engagiert: Inwieweit spielen Ergebnisse und Wirkung der Projekte bei Spendern eine Rolle?

Priller: Die Spender selbst können Wirkungen ihrer Spenden in der Regel schlecht überprüfen. Aber sie erwarten natürlich, dass das Geld ihren Vorstellungen entsprechend eingesetzt wird. Deshalb sind auch Projektspenden immer beliebter. Viele Menschen möchten, dass 100 Prozent ihrer Spende an den Empfänger gehen und spenden deshalb nur zweckgebunden. Das führt dazu, dass die Organisationen weniger Geld für die Spendenverwaltung in der eigenen Struktur haben und sich manchmal die zweckgebundenen Mittel gar nicht alle ausgeben lassen. Zum Beispiel, wenn eine Organisation sehr viel Geld für Notunterkünfte im Katastrophengebiet bekommt, aber dann die Mittel nicht hat, um die Zelte zu transportieren und aufzubauen.


VR engagiert: Welche Bedeutung haben Banken als Spender?

Priller: Sie spielen vor allem lokal eine wichtige Rolle, indem sie soziale Organisationen oder Vereine vor Ort unterstützen. Meistens sind sie personell gut vernetzt, indem ihre Mitarbeiter oder Vorstände auch in den regionalen Vereinen aktiv sind. Sie haben so einen sehr guten Zugang. Das erlaubt ihnen aus der Kenntnis der Problemlagen, Organisationen mit zweckungebundenen Spenden zu unterstützen.


VR engagiert: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Gudrun Sonnenberg, Projektmanagerin der Aktiven Bürgerschaft.




 

 

 

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