Handlungsfelder bürgerschaftlichen Engagements


Moderne Gesellschaften leben vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Während Staat und Wirtschaft jeweils einen eigenen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität und dem Funktionieren einer Gesellschaft leisten, trägt auch das Bürgerengagement in ganz spezifischer Weise zur gesellschaftlichen Wohlfahrt bei.

Persönliche, vielfach biografisch geprägte Motive spielen beim Bürgerengagement eine wichtige und legitime Rolle. Gleichwohl ist privates Engagement keine Privatsache, sondern ihrem Wesen nach eine öffentliche Angelegenheit. Das private Engagement muss der Allgemeinheit zugute kommen; so schreibt es zum Beispiel die Abgabenordnung vor, in der auch die aus steuerrechtlicher Sicht gemeinnützigen Zwecke wie Kultur, Sport, Soziales, Umwelt usw. aufgelistet sind.

Um die vielfältigen zeitlichen und finanziellen Ressourcen, die Ideen und Kreativität der Bürgerinnen und Bürger - unbeschadet individueller Motive und gegenwärtiger steuerrechtlicher Bewertungen - bestmöglich für die gesellschaftliche Wohlfahrt zu nutzen, ist vor dem Hintergrund stets knapper Ressourcen und konkurrierender Verwendungsmöglichkeiten die Frage der gesellschaftlichen Relevanz eines Engagementfelds bedeutend. Es geht dabei um eine Weiterentwicklung vom wohltätigen Geben zur gesellschaftlichen Investition.

Wie relevant, so lässt sich fragen, ist das gesellschaftliche Problem, zu dessen Lösung das bürgerschaftliche Engagement einen Betrag leisten will? Wie gut, so lässt sich weiter fragen, ist der Lösungsansatz, der mit dem Engagement verfolgt wird? Um brauchbare Antworten auf beide Fragen geben zu können, sind sowohl verlässliche Annahmen über gesellschaftliche Herausforderungen erforderlich als auch eine Bewertung des Engagements hinsichtlich seiner Wirkung. Die Frage der Wirkung wird an anderer Stelle behandelt werden.

Die Gesellschaft der Zukunft wird, neben einem funktionierenden Staat und einer leistungsfähigen Wirtschaft (wieder) auf mehr individueller Selbstverantwortung, privatem Engagement und gesellschaftlicher Mitverantwortung der Bürgerinnen und Bürger sowie der Unternehmen basieren. Die flexible Gestaltung einer zunehmend heterogenen und pluralistischen Gesellschaft mit ihren komplexen Wirkungszusammenhängen macht vermehrt dezentrale und subsidiäre Lösungsansätze notwendig.

Folgende vier Bereiche stellen aus unserer Sicht besondere Herausforderungen moderner Gesellschaften dar und sind deswegen auch für das bürgerschaftliche Engagement bedeutsam: Die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen (Umwelt- und Ressourcenschutz), den Schutz demokratischer Spielregeln (Demokratie und Frieden), die Verbesserung der Teilhabebedingungen (Integration und Teilhabe) und die Stärkung der Befähigung zur Teilhabe (Werte und Bildung). Diesen vier gesellschaftlichen Herausforderungen lassen sich jeweils drei konkrete Handlungsfelder bürgerschaftlichen Engagements zuschreiben. Innerhalb dieser insgesamt zwölf Handlungsfelder können konkrete Projekte danach systematisiert werden, ob sie eher einen individuellen oder einen institutionellen Ansatz verfolgen bzw. bei der Problemlinderung oder der Ursachenbekämpfung ansetzen.


 

 

 

Handlungsfelder

 

 

 

 

Umwelt- und Ressourcenschutz


Eine intakte Umwelt und vielfältige biologische Lebens- und Naturformen sind nicht nur ein grundlegendes menschliches Überlebensbedürfnis: Saubere Luft zum Atmen, ausreichende und hochwertige Nahrung, Energie, Wasser und Erholungsräume sind nur einige Gründe, warum der Mensch auf eine möglichst gesunde Umwelt direkt angewiesen ist. Sie ist aber insbesondere auch notwendig für ein friedvolles gesellschaftliches Zusammenleben, denn die Knappheit natürlicher Ressourcen in Folge von Umweltverschmutzung und -zerstörung kann weltweit gewaltvolle Verteilungskämpfe und Wanderungsbewegungen nach sich ziehen.

Handlungsfelder:

  1. Schutz und Erhalt natürlicher Ressourcen (Naturschutz), z. B. Erhalt von Naturflächen durch Naturschutzgebiete, Gewässerschutz, Waldschutz
  2. Verhinderung des Klimawandels und Linderung seiner sozialen Folgen (Klimaschutz), z. B. Schutz des Regenwalds, Vermeidung von Treibhausgasen, alternative Energiegewinnung/-nutzung
  3. Erhalt und nachhaltige Nutzung biologischer Vielfalt (Bio-Vielfalt), z. B. Anbau traditioneller Obst- und Gemüsesorten, Schutz bedrohter Tierarten, regionaler Konsum

 

 

 

Demokratie und Frieden


Die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland sichert Rechtsstaatlichkeit, Menschen- und Persönlichkeitsrechte und umfassende Partizipations- und Informationsrechte für Bürgerinnen und Bürger. In vielen Länder dieser Welt gelten vergleichbare Rechte nicht. Auch in Deutschland ist die Demokratie nicht frei von Gefährdungen z. B. durch Diskriminierung, Extremismus oder Korruption. Auch Gewalt, Terrorismus und kriegerische Konflikte sowie deren Folgen beeinträchtigen individuelle und gesellschaftliche Wohlfahrt. Demokratie und Frieden sind Voraussetzungen für das gute Funktionieren einer Gesellschaft, die von freiem und friedlichem Meinungsaustausch und der Pluralität und Heterogenität von Einstellungen und Lebenstilen lebt.

Handlungsfelder:

  1. Schutz und Stärkung von Bürger- und Menschenrechten (Bürger- und Menschenrechte), z. B. Meinungsfreiheit, Schutz der Privatsphäre, Gleichberechtigung
  2. Stärkung gesellschaftlicher Toleranz und Gewaltfreiheit (Toleranz und Gewaltfreiheit), z. B. Stärkung von Zivilcourage, gewaltfreie Konfliktlösung, Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit
  3. Zugang zu Informationen/Stärkung von Transparenz (Information und Transparenz), z. B. Verbraucherschutz/-informationen, Stakeholder Dialoge, Governance- und Rechenschaftslegung, Watchdog Organisationen



 

 

 

Integration und Teilhabe


Demokratische Gesellschaften basieren auf der Mitwirkung ihrer Bürgerinnen und Bürger am wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben und sind hierauf auch angewiesen. Sind Menschen aber z. B. aufgrund ihrer Herkunft oder Lebensumstände, ihrer Erwerbssituation oder ihres Gesundheitszustands derart beeinträchtigt, das ihnen eine Teilhabe nicht möglich ist, hat dies nicht nur individuelle, sondern auch gesamtgesellschaftliche Nachteile zur Folge. Auch eine aktive Teilhabe und ein Engagement für Andere ist unter diesen Bedingungen kaum möglich.

Handlungsfelder:

  1. Erhalt und Förderung psychischer und physischer Gesundheit (Gesundheit), z. B. gesunde Ernährung, Selbsthilfegruppen, Wohnen und Pflege im Alter, Sport und Bewegung
  2. Förderung der Erwerbsintegration (Erwerbsintegration), z. B. Fort- und Weiterbildungen, Hilfen zum Berufseinstieg, Vereinbarkeit von Familie und Beruf
  3. Förderung der gesellschaftlichen Integration (Gesellschaftliche Integration), z. B. Integration von Zuwanderern, Resozialisierung von Straffälligen, Zusammenleben der Generationen, Engagementstrukturen

 

 

 

Werte und Bildung


Bildung ist nicht nur eine wichtige Voraussetzung für gesellschaftliche Wohlfahrt, sondern auch ein Schlüsselfaktor für bürgerschaftliches Engagement. Dabei umfasst Bildung mehr als wichtiges fachliches Wissen über ökonomische, gesellschaftliche oder politische Zusammenhänge oder anderes Grund- und Fachwissen. Bildung beinhaltet auch kulturelle Fähigkeiten und soziale Kompetenzen. Neben Bildung prägen Werte die Persönlichkeit eines Menschen und sind oft auch das Motiv für ein gesellschaftliches Engagement.

Handlungsfelder:

  1. Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung (Persönlichkeit), z. B. kulturelle Bildung, Kunst und Kultur, Literatur, Medien- und Kommunikationskompetenz
  2. Vermittlung von Grund- und Fachwissen (Wissen), z. B. Förderung der Lese-, Schreib- und Sprachkompetenz, naturwissenschaftliche und ökonomische Bildung
  3. Wertevermittlung und -dialog (Werte), z. B. Auseinandersetzung mit verschiedenen religiösen, humanistischen o. a. begründeten Wertesystemen, Förderung von Engagement

 

 

 

Handlungsfelder Bürgergesellschaft. Orientierung für Ihr Engagement


Wofür kann man sich bei der Vielzahl gemeinnütziger Zwecke am besten engagieren? Welche Themen sind künftig wichtiger als andere? Worauf soll man achten, wenn man sich längerfristig oder in größerem Umfang engagieren will?

Die 20seitige Broschüre im Taschenformat richtet sich insbesondere an Privatpersonen und Vertreter von Unternehmen, Banken oder anderen Förderinstitutionen. Sie gibt einen Einstieg und systematischen Überblick über zukunftswichtige Handlungsfelder bürgerschaftlichen Engagements. Eine Checkliste für die Projektförderung ergänzt diese Publikation.

Aktive Bürgerschaft (Hrsg.): Handlungsfelder Bürgergesellschaft. Orientierung für Ihr Engagement. Damit Ihr Projekt kein Eigentor wird. Berlin 2011, 20 Seiten.

Sie können den Taschenratgeber als PDF kostenlos herunterladen oder kostenpflichtig als Printausgabe im Shop bestellen.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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