16. Bundestreffen der Tafeln: Staatsversagen im Kampf gegen die Armut?

    Vom 03.-05.06.2010 fand in Berlin das 16. Bundestreffen der “Tafeln” statt. Mehr als eine Million Menschen nutzten mittlerweile die Lebensmittelangebote der Tafeln, berichtete Gerd Häuser, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Deutsche Tafel e.V. bei der verbandlichen Jahrespressekonferenz am 02.06.2010. “Sollte die Zahl der Bedürftigen im Zuge der Krise weiter steigen, wären die Kapazitäten der Tafeln bald erschöpft”, warnte er. Häuser forderte von der Politik mehr Einsatz im Kampf gegen die Armut und erneuerte unter anderem den Aufruf an die Bundesregierung, einen Armutsbeauftragten einzusetzen. Wolfgang Wieland, Bundestagsabgeordneter der Grünen, wertete die Tafeln bei der Abschlussveranstaltung des Bundestreffens am 05.06.2010 als einen Ausdruck wachsender Armut und Versagen des Staates. Werner Schulten, Bundesvorstandsmitglied der Linkspartei, forderte bei dem gleichen Anlass die Überwindung des Tafel-Systems: “Die Versorgung Bedürftiger gehört zu den Aufgaben des Staates und nicht eines Charity-Modells.” Schulten bezeichnete die Ehrenamtlichen zudem als instrumentalisierte “Handlanger einer verfehlten Sozialpolitik”. Unter dem Titel “Schaden die Tafeln den Armen?” griff die tageszeitung am 19./20.06.2010 die Debatte auf und veröffentlichte Stellungnahmen unter anderem von Stefan Selke und Gerd Häuser.

    , Ausgabe 102 Juni 2010