Ägypten: Bürgerstiftung in der Zeit des Umbruchs

    Vor neuen Aufgaben sieht sich nach der ägyptischen Revolution die ägyptische Waqfeyat al Maadi Bürgerstiftung (WMB). “In einer Zeit, in der alle Institutionen blockiert waren, funktioniert eine Bürgerstiftung, die die Menschen vor Ort als Partner einbezieht, mit großer Flexibilität. Wir waren in der Lage, Menschen vor Ort zu mobilisieren, gemeinsam zu handeln, unsere Interessen strategisch zu vertreten und so die Ereignisse positiv zu beeinflussen”, bilanziert Marwa El Daly, die Initiatorin der Bürgerstiftung. Unterstützte die WMB zu Beginn der Unruhen noch finanziell die Familien getöteter Demonstranten, so wurde sie bald schon strukturell tätig: Die WMB führte eine Trauerzeremonie für die Opfer durch, organisierte eine Sammelklage und bildet Wahlbeobachter aus. Das verstärkte Engagement für Demokratieerziehung und soziale Gerechtigkeit machte internationale Geldgeber auf die Bürgerstiftung aufmerksam, die jedoch ihre Unabhängigkeit bewahren will. Die WMB modernisiert in ihrer Arbeit die jahrhundertealten Traditionen des Spendens aus Islam und Christentum: An die Tradition, dass Muslime während des Ramadan Essen an Bedürftige geben, knüpft ein Stiftungsfonds an, der Bedürftige während des gesamten Jahres unterstützt. Darüber hinaus fördert die Bürgerstiftung Menschen, die kleine Unternehmen gründen, und rief ein Kulturzentrum ins Leben, das sie für Bildungsprogramme nutzt. So wird aus der Tradition reiner Wohltätigkeit ein gesellschaftliches Engagement mit strukturverändernder Wirkung.
    Aus Anlass des 15-jährigen Bestehens von Bürgerstiftungen in Deutschland berichtet die Aktive Bürgerschaft in einer Serie darüber, wie Bürgerstiftungen entstanden sind und sich seither weltweit und hierzulande entwickelt haben. Den vollständigen Beitrag über die erste ägyptische Bürgerstiftung sowie weitere Artikel zu Bürgerstiftungen in den USA, Kanada und Großbritannien lesen Sie auf den Internetseiten der Aktiven Bürgerschaft.

    , Ausgabe 120 Februar 2012