Attac organisiert Bankentribunal gegen Finanzkrisenverursacher

    Einen symbolischen Zivilgesellschaftsprozess gegen die Verursacher der Finanzkrise inszenierte das globalisierungskritische Netzwerk Attac von 09.-11.04.2010 an der Berliner Volksbühne. Auf dem Bankentribunal sollten “die Ursachen des Finanzcrashs, die Beugung der Demokratie durch fragwürdige Rettungsmaßnahmen und die fahrlässige Vorbereitung neuer Krisen öffentlichkeitswirksam beleuchtet” werden – “…weil die Krise System hat!”, so das Motto des dreitätgigen Events. Angeklagt waren unter anderem die aktuelle Bundesregierung und ihre beiden Vorgängerinnen, die Deutsche Bank, der Bundesverband deutscher Banken und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Die Anklage lautete auf “Aushöhlung der Demokratie und Vorbereitung der Krise”, “Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd” sowie “Verschärfung der Krise”. Die Rolle der Richter und Ankläger übernahmen Wissenschaftler, NGO-Vertreter und Journalisten, unter den fünf Richtern waren Terre-des-Hommes-Geschäftsführerin Danuta Sacher und der Wirtschaftsethiker Friedhelm Hengesbach. Die Angeklagten wurden schuldig gesprochen, eine Strafe wurde nicht verhängt. Das Urteil kann auf der Attac-Website nachgelesen werden. Vorbild für das Bankentribunal war das “Russell-Tribunal”, bei dem im Jahr 1966 Forscher, Künstler und Bürgerrechtler auf Initiative des britischen Mathematikers und Philosophen Bertrand Russell die Kriegsverbrechen der USA im Vietnamkrieg untersuchten.

    , Ausgabe 100 April 2010