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Gudrun Sonnenberg

Bürgerstiftung St. Georgen: Plötzlich eine große Stiftung

1024 682 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Plötzlich und ohne Vorabinformation fand sich 2022 die Bürgerstiftung St. Georgen als Alleinerbin eines kompletten Nachlasses wieder. Eine große Überraschung, aber auch eine große Aufgabe für das kleine Team der Bürgerstiftung. Wie hat sie diese gemeistert?

Die Bürgerstiftung St. Georgen im Schwarzwald gibt es seit 2011. Sie ist eine kleine Bürgerstiftung. Oder besser gesagt: war. Jahrelang förderte sie gemeinnützige Initiativen und Projekte in der 13.000-Einwohner-Stadt in eher bescheidenem Umfang – zur Verfügung standen die Erträge von 400.000 Euro Stiftungskapital. Doch 2022 und 2023 schnellte ihr Stiftungskapital plötzlich auf 1,8 Millionen Euro hoch. „Auf einmal gehörten wir zu den größten Stiftungen in der Region“, erzählt Vorstandsmitglied Erwin Müller. Der Grund waren eine Erbschaft und ein Vermächtnis. Beides höchst erfreulich für die Bürgerstiftung, aber auch mit einigem Aufwand verbunden.

Viel zu tun für das ehrenamtliche Team

Eine Mitbürgerin, die 20 Jahre zuvor nach St. Georgen gezogen war, hatte der Bürgerstiftung ihr gesamtes Hab und Gut vermacht – ohne vorher etwas zu verraten. Der plötzliche Vermögenszuwachs traf auf ein Team, das so klein war, wie es bei einer kleinen Bürgerstiftung eben ist: Sieben Stiftungsräte, drei Vorstände, alle ehrenamtlich und nur einer davon, Erwin Müller, war nicht (mehr) berufstätig und in der Lage, die erforderliche Zeit zu investieren.

Es gab richtig viel zu tun: Müller sortierte und verschenkte Haushaltsgeräte und Gegenstände aus der Wohnung an gemeinnützige Einrichtungen, holte die Bücher in die Bücherwand der Bürgerstiftung (Foto), verkaufte das Auto, verkaufte die Wohnung, übernahm die Vermögenswerte in die Buchhaltung der Bürgerstiftung. „Wir hätten die Wohnung auch behalten und vermieten können, aber für die Verwaltung fehlen uns die Kapazitäten“, sagt Müller.

Bürokratische Auflagen

Als Herausforderung erwies sich auch manch bürokratische Anforderung. So erhielt die Bürgerstiftung aus dem Vermächtnis unter anderem ein zwei Hektar großes landwirtschaftliches Grundstück. Sie verpachtete es an einen Landwirt. Trotz dieser der Grundstücksausweisung entsprechenden Nutzung machte allerdings das Landwirtschaftsamt einen Strich durch die Rechnung. Die Bürgerstiftung habe das Grundstück verkaufen müssen, weil eine landwirtschaftliche Fläche nur Landwirten gehören dürfe, erzählt Müller.

Öffentlichkeitsarbeit als Dreh- und Angelpunkt

Rückblickend erinnert er sich: „Ich muss sagen, ich war wirklich erleichtert, als das alles abgewickelt war.“ Nichtsdestotrotz hofft die Bürgerstiftung auf weitere Nachahmer. Denn mit dem Kapitalzuwachs kann sie deutlich wirkungsvoller fördern und ist weniger abhängig von Spenden. 2024 unterstützte sie mit 28.000 Euro Initiativen, Einrichtungen und Projekte – vom Kinderkonzert über den Handballverein und die Gesundheitswoche bis zur Radservice-Station. Diese Aktivitäten macht sie über die Presse bekannt und bespielt die Crossiety-App, eine Plattform für den lokalen Austausch. Denn die Öffentlichkeitsarbeit ist der Dreh- und Angelpunkt für die Kommunikation zum Thema Erbschaft, so Müller: „Wenn die Leute uns kennen, denken sie auch an uns, wenn sie einen sinnvollen Zweck für ihren Nachlass suchen.“

Zur Bürgerstiftung St. Georgen

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Roland Sprich
Das Bild zeigt die Vorstände der Bürgerstiftung St. Georgen, Thomas Wagner und Erwin Müller, vor der Bücherwand der Bürgerstiftung.

Der Beitrag ist Teil des Fokus Wenn Stiftungen erben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte November 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

BürgerStiftung Hamburg: Neues Handlungsfeld entwickelt

1024 682 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Erbschaften haben wesentlich zur Entwicklung der BürgerStiftung Hamburg beigetragen. Als größte Bürgerstiftung Deutschlands setzt sie extra Ressourcen für die Abwicklung von Nachlässen ein. Doch als einmal eine Erbschaft mit der Auflage verbunden war, sich für Umweltschutz zu engagieren, musste sich die BürgerStiftung Hamburg etwas einfallen lassen.

„Für uns sind Erbschaften sehr wichtig“, sagt Dagmar Entholt-Laudien, Vorstandsvorsitzende der BürgerStiftung Hamburg. „Unsere bedeutsamen Entwicklungsschritte verdanken wir einigen wenigen Zustiftungen. Die meisten davon waren Erbschaften.“

Umweltbildung aufgebaut

Die großen Erbschaften machten jeweils einen Vermögenszuwachs im zweistelligen Millionenbereich aus. So auch 2019 jene Zustiftung mit der Auflage, etwas für den Umweltschutz zu tun. Umwelt? Da war die BürgerStiftung Hamburg noch nahezu blank. „Wir haben dafür ein neues Handlungsfeld aufgebaut. Der Zweck war offen formuliert, sodass wir das Thema selbst zuschneiden konnten“, sagt Entholt-Laudien. Die Stiftung fokussierte es auf Umweltbildung und richtete einen Jugendumweltrat ein: Junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren können mit einem eigenen, von der Stiftung zugewiesenen Budget Klima- und Umweltschutzprojekte junger Menschen in Hamburg fördern. Um sich und andere schlau zu machen, planen sie zudem Exkursionen, Workshops oder Fachvorträge.

„Um so ein Themenfeld aufzubauen, braucht es natürlich genügend Mittel. Man muss Feldforschung betreiben, was für Angebote es schon gibt und was man mit einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand und Wirkung dauerhaft umsetzen kann“, sagt Entholt-Laudien. Da die Erbschaft in diesem Fall so groß war, kann die Bürgerstiftung den Zweck mit den jährlichen Erträgen verfolgen.

Zwei bis drei Erbschaften pro Jahr

Üblicherweise bewegen sich laut Entholt-Laudien die Erbschaften der BürgerStiftung Hamburg im niedrigen einstelligen Millionenbereich oder darunter. Zwei bis drei pro Jahr seien es im Durchschnitt. Um die Erblasser zu gewinnen, bietet die BürgerStiftung Hamburg eine Erbschaftsberatung an, die kostenlos ist, wenn die Ratsuchenden der Stiftung etwas hinterlassen wollen. Zurzeit entwickelt sie weitere Veranstaltungsformate für Interessenten.

Es kommen Teilnachlässe oder ganze Nachlässe bei der BürgerStiftung Hamburg an. Erbschaften, die nicht explizit als Zustiftung oder als Spende angeordnet sind, übernimmt sie je nach Bedarf als Spende oder Zustiftung. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Betreuung des Nachlasses: Im Wesentlichen übernimmt eine die bürokratische Abwicklung, die andere die Organisation von Beisetzung und Wohnungsauflösung.

Menschliche Herausforderung

Wenn die Bürgerstiftung Alleinerbin ist, wird die Erbschaft zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Das ist auch eine menschliche Herausforderung. „Es kann durchaus schwierig sein, mit den privatesten Gegenständen eines Menschen konfrontiert zu werden“, sagt Entholt-Laudien. „Um dem Willen unserer Erblasser bestmöglich gerecht zu werden, legen wir großen Wert darauf, sie schon zu Lebzeiten kennen zu lernen und ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen zu haben. Meistens gelingt das auch.“

Zur BürgerStiftung Hamburg

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Anne Ackermann
Das Bild stammt aus dem Projekt greenKIDS Neuengamme, das von der BürgerStiftung Hamburg gefördert wird.

Der Beitrag ist Teil des Fokus Wenn Stiftungen erben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte November 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Zahlen: Sicher ist nur das große Potenzial

1024 683 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Neun Billionen Euro: So hoch ist laut Bundesbank das Vermögen aller Menschen in Deutschland. Gut ein Drittel davon – mehr als 3 Billionen Euro – dürfte in den vergangenen zehn Jahren vererbt worden sein, das wären rund 300 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl stammt aus einer Schätzung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge für die Jahre 2015-2024. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierte 2017, dass bis 2027 jährlich rund 400 Milliarden pro Jahr vererbt würden.

Statistik auf Umwegen

Genaue Zahlen über Erbschaften gibt es nicht, da das Statistische Bundesamt und die Finanzämter nur steuerlich relevante Beträge melden. Die vielen Erbschaften, die unter den Freibeträgen liegen, werden so nicht erfasst. Deshalb lässt sich nur schwer beziffern, wie hoch der Anteil der Nachlässe ist, die an gemeinnützige Organisationen und Stiftungen vermacht wird.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erstellte 2020 eine Statistik aus Zahlen von 230 Organisationen, die das DZI-Spendensiegel erhalten hatten (zuletzt veröffentlicht im DZI Spenden-Almanach 2024). Diesen 230 Organisationen wurden nach deren Angaben rund 2,342 Milliarden Euro gespendet. Davon kamen rund 286 Millionen Euro aus Nachlässen – das entspricht 12,2 Prozent.

Das mag als Anhaltspunkt für eine Größenordnung dienen – aber nicht mehr. Denn schon wenn man eine Hochrechnung versuchte, indem man zwölf Prozent des gesamten Spendenvolumens ausrechnete, stieße man auf höchst unterschiedliche Zahlen: Die Angaben für 2024 reichten von 5,1 Milliarden Euro (Bilanz des Helfens des Deutschen Spendenrats) bis zu 12,5 Milliarden Euro (DZI).

Festhalten lässt sich an dieser Stelle, dass der Anteil der Vermögen, die an gemeinnützige Organisationen vererbt werden, bislang sehr gering dürfte, wenn man die Spendenzahlen den vererbten Vermögen insgesamt gegenüberstellt.

Die Tendenz ist steigend

Was sich trotz der schwierigen Datenlage sagen lässt: Die Tendenz, an gemeinnützige Organisationen zu vererben, ist steigend. Die oben genannte Summe des DZI von 286 Millionen Euro an Nachlässen aus dem Jahr 2020 ist eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000. Die Zahl der Menschen ohne Kinder steigt, und durch die demographische Entwicklung dürften in den kommenden Jahren mehr Vermögen vererbt werden. Laut Spendenmonitor 2024 des Fundraisingverbandes konnten sich 20 Prozent der 50- bis 70-Jährigen vorstellen, eine gemeinnützige Organisation in ihrem Testament zu berücksichtigen. In einer Umfrage der Deutschen Bank aus 2024 sagten 5 Prozent derjenigen, die angaben, sich schon einmal über das Thema Vererben Gedanken gemacht zu haben, dass ihr Erbe wohltätigen Organisationen zugute kommen solle. Für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen lohnt es sich in jedem Fall, über die Ansprache von Erblassern nachzudenken und Menschen auf sich aufmerksam zu machen, die sich eine sinnvolle Verwendung für ihr Vermögen nach ihrem Tod wünschen.

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Drew Beamer/unsplash

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Die Fokusthemen der Aktiven Bürgerschaft

150 150 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Was bewegt Engagierte vor Ort? Achtmal im Jahr nimmt die Aktive Bürgerschaft ihre Anliegen in den Fokus.
Alle bisher erschienen Themen auf einen Blick:

2025

Was bewegt Engagierte vor Ort? Achtmal im Jahr nimmt die Aktive Bürgerschaft ihre Anliegen in den Fokus.
Alle bisher erschienen Themen auf einen Blick:

2025

Was bewegt Engagierte vor Ort? Achtmal im Jahr nimmt die Aktive Bürgerschaft ihre Anliegen in den Fokus.
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2025

Was bewegt Engagierte vor Ort? Achtmal im Jahr nimmt die Aktive Bürgerschaft ihre Anliegen in den Fokus.
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2025

2025

2025

2024

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Die Fokusthemen der Aktiven Bürgerschaft

Was bewegt Engagierte vor Ort? Achtmal im Jahr nimmt die Aktive Bürgerschaft ihre Anliegen in den Fokus.
Alle bisher erschienen Themen auf einen Blick:

2025

Fokus Oktober 2025

Zusammenhalten

Fokus September 2025

Sind die Bürgerstiftungen fit für die Zukunft?

Fokus September 2025

Lernen fürs Leben

Fokus Juni 2025

Wie sich Genossenschaftsbanken engagieren

Geht uns das was an?

1024 576 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Am 12. November 2025 feierte die Bundeswehr ihren 70. Geburtstag. Unser Autor Stefan Nährlich war nach 40 Jahren wieder für ein paar Tage Soldat. Er berichtet über eine persönliche Erfahrung, die für ihn auch Anlass ist, über Wehrfähigkeit und den Stiftungssektor nachzudenken.

Von Stefan Nährlich

„Goldkettchen weg, Nährlich. Wir sind hier nicht auf St. Pauli.“

Wir übten in der Weite der Lüneburger Heide und unsere Fahrzeugkolonne stand irgendwo auf einem Waldweg. Wir waren Soldaten, trugen steingrau-oliv und unser Zugführer musterte uns unzufrieden. Nach ein paar Tagen im Manöver fand das Erscheinungsbild seiner Erkunder vielfach nicht mehr seine Zustimmung. Schlecht rasiert, mit privat beschafften Ausrüstungsgegenständen oder eben mit Halskette. Damals, im Sommer 1986.

Im Sommer diesen Jahres habe ich öfter an meine Zeit bei der Bundeswehr gedacht. Als Wehrpflichtiger wurde ich 1985 drei Monate im niedersächsischen Northeim zum Truppenfernmeldesoldaten ausgebildet und 1986 zwölf Monate in der 1. Kompanie des Panzerbataillons 84 in Lüneburg als Funker im Erkundungs- und Verbindungszug eingesetzt. Der Satz des Oberfeldwebels ist mir immer noch in Erinnerung. Diese Mischung aus Tadel, Nachsicht und Belustigung. Er konnte gut mit Menschen umgehen.

Wir waren fast 500.000 Soldaten in der Bundeswehr und das Heer hatte große Mengen an Panzern, Waffen und Gerät. Im Verteidigungsfall wären noch einmal 700.000 Reservisten mobilisiert worden. Damals, schreibt der Historiker Söhnke Neitzel, stand die Bundeswehr im Zenit ihrer Kampfkraft. Für mich und die meisten Männer meiner Generation war sie zudem ein vertrauter und präsenter Teil unseres Lebens. Ältere Freunde und Brüder waren schon beim Bund gewesen, im Herbst rollten bei uns während der Manöver Panzer über Straßen und Felder. Auch meine Cousins und Onkel waren mal Wehrpflichtige, Berufs- oder Zeitsoldaten. In der DDR war es wohl nicht viel anders.

Nach 40 Jahren wieder Soldat

Letzten Monat war ich nach vierzig Jahren wieder Soldat. Wir trugen Flecktarn, wurden alle für die sechs Tage zu Oberleutnants ernannt und gelobten – zum ersten oder wiederholten Mal in unserem Leben, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Wir, das waren achtundzwanzig zivile Führungskräfte zwischen 35 und 65 Jahren aus ganz Deutschland. Aus Erfurt und Düsseldorf, vom Bodensee, aus Eutin, mehrere aus Berlin. Aus Finanzbehörden und Kommunen, aus Industrie- und Handelskammer, Automobilzulieferer und Baumarktkette, kommunalem Energieversorger, Universität und Medien. Aus Deutschem Roten Kreuz und dem Rüstungs- und Sicherheitsbereich. Mehr Männer als Frauen, mehr Ungediente als ehemalige Soldaten, die an der Logistikschule der Bundeswehr in Osterholz-Scharmbeck an einer sogenannten Dienstlichen Veranstaltung teilgenommen haben.

Unmittelbare Eindrücke aus ausgewählten Teilen soldatischen Lebens sollen uns dabei helfen, künftig im eigenen Einflussbereich als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren für die Bundeswehr wirken zu können, schreibt die Bundeswehr dazu auf ihrer Webseite.

Zwischen dem Frühstück um 6:30 Uhr und dem Dienstende um 22:00 Uhr durchliefen wir ein abwechslungsreiches Programm von Vorträgen und militärischer Ausbildung, der zur Verfügung stehenden Zeit angepasst. Wir erhielten Einblicke in die Kompetenzorientierte Ausbildung an der Logistikschule, Training mit Augmented Reality und der Virtual Battlespace-Umgebung. Wir schossen mit dem Gewehr 36, dem Maschinengewehr 3 und der Pistole 8, bekamen die neue persönliche Ausrüstung der Soldaten vorgestellt und die Verfahren und Mittel zur medizinischen Erstversorgung von Verwundeten auf dem Gefechtsfeld erläutert. Zum Operationsplan Deutschland, der die zivil-militärische Zusammenarbeit in Krise und Krieg regelt, trug ein General aus dem Verteidigungsministerium in einem öffentlichen Vortrag vor, zu dem 400 Gäste in die Kaserne kamen.

An allen Tagen hatten wir Gelegenheit, mit Soldatinnen und Soldaten zu sprechen. In den Pausen zwischen Vorträgen, beim abendlichen Biwak, zwischen den Schießstationen, in der Online-Schalte nach Bagdad. Mit Mannschaftsdienstgraden und Feldwebeln, vielen Oberleutnants. Die Gespräche waren informativ, unsere Gesprächspartner sehr freundlich und uns zugewandt. Initiative zeigen, ergebnisorientiert vorgehen, das Beste aus der Lage machen, hörten wir immer wieder. Oft aber auch, wie schwerfällig und bürokratisch die Bundeswehr ist. Der Bundesrechnungshof schrieb in diesem Jahr, die deutsche Armee sei zu „kopflastig“.

Kriegstüchtigkeit und Stiftungssektor: Geht uns das etwas an?

Seit über 25 Jahren bin ich beruflich als Geschäftsführer der Stiftung Aktive Bürgerschaft im gemeinnützigen Bereich zuhause. Ich beschäftige mich mit Bürgerstiftungen, ehrenamtlichem Engagement in Schulprojekten, Unternehmensengagement. Ich berate, schreibe Artikel, halte Vorträge, führe ein Team von zwanzig Kolleginnen und Kollegen.

Dass ich neben einem Geschäftsführer aus dem DRK der einzige Teilnehmer aus dem gemeinnützigen Bereich bei der Bundeswehr war, hat mich nicht überrascht. Militär kommt in unserem Alltag praktisch nicht vor.

Doch der Angriff Russlands auf die Ukraine hat vieles verändert. Krieg ist in Europa wieder möglich geworden. Die Bundesregierung nimmt viel Geld in die Hand, um die Bundeswehr kriegstüchtig zu machen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius es formuliert hat. Bundeskanzler Friedrich Merz hat vor einigen Wochen gesagt: „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden.“ Gemeint sind die hybriden Angriffe Russlands auf Deutschland und Europa. Spionage, Sabotage, Ausspähung, Desinformation, vielleicht sogar bereits Anschläge. Im Oktober haben die Chefs der Nachrichtendienste im Bundestag in Berlin bei einer Anhörung davor gewarnt.

Nach der Deutschen Einheit ist die Bundeswehr immer weiter verkleinert, viele sagen, kaputtgespart worden, zur Landes- und Bündnisverteidigung nicht mehr fähig. Um kriegstüchtig zu sein, braucht es aber mehr als die Anschaffung von Waffensystemen und Munition. Es braucht Wehrfähigkeit und Wehrwilligkeit. Die wird nur zu erreichen sein, wenn die Bundeswehr wieder zum selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft und unseres Lebens wird und wir auch die Zivilverteidigungsaufgaben ernst nehmen.

Geht den Stiftungssektor das etwas an?

Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine sammeln wir von der Stiftung Aktive Bürgerschaft Spenden für die ukrainischen Bürgerstiftungen und stehen mit Kolleginnen und Kollegen in Kiew im Austausch. Auch andere gemeinnützige Organisationen unterstützen die Ukraine. Stiftungen können auch mit ihrem Kapital wirken und hier sind die Möglichkeiten nicht von den gemeinnützigen Zwecken der Abgabenordnung begrenzt. Wir könnten uns damit auseinandersetzen, ob Vermögensanlagen beispielsweise in deutsche Rüstungsfirmen, in den Schutz der kritischen Infrastruktur, in den Wiederaufbau der Ukraine möglich sind. Natürlich spielen die Sicherheit der Vermögensanlage und auch der Ertrag eine Rolle, zu beidem sind wir stiftungsrechtlich verpflichtet.

In unseren Nachrichten für Engagierte stellt die Stiftung Aktive Bürgerschaft regelmäßig Engagementprojekte und -themen vor und behandelt diese vor dem Hintergrund gesellschaftlich relevanter Themen. Auch im Umfeld der Bundeswehr gibt es gemeinnützige Organisationen. Soziale Hilfswerke und Stiftungen, die Reservisten- und Veteranenorganisationen, den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge oder das Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte. Wir könnten uns mehr mit diesem Bereich beschäftigen.

Im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung die 35 Jahre alten Rahmenrichtlinien für die Gesamtverteidigung überarbeitet. Hierin werden Maßnahmen und Strukturen beschrieben, um die Unabhängigkeit und Souveränität Deutschlands in Krisen- und Konfliktzeiten zu sichern. Nicht nur das DRK und die anderen Blaulichtorganisationen kommen hier vor. Auch beispielsweise die Kultureinrichtungen in Deutschland. Sie sollen Notfallverbünde bilden und in der Lage sein, Maßnahmen zur Rettung von Kulturgütern durchzuführen.

Neben dieser konkreten Ebene spielt für mich die Frage nach der Kriegstüchtigkeit auch noch auf einer anderen Ebene eine Rolle. Es ist eine Frage der Haltung. In unseren Debatten über gesellschaftlichen Zusammenhalt sprechen wir viel über Demokratie, Bildung und Teilhabe. Aber Zusammenhalt zeigt sich auch darin, dass wir bereit sind, unser Land und die Menschen, die hier leben, zu verteidigen. Wie auch immer man dazu steht: Damit sollten auch wir im Stiftungssektor uns auseinandersetzen und Position beziehen.

Feedback gerne an stefan.naehrlich@aktive-buergerschaft.de oder auf LinkedIn.

Dr. Stefan Nährlich ist Geschäftsführer und Mitglied des Vorstands der Stiftung Aktive Bürgerschaft.  

Fokus Oktober 2025: Zusammenhalten

1024 683 Stiftung Aktive Bürgerschaft

In Wahlen legen radikale Parteien zu, allen voran die AfD, in den sozialen Medien gehen Menschen mit Desinformation, Shitstorms und Hasskommentaren aufeinander los, Veranstaltungen werden abgesagt, Vorwürfe von Cancel Culture über Antisemitismus bis zu Kriegstreiberei füllen die medialen Auseinandersetzungen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt scheint bedroht: Im Deutschland Monitor 2024 (hier herunterladen) waren nur zwölf Prozent der Befragten der Meinung, dass es in der Gesellschaft einen großen Zusammenhalt gebe.

Allerdings sah die Sache vor Ort völlig anders aus: Knapp zwei Drittel der Befragten meinten, den Leuten bei ihnen vor Ort könne man trauen und man helfe sich gegenseitig.

Der Soziologe Holger Backhaus-Maul vom Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt bestätigt im Interview mit bürgerAktiv: „Wir haben eine breite Mitte, die grundlegende Überzeugungen teilt.“ In diesem Sinne unaufgeregt und tatkräftig versuchen Bürgerstiftungen, engagierte Schülerinnen und Schüler und Volksbanken, den Zusammenhalt zu stärken: Sie schaffen Räume für Begegnungen, gehen auf andere Menschen zu, organisieren gegenseitige Unterstützung und setzen sich für das Zusammenleben in ihren Gemeinden ein.

Lesen Sie im Fokus „Zusammenhalten“ folgende Beiträge:

Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland: Ringen um Verständigung

Die Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland setzt sich seit langem für Integration und Beteiligung ein, doch die Herausforderungen wachsen: In den Außenbezirken und den umliegenden Dörfern siegte bei der letzten Bundestagswahl die AfD. Die Bürgerstiftung engagierte sich im Vorfeld der Wahlen für demokratische Verständigung und entdeckte neue Möglichkeiten. Sie stieß jedoch auch an Grenzen.
Zum Beitrag

Bürgerstiftung Pfalz: An jeder Tür klingeln

Ein Dorf, aus dem Menschen wegziehen und in dem Gebäude leer stehen und verfallen, ist kein guter Ort für das Zusammenleben. Die Bürgerstiftung Pfalz wurde gegründet, um sich gegen diese Entwicklung zu stemmen und den Dörfern eine Zukunft zu verschaffen. Das Grundprinzip dabei: die Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer sollen selbst aktiv werden.
Zum Beitrag

Merianschule in Seligenstadt: Das Leben in der Stadt im Blick

Dosen gegen Altersarmut, Aktionen gegen Enkeltricks, Saubermachen am Mainufer – mit einer Vielzahl von Service-Learning-Projekten setzen sich die Schülerinnen und Schüler der Merianschule in Seligenstadt außerhalb ihrer Schule für die Menschen und das Zusammenleben in der Stadt ein.
Zum Beitrag

Ravensberger Schule in Bielefeld: Brücken von Jung nach Alt

Sie schenken Zeit, fördern Gemeinschaft, übernehmen Verantwortung: Mit ihrem Engagement im sozialgenial-Projekt „miteinander füreinander“ wollen Schülerinnen und Schüler der Ravensberger Schule in Bielefeld den Zusammenhalt in ihrer Nachbarschaft stärken. Regelmäßig besuchen 16 Jugendliche der Klassen 6 bis 9 soziale Einrichtungen – drei Kitas und ein Seniorenheim.
ZUM BEITRAG

Berliner Volksbank: „Wir ermöglichen Teilhabe“

Die Hauptstadt Berlin und ihr Umland haben viel zu bieten, aber hier prallen auch Gegensätze aufeinander. Die Berliner Volksbank fördert deshalb gezielt Projekte lokaler Vereine, Stiftungen und Initiativen, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Eine besondere Rolle spielt dabei die Unterstützung für die Bürgerstiftungen in der Region.
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„Wir haben eine breite Mitte“

Unsere Gesellschaft ist polarisiert, aber die Mitte ist breit und gesellschaftlicher Zusammenhalt wird tagtäglich praktiziert. Man muss ihn bloß sehen wollen und können, sagt der Soziologe Holger Backhaus-Maul von der Universität Halle-Wittenberg. Im Interview mit bürgerAktiv berichtet er über wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Arbeit des bundesweit verorteten Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ).
Zum Interview

Mehr zum Thema

bürgerAktiv Magazin 2024/25, Schwerpunkt Bürgerstiftungen, Titelstory ab Seite 6: „Mit vollem Einsatz für die gute Sache“ – hier HERUNTERLADEN
„Closed Shops“ in der deutschen Gesellschaft: Holger Backhaus-Maul zum ersten Zusammenhaltsbericht des Forschungsinstituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt – hier lesen
Aus Politik und Zeitgeschichte 42/2025: Gesellschaftlicher Zusammenhalt – hier lesen

Foto: Aleksandar Andreev / unsplash.com

Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland: Ringen um Verständigung

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Die Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland setzt sich seit langem für Integration und Beteiligung ein, doch die Herausforderungen wachsen: In den Außenbezirken und den umliegenden Dörfern siegte bei der letzten Bundestagswahl die AfD. Die Bürgerstiftung engagierte sich im Vorfeld der Wahlen für demokratische Verständigung und entdeckte neue Möglichkeiten. Sie stieß jedoch auch an Grenzen.

Die Jenaerinnen und Jenaer singen gemeinsam, befreien zu Hunderten beim „SaalePUTZ“ das Ufer ihres Flusses von Müll und Unrat, engagieren sich beim Freiwilligentag, tauschen sich beim Vereinsforum aus und ersteigern „unbezahlbare Gelegenheiten“ für den guten Zweck. Das alles organisiert die Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland. Sie betreibt eine Freiwilligenagentur und eine Online-Plattform, um Vereine und Engagierte zusammenzubringen. Mit vielen Freiwilligen bewirtschaftet sie eine Streuobstwiese. Die Bürgerstiftung versteht sich als Dreh- und Angelpunkt des Engagements in der Stadt und setzt alles daran, die Bürgerinnen und Bürger zusammenzubringen.

Podiumsdiskussion und Proteste

Das steckte auch hinter ihrem Bemühen, als sie 2024 im Vorfeld der thüringischen Kommunalwahlen eine Podiumsdiskussion mit Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Stadtparlament für Schülerinnen und Schüler anbot, um ihnen die Gepflogenheiten der Demokratie näherzubringen. Sie sei sehr gut besucht worden, berichtet die Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung, Barbara Albrethsen-Keck, die Schüler seien klassenweise gekommen. Alle Parteien seien eingeladen gewesen und bis auf den AfD-Vertreter auch gekommen. Vor der Bundestagswahl 2025 wollte die Bürgerstiftung die Podiumsdiskussion wiederholen. Diesmal sagte der AfD-Vertreter zu und prompt brach ein Proteststurm los. Die Amadeu Antonio Stiftung zog ihre Förderung für die Moderation der Veranstaltung zurück, antifaschistische Aktivisten kündigten an, die Veranstaltung zu blockieren, der Veranstaltungsraum wurde gekündigt. Innerhalb der Bürgerstiftung brach eine Kontroverse aus, denn eigentlich gibt es einen Beschluss, nicht mit der AfD zu sprechen, den viele durch die Veranstaltung verletzt sahen, mochte sie auch noch so neutral konzipiert sein. „Wir haben die Diskussion abgesagt“, sagt Albrethsen-Keck.

Nachgefragte Demokratie-Workshops

Dagegen stießen die Workshops zum Thema „Für eine wehrhafte Demokratie und Zivilgesellschaft“ auf ungeteilte Zustimmung. Sie schulten die Teilnehmenden darin, zu argumentieren, auf antidemokratische und rechtsextreme Äußerungen schlagfertig zu antworten, „damit so etwas nicht einfach im Raum stehen bleibt“, so Albrethsen-Keck. Aufgrund der Nachfrage bietet die Bürgerstiftung diese Workshops auch nach den Wahlen weiterhin an.

Unterschiedliche Resonanz bei neu eingebürgerten Jenaer Bürgern

Eine andere Überraschung war die geringe Beteiligung bei einer thematisch ähnlichen Veranstaltung, die sich an frisch eingebürgerte Jenaerinnen und Jenaer richtete. Eine Erklärung hat Albrethsen-Keck dafür nicht. „Wir bleiben dran“, verspricht sie. In anderen Formaten funktioniert das Engagement der Bürgerstiftung für Menschen mit Migrationshintergrund besser. Schon seit einigen Jahren organisiert sie Chancenpatenschaften von Jenaer Bürgerinnen und Bürger für Geflüchtete, und ein aktuelles Projekt vollzieht nun einen Rollenwechsel: Geflüchtete Menschen bieten selbst Workshops für die Bevölkerung an und integrieren sich so in die Reihen der Engagierten, die bei der Bürgerstiftung mitmachen.

Zur Bürgerstiftung Jena 

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland

Der Beitrag ist Teil des Fokus Zusammenhalten der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte Oktober 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Bürgerstiftung Pfalz: An jeder Tür klingeln

150 150 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Ein Dorf, aus dem Menschen wegziehen und in dem Gebäude leer stehen und verfallen, ist kein guter Ort für das Zusammenleben. Die Bürgerstiftung Pfalz wurde gegründet, um sich gegen diese Entwicklung zu stemmen und den Dörfern eine Zukunft zu verschaffen. Das Grundprinzip dabei: Die Bewohnerinnen und Bewohner der Dörfer sollen selbst aktiv werden.

„Wir wollen nicht von außen fördern“, sagt Christiane Steinmetz, Vorständin der Bürgerstiftung Pfalz. Schon bei ihrer Gründung vor 20 Jahren hat sich die Bürgerstiftung Pfalz als Dachstiftung verstanden und Partnerstiftungen in den Dörfern ihrer Region errichtet, mit denen Projekte finanziert werden können. Durch Zustiftungen und Erbschaften sind so Treuhandstiftungen mit jeweils einem Kapital von ein bis drei Millionen Euro entstanden. „Die Stiftungen in den Dörfern sind der Topf, wenn es Geld regnet“, sagt Steinmetz. Dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner um die Töpfe wissen, sorgen Spendenwerbungen: „In den kleinen Dörfern wird an jedem Haus geklingelt.“

Neun „Zukunftsdörfer“

Das Konzept für die Ortschaften heißt „Zukunftsdörfer“. Neun solche Dörfer gibt es bereits und die Projekte, die in ihnen entstehen, sollen zehn Innovationsfelder bestellen, darunter Gemeinschaft, Nachhaltige Bau- und Wohnkultur, Energie, Ernährung, Gesundheit, neue Arbeitsfelder. In den Projekten sollen sie sich verzahnen: Unter anderem investiert die Bürgerstiftung in Grundstücke und Gebäude, um diese vor dem Leerstand zu retten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Die Immobilienprojekte nutzen nachhaltige Energie und schaffen Räume für Gemeinschaft und Gesundheitsversorgung, die wiederum neue Arbeitsmöglichkeiten für die Dorfbewohner bieten – so die Idee.

Stiften für das eigene Dorf

Wichtig sei, dass gestiftetes und gespendetes Geld im Dorf bleibe, sagt Steinmetz. Als ein Beispiel nennt sie die Herta Kuhn Höfe in Kirrweiler. Die inzwischen verstorbene Namensgeberin hatte leerstehende Immobilien im Ortskern aufgekauft und der Bürgerstiftung Kirrweiler, einer Unterstiftung der Bürgerstiftung Pfalz, übertragen. Unter dem Namen Herta Kuhn Höfe ist hier nun eine Wohnpflege eingerichtet. Die Herta Kuhn Stiftung, ursprünglich Fonds unter dem Dach der Bürgerstiftung Kirrweiler, ist aufgrund der Projektgröße inzwischen in eine eigenständige Stiftung umgewandelt worden, mit der man jetzt bei weiteren Projekten zusammenarbeitet, wie Steinmetz erläutert.

Die Bürgerstiftung will die Projekte und Strukturen immer partizipativ mit den Dorfbewohnern entwickeln. Schon bei ihrer Gründung befragte sie die Bürgerinnen und Bürger, was ihnen auf dem Herzen liege – das Dorfsterben, der Klimawandel und der demographische Wandel wurden damals genannt. Die Bürgerstiftung selbst unterstützt die Engagierten strukturell, dort, wo sie vor Ort allein überfordert wären. So hat sie eine Genossenschaft gegründet, die die Gebäude der Stiftungen betreibt, also verpachtet oder vermietet. Sie verwaltet die Partnerstiftungen. Und sie beobachtet und moderiert die Prozesse in den Dörfern. Aktuell entwickelt sie einen Zukunftsdorfrat – über das Gremium soll die Kommunikation mit dem Gemeinderat sichergestellt werden.

Bürgerstiftung Pfalz
Zukunftsdörfer

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Steffen062/Wikimedia Commons

Der Beitrag ist Teil des Fokus Zusammenhalten der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte Oktober 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Merianschule in Seligenstadt: Das Leben in der Stadt im Blick

1024 576 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Dosen gegen Altersarmut, Aktionen gegen Enkeltricks, Saubermachen am Mainufer – mit einer Vielzahl von Service-Learning-Projekten setzen sich die Schülerinnen und Schüler der Merianschule in Seligenstadt außerhalb ihrer Schule für die Menschen und das Zusammenleben in der Stadt ein.

Seit dem Schuljahr 2022/23 macht die Haupt- und Realschule im Service-Learning-Programm sozialgenial der Aktiven Bürgerschaft mit. Dabei ist sozialgenial an der Schule zu einem Konzept gereift, das insgesamt auf vielfältige Weise den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.

Innerhalb der Schule geht es insbesondere um Integration. Die Schülerschaft ist vielfältig und multikulturell, viele Kinder haben einen Flucht- oder Migrationshintergrund. So auch im sozialgenial-Kurs im Wahlpflichtbereich, der damit den idealen Raum bietet, um sich zu überlegen, wie Integration in Schule und Gesellschaft gelingen kann.

Projekte für die Integration geflüchteter Menschen

Daraus sind mehrere Projekte mit Integrationsbezug innerhalb der Schule, aber auch außerhalb entstanden: Die Schülerinnen und Schüler organisierten einen Begegnungsnachmittag für Familien mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die in Unterkünften der Caritas in der Nachbarschaft leben. Bei einem Umsonst-Flohmarkt und mit Lebensmittelspenden aus der Aktion „Weihnachten in der Tüte“ unterstützten sie die Bewohner einer weiteren Geflüchtetenunterkunft. Innerhalb der Schule engagierten sich die Schülerinnen und Schüler der DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) selbst mit verschiedenen Angeboten wie einer Schulrallye, um den Neuen ihrerseits das Ankommen zu erleichtern.

Spendensammlung vor dem Supermarkt

Aus der Schule heraus versuchen die Merianschüler das Miteinander der 22.000 Einwohnerinnen und Einwohner in Seligenstadt zu stärken. Beispielsweise setzten ihre „Aktionstage für die Haltestelle Seligenstadt“ – die „Haltestelle“ ist die lokale Tafel – ein sichtbares Zeichen, sich um die Mitmenschen zu kümmern: Vor einem Supermarkt baten die Schülerinnen und Schüler dessen Kunden, zusätzliche Produkte zu kaufen und für die „Haltestelle“ zu spenden.

Beratung für ältere Menschen

Weitere Projekte: Schülerinnen und Schüler organisierten einen Aktionstag, um ältere Menschen vor Trickbetrügern zu warnen – mit Flyern, Comics und Plakaten informierten sie über Enkeltrick, Schockanrufe und andere Maschen. Bei „Jung trifft Alt“ bastelten sie gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Cura Pflegehauses herbstliche Dekorationen und lernten den Umgang mit Rollstühlen. Mit „Plätzchen für Obdachlose“ sorgten sie in der Adventszeit für Momente der Wärme und Wertschätzung. Quasi vor der eigenen Haustür gekehrt haben Schülerinnen und Schüler, als sie das Ufer des Mains reinigten.

Die Schülerinnen und Schüler profitieren von den sozialgenial-Projekten, indem sie ihre Kompetenzen erweitern und die Schulgemeinschaft fördern. Die Merianschule verankert sich mit dem Engagement in der Stadt. Die Stadtgesellschaft gewinnt durch das Engagement junge Mitbürgerinnen und Mitbürger, die frühzeitig erlebt haben, dass sie Verantwortung übernehmen und etwas zum Guten bewirken können.

Text: Sonja Beckmann
Foto: Merianschule Seligenstadt

Der Beitrag ist Teil des Fokus Zusammenhalten der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte Oktober 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Ravensberger Schule in Bielefeld: Brücken von Jung nach Alt

1024 512 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Sie schenken Zeit, fördern Gemeinschaft, übernehmen Verantwortung: Mit ihrem Engagement im sozialgenial-Projekt „miteinander füreinander“ wollen Schülerinnen und Schüler der Ravensberger Schule in Bielefeld den Zusammenhalt in ihrer Nachbarschaft stärken. Regelmäßig besuchen 16 Jugendliche der Klassen 6 bis 9 soziale Einrichtungen – drei Kitas und ein Seniorenheim.

„Wann ist endlich wieder Donnerstag?“ Diese Frage hört man seit dem vergangenen Schuljahr häufiger auf den Fluren der Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache. Donnerstag ist Projekttag, dann machen sich die Schülerinnen und Schüler auf den Weg zu ihren Einsatzorten. Mal wird vorgelesen oder gebastelt, mal gespielt, mal einfach nur zugehört. Die Schülerinnen und Schüler lernen durch ihr Engagement andere Lebenswelten kennen. Es entstehen Begegnungen, die die Generationen verbinden und Brücken bauen.

Austausch im Seniorenheim

Im Seniorenheim entwickeln sich Gespräche über früher und heute, ein Austausch etwa über Schule oder Kindheit. Die Jugendlichen erfahren die Wertschätzung der alten Menschen und merken, dass ihre Offenheit Verständnis und Vertrauen herstellt. Ebenso wertvoll ist die gemeinsame Zeit für die Senioren, sie genießen die Abwechslung und freuen sich, ihre Erfahrungen weiterzugeben.

In den Kitas erleben die Jugendlichen, wie sehr ihre Unterstützung geschätzt wird. Sie toben mit den Kindern, erklären, bauen Sandburgen, trösten und lesen Geschichten vor. Besonders die Jungen genießen die Aufmerksamkeit der Kinder, denn männliche Bezugspersonen sind dort selten.

Das Service-Learning-Projekt ist im Stundenplan verankert und wird durch Reflexionsrunden ergänzt: Welche neuen Ideen gibt es? Was lief gut? Was hat überrascht? „Das ist Sprachförderung und Sozialtraining in einem“, sagt Lehrerin Kirsten Schilling, die das Projekt betreut.

Entstanden ist „miteinander füreinander“ in einer Projektwoche. Eine Warteliste zeigt das große Interesse der Schülerinnen und Schüler. Auch die Einrichtungen wünschen sich eine langfristige Kooperation. Im Schuljahr 2025/26 wird das Projekt fortgesetzt – als gelungenes Beispiel dafür, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt im Kleinen beginnt.

Text: Sonja Beckmann
Foto: Ravensberger Schule

Der Beitrag ist Teil des Fokus Zusammenhalten der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte Oktober 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

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