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Gudrun Sonnenberg

Anpassung der Rechnungslegung von Stiftungen

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Vom Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) liegt ein Entwurf für die Neufassung zur Rechnungslegung von Stiftungen (IDW ERS HFA 5 n.F.) vor. Das IDW empfiehlt die Anwendung bereits des Entwurfs. Stellungnahmen können schriftlich bis zum 30. April 2024 abgegeben werden. Die Neufassung ist durch die Stiftungsrechtsreform nötig geworden, die im Juli 2023 in Kraft getreten ist.

www.idw.de/idw/idw-verlautbarungen/idw-ers-hfa-5-n-f.html
www.idw.de/idw/idw-aktuell/neufassung-von-idw-rs-hfa-5-zur-rechnungslegung-von-stiftungen-als-entwurf-verabschiedet.html

MDR: Zwanzig Jahre Bürgerstiftung Leipzig

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Über „20 Jahre Bürgerstiftung Leipzig“ berichtete am 21. Januar 2024 Hartmut Schade im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Mit Projekten wie die „Wunderfinder“ bringt die „Stiftung Bürger für Leipzig“ ehrenamtliche Paten mit Kindern zusammen, um neue Orte zu entdecken. In Erzählcafés geben ältere Leipziger ihre Lebenserfahrungen weiter. „Trotz vieler erfolgreicher Projekte: Ein Ziel verfehlte die Stiftung“, heißt es jedoch in dem Beitrag. „Zum zehnten Geburtstag sollte das Stiftungskapital bei einer Million liegen. Jetzt, zum zwanzigsten, hat man die 500.000-Euro-Marke erreicht.“ Dabei könne sich unsterblich machen, wer einen Stiftungsfonds unter dem Dach der Bürgerstiftung gründet, der den eigenen Namen mit einem guten Zweck verbindet – auf ewig, wie Angelika Kell vom Vorstand der Bürgerstiftung in dem Beitrag erläuterte.

www.mdr.de/mdr-aktuell-nachrichtenradio/audio/audio-2536196.html

Westfalenpost: Ehrenamtskneipe für das Leben im Dorf

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Engagement im ländlichen Raum: In Olpe, einem Ortsteil von Meschede im Hochsauerland (nicht zu verwechseln mit der Stadt Olpe) hat sich ein Verein gegründet, der eine Kneipe betreiben möchte. Grund ist, dass es nach der Schließung des örtlichen Hotels keinen Schankraum mehr gibt. Die neue Kneipe mit dem Namen „StOlperfalle“ soll das Zusammenleben im Ort fördern, aber, so berichtete Frank Wiesemann in der Westfalenpost, es sollen die Gewinne auch für Projekte der örtlichen Vereine eingesetzt werden. „Daher ist der Verein Ehrenamtskneipe Olpe tatsächlich eine weitere Initiative zur Förderung der zahlreichen Anliegen der Gemeinschaften der Orte Olpe und Frenkhausen“, schrieb er. Das Dorf hat rund 680 Einwohner. Der Beitrag erschien unter dem Titel „Ehrenamtskneipe Meschede-Olpe: Diese Schritte sind geplant“ in der Lokalausgabe Meschede der Westfalenpost vom 23. Januar 2024.

www.wp.de/staedte/meschede-und-umland/ehrenamtskneipe-meschede-olpe-diese-schritte-sind-geplant-id241486272.html (+)

Süddeutsche: Nie wieder „wahre Preise“ bei Penny

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Zu teuer, Umweltaspekte egal: Im Sommer 2023 versuchte der Lebensmitteldiscounter Penny, zwei Wochen lang ausgewählte Produkte so teuer zu verkaufen, wie sie eigentlich sind, wenn man die Belastungen einrechnet, die ihre Herstellung für Umwelt und Klima bedeutet. Die Aktion war sehr umstritten (bürgerAktiv berichtete Ausgabe 247 August 2023). Sie werde nicht wiederholt, erklärte das Unternehmen selbst nun auf der Grünen Woche 2024 in Berlin, berichtete am 24. Januar 2024 die Süddeutsche Zeitung. Zwar habe die Kampagne Aufmerksamkeit für Lebensmittelpreise erzeugt. Doch der Verkauf ging bei acht der neun Produkte stark zurück und eine inzwischen ausgewertete Befragung ergab, dass die meisten nicht kaufenden Kunden von den hohen Preisen verschreckt worden waren. Weitere Argumente der Kunden gegen den Kauf: Die Umweltbelastung interessiere nicht und ein Teil der Kunden hatte die Aktion nicht verstanden. „Ein Sprecher von Penny sieht durch die Kampagne bestätigt, dass Kunden anders kaufen, als sie in Umfragen angeben“, so der Autor des Berichts „Warum Pennys Experiment mit ‚wahren Preisen‘ Kunden abschreckte“, Michael Kläsgen.

www.sueddeutsche.de/wirtschaft/lebensmittelpreise-penny-umwelt-discounter-wahre-preise-1.6337909

DIE ZEIT: Freiwillige im Ausnahmezustand

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„Ein Ehrenamt ist nicht nur gelebte Solidarität, sondern auch ein ökonomischer Kraftakt“, stellten Johanna Jürgens, Marcus Rohwetter und Jonas Waack fest, die unter dem Titel „Sie stopfen die Löcher“ in der Zeit am 11. Januar 2024 unter anderem über die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer berichteten, die beim Hochwasser in Norddeutschland im Einsatz waren. Sie beobachteten Freiwillige bei der Feuerwehr im Ausnahmezustand: „Radtke schätzt, dass ihn sein Ehrenamt pro Woche zwanzig Stunden kostet. Aber dass er mal zwei Wochen am Stück auf der Wache verbringen würde? ‚Hätte ich im Leben nicht geglaubt.‘“. Rechne man hoch, was ehrenamtliche Einsätze kosteten, würden sie mit Durchschnittslöhnen vergütet, auf das Doppelte des Jahresumsatzes, den der Softwarekonzern SAP erziele. Der lag 2022 bei 30 Milliarden Euro. Von „Null Bock“ oder einem „Freizeitpark Deutschland“ wie von Politikern zuweilen geäußert, könne keine Rede sein, schlussfolgerten Jürgens, Rohwetter und Waack.

www.zeit.de/2024/03/freiwillige-feuerwehr-hochwasser-ehrenamt-niedersachsen (+)

Ehrenamtliches Engagement für bessere Bildung: Neue Daten zu Mentoring

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Wer sich als Mentorin oder Mentor im Bildungsbereich engagiert, ist fast immer ehrenamtlich engagiert und investiert seine Zeit mindestens einmal pro Woche, regelmäßig und verbindlich: Diese und weitere Erkenntnisse über Mentoring liefert eine Befragung, die im Januar 2024 vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) unter dem Titel „Die Zivilgesellschaft als neuer Bildungspartner. Mentoring, Patenschaft und Mediation“ veröffentlicht worden ist. Die meisten Mentoren sind weiblich und im Rentenalter. Ihre Mentees sind Kinder und Jugendliche und das Mentoring findet in der Regel in Bildungseinrichtungen bzw. Schulen statt. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, ihr ehrenamtliches Mentoring bereits länger als drei Jahre auszuüben. Die Organisationen, die das Mentoring vermitteln, haben sich der Erhebung zufolge größtenteils nach der ersten PISA-Studie 2002 gegründet. Befragt wurden Ehrenamtliche und Mentoring-Organisationen.

wzb.eu/de/pressemitteilung/bildung-braucht-die-zivilgesellschaft

Fokus Januar 2024: Service Learning – Wie sollen Schüler heute lernen und was?

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Große Leistungsunterschiede, abgehängte Schülerinnen und Schüler, elternhausabhängige Erfolge: Die Bildung in Deutschland kommt aus ihrer Schieflage nicht heraus. Die jüngste PISA-Studie, im Dezember 2023 veröffentlicht, hat das erneut bestätigt. Für bessere Lernerfolge braucht es jedoch nicht nur mehr Ressourcen, sondern auch andere Konzepte. Service Learning verbindet Bildungs- und Demokratieförderung und gibt Antwort auf die Frage, wie eine zukunftsfähige Bildung aussehen kann. Im Programm sozialgenial der Stiftung Aktive Bürgerschaft erproben bereits mehr als 1000 Schulen Service Learning in der Praxis. Im Fokus berichten Praktiker aus den Projekten, wie Service Learning wirkt, wie es funktioniert und wie es noch mehr bringen könnte.

Lesen Sie dazu diese Fokusbeiträge:

Drei Schulen, drei Fächer, eine Methode

In Service-Learning-Projekten engagieren sich Schülerinnen und Schüler für die Gemeinschaft und wenden dabei an, was sie im Fachunterricht der Schule gelernt haben. Drei Beispiele zeigen, wie das praktisch umgesetzt wird und wie die Projekte in den Schulalltag eingebunden werden können.
WWW.AKTIVE-BUERGERSCHAFT.DE/DREI-SCHULEN-DREI-FAECHER-EINE-METHODE/

„Mehr eigene Projekte, mehr Selbstwirksamkeit, andere Erfahrungen“

Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterinnen, die sozialgenial-Projekte umsetzen, erleben motiviertere Schülerinnen und Schüler, die von Selbstwirksamkeit profitieren und Erfahrungen machen, die der normale Unterricht nicht ermöglicht. Doch das bestehende System der Wissensvermittlung lässt wenig Freiheit für solche Projekte. Drei Lehrkräfte und Sozialarbeiterinnen berichten, wo sie den Raum für sozialgenial finden und warum sich das für sie lohnt.
WWW.AKTIVE-BUERGERSCHAFT.DE/MEHR-EIGENE-PROJEKTE-MEHR-SELBSTWIRKSAMKEIT-ANDERE-ERFAHRUNGEN/

„Wir prüfen zu viel“

Die PISA-Studie förderte Ende 2023 bedrückend schlechte Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler sowie große Unterschiede zutage. Birgit Wenninghoff, Leiterin der Mathilde Anneke Gesamtschule in Münster, wünscht sich flexiblere Prüfungskonzepte und mehr Zeit für individuellen Unterricht und neue Formate.

www.aktive-buergerschaft.de/wir-pruefen-zu-viel

Auszubildende mit Teamfähigkeit und Sozialkompetenz gesucht – und bei sozialgenial gefunden

Technik verstehen, gut kommunizieren und einsatzbereit sein: Das ist eine dringend gesuchte Kombination bei der „Auf den Punkt Veranstaltungstechnik GmbH“ in Soest. Umso erfreuter war Geschäftsführer Hubertus Neuhaus, als ihn im März 2023 bei einer sozialgenial-Veranstaltung ein junger Mann ansprach und sein Interesse an einem Ausbildungsplatz als Veranstaltungstechniker bekundete.
www.aktive-buergerschaft.de/auszubildende-mit-teamfaehigkeit-und-sozialkompetenz-gesucht-und-bei-sozialgenial-gefunden/

Mehr zum Thema

Alles über sozialgenial:
www.sozialgenial.de
sozialgenial-Projektbeispiele und Zahlen:
www.sozialgenial.de/praxisbeispiele
Geschichten aus den Projekten, Erfahrungen, Hintergrund zum Programm: bürgerAktiv Magazin 2023/24 der Stiftung Aktive Bürgerschaft
www.aktive-buergerschaft.de/wp-content/uploads/2023/09/buergerAktivMagazin2023.pdf

 

Drei Schulen, drei Fächer, eine Methode

1024 768 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Service Learning verbindet Bildung mit Engagement: Schülerinnen und Schüler engagieren sich für die Gemeinschaft und wenden dabei an, was sie im Fachunterricht der Schule gelernt haben. Drei Beispiele zeigen, wie es geht und wie die Projekte in den Schulunterricht eingebunden werden können.

„Die Welt belohnt uns nicht mehr allein für das, was wir wissen – Google weiß ja schon alles –, sondern für das, was wir mit dem, was wir wissen, tun können.“ So beschreibt Andreas Schleicher, Bildungsdirektor bei der OECD und „Vater der PISA-Studie“ die Herausforderung zu entscheiden, was und wie junge Menschen heute lernen müssen. Nur wer gelernt hat, sein Wissen in unterschiedlichen Situationen zur Problemlösung anzuwenden, wer weiß, dass er sein Lebensumfeld mitgestalten kann und wer Verständnis und Empathie für seine Mitmenschen und ihre individuellen Lebensweisen entwickelt, kann gute Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit finden.

Service Learning ist ein didaktisches Konzept, das Bildungs- und Demokratieförderung verbindet und eine Antwort sein kann auf die Frage, wie eine zukunftsfähige Bildung aussehen kann.

Was kannst du gut, was anderen nützt? Unter diesem Motto entwickeln Schülerinnen und Schüler im Unterricht Engagementprojekte, die eng mit Inhalten aus dem Lehrplan verknüpft sind. Sie engagieren sich in sozialen Einrichtungen, für Klimaschutz und Demokratie, für Integration und vieles mehr. Dabei arbeiten sie mit außerschulischen Partnern wie Vereinen, Stadtteilinitiativen oder gemeinnützigen Organisationen zusammen, können fachliches Wissen aus dem Unterricht in der Praxis anwenden, um an der Lösung realer gesellschaftlicher Probleme mitzuwirken, und stärken Schlüsselkompetenzen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit, kritisches Denken und soziales Verantwortungsbewusstsein.

Service-Learning-Projekte dienen zum einen dazu, Lernziele zu erreichen und die fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Sie lernen hier praxisnah und anwendungsorientiert und können einen konkreten Bezug der schulischen Inhalte zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen.

Zum anderen werden junge Menschen schon früh in ihrem Leben ermutigt, sich für ihr unmittelbares Lebensumfeld zu engagieren, sich mit realen gesellschaftlichen Problemen zu beschäftigen und an ihrer Lösung mitzuwirken und Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Die Frage „Was kannst du gut?“ zielt darauf ab, sich ihre individuellen Stärken, Interessen und Neigungen bewusst zu machen und diese in die Projekte einzubringen. So erleben sie ganz direkt, dass sie mit ihren Kompetenzen einen wirkungsvollen Beitrag in der Gesellschaft leisten können.

Mit ihrem Programm sozialgenial fördert die Stiftung Aktive Bürgerschaft Service Learning an Schulen, damit junge Menschen fürs Leben lernen und frühzeitig und herkunftsunabhängig an ehrenamtliches Engagement herangeführt werden. Wie Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter ihren Unterricht mit Service Learning gestalten und was die Schülerinnen und Schüler in ihren Projekten lernen, zeigen Beispiele aus drei sozialgenial-Mitgliedschulen.

 

Religion: Lebenserfahrung im „Café Kränzchen“

Ein Café – ausgerechnet auf einem Friedhof? Gerade da, denn ein Friedhof sollte kein trauriger Ort sein, so dachten Schülerinnen und Schüler der Hannah-Arendt-Gesamtschule in Soest. Ihre Idee im Religionsunterricht: einen Raum für Begegnungen und Gespräche zu schaffen, ein Café auf dem Osthofenfriedhof.

Die Idee der Schüler passte wunderbar zu den Plänen der Soesterin Martina Brennecke, die ein Friedhofscafé eröffnen wollte. Das „Café Kränzchen“ ist ihr Projekt, und sie kann dabei auf die Mithilfe der Jugendlichen zählen.

Über die Stadt Soest kam der Kontakt zwischen ihr und den Schülern zustande, die Eröffnung des Café Kränzchen im April 2022 wurde von den Schülern tatkräftig unterstützt. Sie machten mit selbst entworfenen Flyern Werbung, besorgten Blumen für die Tischdeko und schenkten Café aus, vor allem aber schafften sie eine Gelegenheit für Gespräche mit den Besucherinnen und Besuchern des Friedhofs. Beide Seiten profitieren, findet Nils, einer der Schüler: „Die älteren Leute erzählen viel aus ihrem Leben, das höre ich mir gerne an, denn von ihren Erfahrungen können wir Jungen profitieren. Im Gegenzug können wir ihnen aber auch mit unserer Erfahrung zum Beispiel im Umgang mit Handys helfen.“

Alle zwei Wochen hat das Café nun mittwochs von 15 bis 17 Uhr geöffnet. „Durch die Kontakte mit den älteren Menschen lernen wir unfassbar viel fürs Leben“, berichtet die Schülerin Lucy. „Wir kommen mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch, die wir in der Schule nie treffen würden. Man lernt dabei super viel über den Umgang miteinander: Wertschätzendes Verhalten, ohne Vorbehalte jemandem gegenübertreten und dass Äußerlichkeiten nicht immer alles sind.“

Das Projekt geht weiter, für einen reibungslosen Übergang an den nachfolgenden Jahrgang ist gesorgt: Die Schule hat den Religionsunterricht mittwochs in die Randstunden gelegt. Jetzt liegen der Religionsunterricht und die Café-Öffnungszeiten parallel und die Schüler sind alle zwei Wochen statt in der Schule im Café.

 

BWL: „Rheine Rockt“ – ein Festival organisieren

„Rheine Rockt“ ist ein eintägiges Musikfestival, umsonst und draußen, mit lokalen Newcomer-Bands und seit der Erstausgabe 2016 aus dem lokalen Veranstaltungskalender nicht mehr wegzudenken. Wer hat’s erfunden? Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen Rheine.

„Think big!“ war die Ansage von Lehrer Claus Schrichten, als er vor einigen Jahren vor seinen Schülerinnen und Schülern stand und die Marschrichtung für das Schuljahr vorgab. Projekte sollten sie sich überlegen, in denen sie sich sozial engagieren konnten. Einige Schülerinnen hatten daraufhin die Idee, ein Rockfestival zu veranstalten, um Spenden für soziale Zwecke zu generieren. „Rheine Rockt“ war geboren. Es war gleich in der Erstausgabe ein Erfolg und wird seitdem in jedem Jahr im SozialGenial-Kurs am Beruflichen Gymnasium der Kaufmännischen Schulen Rheine organisiert. In dem Wahlpflichtkurs können und sollen die Schülerinnen und Schüler sich für andere engagieren und dabei ihr BWL-Wissen speziell zum Projektmanagement anwenden. Inzwischen ist der Kurs so beliebt, dass unter den Interessenten ausgelost werden muss, wer teilnehmen darf.

Bei der Organisation von „Rheine Rockt“ können die Schülerinnen und Schüler ihre fachlichen Kompetenzen aus den Fächern BWL, Mathematik und Deutsch in der Praxis anwenden. Der Aufgabenkatalog, den sie abarbeiten, steht dem eines professionellen Veranstalters in nichts nach: Sie kalkulieren Budgets und Preise, treffen Absprachen mit der Stadt, werben Sponsorengelder ein, verhandeln Angebote und beauftragen Dienstleister für Bühne, Licht und Ton, Sanitäranlagen, Sicherheit und Ordnung, buchen die Bands, machen Pressearbeit und Werbung, koordinieren die Abläufe am Tag der Veranstaltung.

Zum Schluss wird abgerechnet und dann bleibt – wenn die Kalkulation aufgegangen ist – ein ordentlicher Gewinn aus dem Getränkeverkauf übrig. 2023 konnten die Schülerinnen und Schüler 2500 Euro an roterkeil.net spenden, eine regionale Institution, die sich gegen Kindesmissbrauch und Kinderprostitution einsetzt. Ebenso besteht eine Kooperation mit dem Kinderschutzbund Rheine e.V., der über das Thema „Gewalt gegen Kinder“ vor Ort in der Schule aufklärt.

2023 konnte erstmals eine Betroffene gewonnen werden, die bei dem von den Schülerinnen und Schülern organisierten Event live auf der Bühne über ihre Erlebnisse sprach. Der Auftritt bewirkte, dass sich drei weitere Betroffene aus der Zuschauerschaft meldeten und über „Rheine Rockt“ Erstkontakt zu den benannten Hilfsorganisationen aufbauten. Die Betroffene informierte im Nachgang auch in der Schule über die schwerwiegenden Folgen von sexualisierter Gewalt gegen Kinder.

Die Planungen für „Rheine Rockt“ 2024 laufen bereits auf Hochtouren.

 

Wahlpflicht: Belastungen erkennen und bewältigen

Die Corona-Pandemie war eine anstrengende Zeit und hat besonders bei Kindern und Jugendlichen Spuren hinterlassen. Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 der Heinrich-Heine-Gesamtschule Dreieich (Hessen) wollten in ihrem sozialgenial-Projekt herausfinden, wie ihre Mitschüler diese Zeit erlebt haben, was sie besonders belastet hat und wie sie mit den Belastungen umgegangen sind. Ebenso wichtig war ihnen, mehr Verständnis und Empathie seitens der Lehrkräfte zu gewinnen.

Angesiedelt war das Projekt im Wahlpflichtkurs „Service Learning – Lernen durch Engagement“, in dem sich die Schüler mit Problemen und Herausforderungen in ihrem Umfeld beschäftigen und sich für Verbesserungen einsetzen. Neben der Engagementerfahrung soll der Kurs soziale und methodische Kompetenzen vermitteln.

Die Kursteilnehmer entwickelten einen passgenauen Fragebogen, um zu erfahren, welche Probleme ihren Mitschülerinnen und Mitschülern auf dem Herzen lagen. Um Schulöffentlichkeit herzustellen, konnten sie zudem bei der Aktion „Briefewand“ ihre persönlichen Geschichten anonym einreichen. Die Beiträge wurden thematisch sortiert ausgestellt: So erkannten die Schülerinnen und Schüler, dass sie nicht allein waren mit ihrem Kummer, zudem wurden Lösungsstrategien gezeigt und über Hilfsangebote und Ansprechpartner informiert.

Das Projekt endete mit einem Aktionstag, an dem vier Workshops zu den Themen „Umgang mit Traumata“, „Prüfungsangst“, „Stressmanagement“ und „Gesund und fit durch den Schulalltag“ angeboten wurden.

Die engagierten Schülerinnen und Schüler erfuhren auch durch das Feedback der Schulgemeinde, dass sie etwas bewegen konnten: „Sie übernehmen Verantwortung, sehen, was für eine Wirkung sie haben in der Gesellschaft, das ist eine ganz wichtige Erfahrung“, bilanzierte Kursleiterin und Schulsozialarbeiterin Nicole Bondaug.

Weil die Schülerinnen und Schüler mit ihrem Projekt einen Nerv getroffen hatten, führten sie die Workshops zu Stressmanagement und Prüfungsangst im folgenden Schuljahr gleich noch einmal durch.

Sonja Beckmann, Caroline Deilmann, Stiftung Aktive Bürgerschaft

 

„Mehr eigene Projekte, mehr Selbstwirksamkeit, andere Erfahrungen“

1024 430 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterinnen, die sozialgenial-Projekte umsetzen, erleben motiviertere Schülerinnen und Schüler, die von Selbstwirksamkeit profitieren und Erfahrungen machen, die der normale Unterricht nicht ermöglicht. Doch das bestehende System der Wissensvermittlung lässt wenig Freiheit für solche Projekte. Drei Lehrkräfte und Sozialarbeiterinnen berichten, wo sie den Raum für sozialgenial finden und warum sich das für sie lohnt.

 

„Wegkommen von starren Lehrplänen“

Eike Garlichs ist Lehrer für Wirtschaftswissenschaften und Sport an den Kaufmännischen Schulen Rheine. Mit seinem Kollegen Claus Schrichten leitet er die zwei sozialgenial-Kurse am Beruflichen Gymnasium.

Was ist für Sie das Besondere am Service Learning, wo liegt für Sie der Mehrwert gegenüber anderen Unterrichtskonzepten?

Der größte Mehrwert besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler Projekte umsetzen können, die sie wirklich interessieren – irrelevant, ob es aktuell im Lehrplan steht oder nicht. Dadurch sind sie intrinsisch motiviert. Das geht über den normalen Fachunterricht hinaus und führt dazu, dass sie sich sozial engagieren und etwas für sich und die Gesellschaft tun.

Sie nutzen den Wahlpflichtbereich, um Service Learning umzusetzen. Was hindert Sie daran, Service Learning direkt im Fachunterricht umzusetzen?

An unserer Schule werden im Wahlpflichtbereich für die Engagementprojekte keine Noten vergeben. Die Schülerinnen und Schüler wissen: Das ist etwas für mich selbst und die Gesellschaft. Ich gestalte das Projekt so, wie ich es gern möchte. Das ist ein ganz entscheidender Punkt und deshalb finde ich es sinnvoll, Service Learning im Wahlpflichtbereich anzubieten. Der Fachunterricht hingegen ist zeitlich sehr eng getaktet, sodass sozialgenial nicht ausreichend Raum gegeben werden könnte.

Wie müsste sich Schule verändern, damit Service Learning zur Selbstverständlichkeit wird?

Eine Idee könnte sein, das starre Festhalten an Lehr- und Stundenplänen ein wenig zu lockern. Es wäre zu visionär und revolutionär gedacht, dieses in seiner Gesamtheit ganz aufzulösen, aber wenn die Schülerinnen und Schüler beispielsweise einen Tag in der Woche hätten, an dem sie Projekte umsetzten könnten, zu denen sie Lust haben – mit leichten Impulsen von uns Lehrkräften in Richtung Service Learning –, könnte ich mir vorstellen, dass es selbstverständlicher wird. Unsere Schule macht da schon viel und unsere Schülerinnen und Schüler sind sehr aktiv. Daher sind soziale Projekte im Leitbild unserer Schule als Beispiel für soziales Handeln verankert und viele Lehrkräfte unterstützen das.

 

„Das Beste ist, dass alle profitieren“

Nicole Bondaug ist Schulsozialarbeiterin an der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Dreieich-Sprendlingen in Hessen. Zusätzlich unterrichtet sie den Kurs „Service Learning – Lernen durch Engagement“.

Was ist für Sie das Besondere am Service Learning, wo liegt für Sie der Mehrwert gegenüber anderen Unterrichtskonzepten?

Für mich ist das Beste am Service Learning, dass alle davon profitieren: Schülerinnen, Schüler und auch die außerschulischen Partner, für die die Projekte gemacht sind. Es ist eine Bereicherung für alle. Sich zu engagieren macht selbstsicher: Die Schülerinnen und Schüler lernen sich sehr gut kennen und bewältigen Herausforderungen, die sie im schulischen Alltag nicht haben. Natürlich sind gute Noten auch ein Lob und eine Anerkennung für das Lernen, aber beim Service Learning geht es um die menschliche Ebene, das konkrete Feedback, etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu tun und wertgeschätzt zu werden, das ist was ganz anderes. Die außerschulischen Partner profitieren von sozialgenial, weil die Schülerinnen und Schüler Themen recherchieren, für die es einen Bedarf gibt. Deshalb freuen sie sich über das Engagement. Auch die Schulleitung findet das toll, weil es den Ruf der Schule noch mal verbessert.

Sie nutzen den Wahlpflichtbereich, um Service Learning umzusetzen. Was hindert Sie daran, Service Learning direkt im Fachunterricht umzusetzen?

Mich persönlich hindert mein Beruf daran, ich bin Sozialpädagogin. Für mich ist Service Learning ideal, denn es vereint soziale Arbeit und Beziehungsarbeit. Es gibt aber auch Kollegen, die das im Fachunterricht machen, zum Beispiel im Religionsunterricht. Die Frage ist, ob der Lehrplan da noch Raum lässt.

Wie müsste sich Schule verändern, damit Service Learning zur Selbstverständlichkeit wird?

Es müsste weniger um Wissensvermittlung, sondern eher um Erfahrungslernen und Selbstwirksamkeit gehen, das sollte eine viel größere Rolle spielen im schulischen Konzept. Reformen sind nötig, die Digitalisierung und die aktuellen Entwicklungen in der Welt stellen gewaltige Herausforderungen dar, für die wir andere Konzepte brauchen. Es wäre wichtig, dass mehr Wert auf Demokratiebildung gelegt wird und dass mehr Schülerinnen und Schüler Erfahrungen im bürgerschaftlichen Engagement sammeln.

 

„Den Stundenplan entsprechend gestalten“

Sarah Menne unterrichtet Englisch und evangelische Religionslehre an der Hannah-Arendt-Gesamtschule in Soest. Ihre Schülerinnen und Schüler engagieren sich direkt aus dem Fachunterricht heraus.

Was ist für Sie das Besondere am Service Learning, wo liegt für Sie der Mehrwert gegenüber anderen Unterrichtskonzepten?

Die Hannah-Arendt-Gesamtschule Soest setzt auf Projektarbeit. In sozialgenial-Projekten können die Schülerinnen und Schüler theoretisch erworbene Fähigkeiten lebensnah umsetzen. So gewinnt das Erlernte Bedeutung für die eigene Lebenswelt. Zu einer reformpädagogisch orientierten Gesamtschule zählt das Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Diesen Leitsatz unterstützt Service Learning auf ganzer Linie. In einem Verbund engagierter Kolleginnen und Kollegen führen wir bei sozialgenial die Schülerinnen und Schüler herkunftsunabhängig an soziales Engagement heran und begleiten sie dabei.

Sie setzen Service Learning im Fachunterricht um, wie gelingt es Ihnen, die dafür nötigen zeitlichen Freiräume zu finden?

Möglich ist dies durch die Unterstützung derer, die den Stundenplan gestalten: Mein Kurs, der evangelische Religionsunterricht, findet nachmittags statt, sodass sich die Schülerinnen und Schüler in der Unterrichtszeit bei außerschulischen Partnern wie dem Café Kränzchen engagieren können. Hervorheben möchte ich die Unterstützung der Schulleitung, die die Lernenden und Fachlehrerinnen produktiv und aufrichtig bei den organisatorischen Herausforderungen berät.

Wie müsste sich Schule verändern, damit Service Learning zur Selbstverständlichkeit wird?

Das System Schule sollte Schülerinnen und Schüler bestmöglich dabei unterstützen, autonom ihre Wege zu gehen. Aber nicht nur das Verfolgen eigener (schulischer) Ziele sollte Berücksichtigung finden, sondern auch das Wahrnehmen sozialer Pflichten – und das so früh wie möglich. Ich bin sehr dankbar und stolz, dass unserer Schulgemeinschaft dies gelingt, indem durch das Service Learning im Fachunterricht Projekten wie dem Café Kränzchen in Soest Raum und Zeit gegeben wird.

Interviews: Sonja Beckmann, Stiftung Aktive Bürgerschaft

„Wir prüfen zu viel“

1024 847 Stiftung Aktive Bürgerschaft

Die Pisa-Studie förderte Ende 2023 bedrückend schlechte Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler sowie große Unterschiede zutage. Birgit Wenninghoff, Leiterin der Mathilde Anneke Gesamtschule in Münster, wünscht sich flexiblere Prüfungskonzepte und mehr Zeit für individuellen Unterricht und neue Formate.

Finden Sie Ihre Schule in den schlechten Pisa-Ergebnissen wieder?

Die PISA-Ergebnisse haben mich nicht überrascht. Aus meiner Sicht sind diese Entwicklungen eine Folge der Selektion in unserem Schulsystem, das die Schülerinnen und Schüler nach der Grundschule in unterschiedliche Schultypen sortiert. Wenn etwa Schülerinnen und Schüler mit Sprachschwierigkeiten unter sich bleiben, kommen sie natürlich nicht so gut weiter. Bei uns auf der Gesamtschule können alle Schüler gemeinsam lernen und profitieren voneinander.

Woran liegen die Mängel? Zu wenig Ressourcen, falsch qualifizierte Lehrkräfte, fehlende Konzepte?

Neben mehr gut qualifiziertem Personal fehlen uns vor allem Freiräume. Das Problem ist unsere Prüfungskultur! Wir prüfen zu viel. Vor allem in der Oberstufe, in der alles auf das Abitur hinausläuft. Es bleibt keine Zeit, um das zu tun, worauf es ankommt, nämlich individuelle Rückstände aufzuholen. Wenn jemand in Englisch eine Fünf schreibt, arbeite ich doch sinnvollerweise mit diesem Schüler den Lernstoff nach, anstatt ihn mitsamt seinen Lücken in die nächste Prüfung zu schicken. Aber für solche auf die Individuen bezogenen Ansätze ist wenig Raum.

Wie geht es besser?

Wir müssen uns fragen, ob unsere Konzepte noch zeitgemäß sind. Wir brauchen alternative Formate und müssen kreativer und problemlösungsorientierter arbeiten. Die OECD hat für zukunftsfähige Bildung vier Kompetenzen definiert, die Schülerinnen und Schüler erwerben sollten: Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Kritisches Denken. Diese Ziele werden bei uns im Service Learning adressiert. Die Kinder engagieren sich in sozialgenial-Projekten in der 7. und in der 11. Jahrgangsstufe. Sie müssen mit Einrichtungen außerhalb der Schule kommunizieren, müssen Entscheidungen treffen und machen viele neue Erfahrungen. Sie erleben, dass es Spaß macht, sich für andere einzusetzen.

Welche Rolle kann das Service Learning für das Lernen insgesamt spielen?

In den sozialgenial-Projekten findet viel informelles Lernen statt. Das ist wichtig. Die Projekte zu ermöglichen steht und fällt mit dem Engagement der Lehrkräfte, die aus den genannten Gründen zuweilen ziemlich kreativ sein müssen, um die nötigen Freiräume zu finden. Insgesamt bräuchten Lehrerinnen und Lehrer vor allem mehr Zeit. Offiziell vier Stunden pro Woche nur für Konzeption: Das wäre mein Traum!

Interview: Gudrun Sonnenberg, Stiftung Aktive Bürgerschaft