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stefannaehrlich

Kommentar: Engagementpolitik – wie es weitergehen sollte

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von Stefan Nährlich

Die Abgeordneten des 18. Deutschen Bundestages sind gewählt. Unkenrufen zum Trotz gab es mit der Abwahl der FDP doch eine Überraschung. Nun ist unklar, welche Parteien die Regierung bilden werden. Schwarz-Rot oder Schwarz-Grün sind die wahrscheinlichsten Konstellationen. Doch wer auch immer sich zusammentut: Aller Voraussicht nach wird es im Bundestag wieder ein Gremium geben, das sich mit dem Thema Bürgerengagement beschäftigt. Der bisherige Vorsitzende des Unterausschusses Bürgerschaftliches Engagement, Markus Grübel (CDU), hat sich vor der Wahl für einen regulären Ausschuss ausgesprochen, um der gestiegenen Bedeutung des Themas gerecht zu werden. Das ist richtig!

Kommentar: Berater hinter ihren Möglichkeiten

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von Holger Backhaus-Maul

Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen – Corporate Citizenship – war vor über einem Jahrzehnt eine erfrischend neue Perspektive auf ein in Deutschland merkwürdig vernachlässigtes Phänomen. Soeben nun hat die gemeinnützige PHINEO AG unter dem spröden Titel „Werkzeugkoffer für sozial engagierte Unternehmen“ einige vielversprechende Ratgeber vorgelegt. PHINEO selbst versteht sich als unabhängiges Beratungs- und Analysehaus; ihre Hauptgesellschafter sind die Deutsche Börse Group und die Bertelsmann Stiftung.

PHINEO hat sich in den vergangenen drei Jahren als Beratungsorganisation für zivilgesellschaftliche Organisationen mit Begriffen und Instrumenten in den Themenfeldern Strategie, Transparenz und Wirkung einen Namen gemacht. In den jetzt veröffentlichten Ratgebern geht es um „strategisches Corporate Citizenship“, „wirksames Corporate Volunteering“ und „sinnvolle Unternehmensspenden“. Diese Themen sind nicht neu. Experten wie Dieter Schöffmann (VIS a VIS) und Reinhard Lang u.a. (UPJ) haben sie bereits in den 1990er Jahren entdeckt. Seitdem werden Unternehmen von Beratern mit normativen Erwägungen, Plausibilitätsannahmen und unzähligen „guten Beispielen“ umworben.

Kommentar: Service Learning als Hoffnungsträger

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von Gisela Jakob

Das Lernen von bürgerschaftlichem Engagement und Verantwortung ist zu einer beliebten Formel in politischen Strategiepapieren geworden. So richtet die Bundesregierung in ihrer Nationalen Engagementstrategie die Förderung von Engagement als Auftrag an Schulen und andere Bildungseinrichtungen. In dem von der Bundeskanzlerin 2011/12 initiierten Zukunftsdialog empfehlen Expertinnen und Experten ein „Projekt zivilgesellschaftliches Engagement“, in dem Schülerinnen und Schüler in Service Learning-Projekten Gemeinsinn und soziale Kompetenzen erwerben sollen. Als Ergebnis des „Bürgerdialogs Demografischer Wandel“ des Bundesbildungsministeriums (BMBF) wird gar ein „verpflichtendes gesellschaftliches Engagement“ in den Schulen gefordert.

Tatsächlich hat die im Auftrag der Aktiven Bürgerschaft erstellte Wirkungsstudie Service Learning gezeigt, dass die Teilnahme an Service Learning-Projekten die Einstellung von Schülerinnen und Schülern zum Engagement verbessert.

Kommentar: Ungeliebt, aber unersetzlich: Feuerwehr und THW

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von Rudolf Speth

Beim bürgerschaftlichen Engagement gibt es eine geheime Hierarchie. Sie wird sichtbar in den Diskursen darüber, welches Engagement wirklich wertvoll und förderungswürdig sei. Zum Ausdruck kommt: Das alte, traditionelle Ehrenamt hat ausgedient, modern und zeitgemäß ist dagegen das bürgerschaftliche Engagement, das selbstbestimmt und selbstorganisiert ohne die großen Organisationen auskommt. Damit einher geht ein Misstrauen gegenüber großen und alten Organisationen, allen voran gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr. Sie wird als Hort des alten Ehrenamtes angesehen und gilt als Steckenpferd der Konservativen. Wer die Freiwillige Feuerwehr mit dem bürgerschaftlichen Engagement verbinden will, machte sich beinahe schon verdächtig.

Kommentar: Stiftungen unter Stress

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von Stefan Nährlich

“Das Gemeinwesen von morgen stärken! Stiftungen in einer sich verändernden Welt” war das Motto des diesjährigen Deutschen Stiftungstages. Doch werden die Stiftungen diesen Anspruch, das Gemeinwesen von morgen zu stärken, angesichts der sich verändernden Welt noch erfüllen können? Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise haben viele Stiftungen in Schwierigkeiten gebracht. Die Krise kann eine Chance sein, das deutsche Stiftungswesen zu stärken, doch es muss bezweifelt werden, ob das ohne staatliche Maßnahmen gelingt.

Kommentar: Berechtigte Kritik an den Tafeln

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von Gisela Jakob

Dass Wohlfahrtsverbände und Nichtregierungsorganisationen erneut die Tafeln kritisieren, ist nachvollziehbar. Denn wie die Tafeln sich entwickeln, hinterlässt in der Tat einen ambivalenten Eindruck.

Einerseits hat sich hier ein Netz an unmittelbaren Hilfestrukturen herausgebildet, das von zahlreichen freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürgern getragen wird. Kaum ein Thema hat in den letzten Jahren so viele Engagierte mobilisiert wie die Unterversorgung von Menschen mit Lebensmitteln. Das Engagement ist Ausdruck einer Hilfsbereitschaft und Sensibilität für die Notlagen von Menschen in Armut. Ein großer Teil der Tafel-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind übrigens Personen, deren Unterrepräsentanz im Engagement in der Fachdebatte immer beklagt wird: Menschen, die selbst mit einem niedrigen Erwerbseinkommen auskommen müssen oder bereits Erfahrungen mit staatlichen Transferleistungen haben.

Kommentar: Verbraucherbildung im Bündnis mit McDonald’s?

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von Rudolf Speth

Lange waren Lebensführung und Ernährung kein Thema der politischen Gestaltung durch den Staat. Dies hat sich grundlegend geändert. Der Staat sieht es neuerdings als seine Aufgabe an, uns beizubringen, wie wir uns richtig ernähren. In einer liberalen Gesellschaft ist dies die Aufgabe der Einzelnen und der Familien. Überdies hat der Staat für dieses neue Vorhaben, die Lebensführung seiner Bürgerinnen und Bürger zu beeinflussen, keine geeigneten Instrumente, denn mit Gesetzen und Geld kann er hier kaum etwas ausrichten. Und ein Ministerium für die richtige Lebensführung käme in einer liberalen und pluralistischen Gesellschaft bald an die Grenzen der Legitimation.

So besinnt der Staat sich auf die Zivilgesellschaft. Doch leider geht er dabei Allianzen ein, die seine hehren Ziele infrage stellen.

Kommentar: Viel Gerede

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von Stefan Nährlich

Die Sozialunternehmer-Szene hat ein neues Thema: Social Impact Bonds. Nicht Gutmenschen und Spenden, sondern soziale Unternehmer und Investitionen bringen Veränderungen und lösen gesellschaftliche Probleme. Unter dem Titel „’Social Bonds’ – Gutmensch gegen Geld“ stellte am 4. Februar 2013 die Sendung „Bauerfeind“ im Fernsehsender 3sat ein britisches Beispiel vor. Es geht so: Investieren Sie in die Resozialisierung von Häftlingen. Je geringer die Rückfallquote, desto höher Ihre Rendite. Wenn alles klappt, bekommen Sie Ihr Geld plus Zinsen zurück.

Auch in Deutschland soll es dieses Modell bald geben. Mit Hilfe von Investoren sollen dann Schulverweigerer wieder in den Unterricht zurückgeholt werden. Das befragte Publikum im Film war geteilter Meinung, die einen dagegen, die anderen dafür. Warum, wusste keiner so genau. Eher eine Gefühlssache. Doch warum die Welt nicht ein bisschen besser machen und dabei noch Geld verdienen? Auch dem Sozialunternehmer-Konzept liegt diese Idee zugrunde. Mit einem sich selbst tragenden Geschäftsmodell soziale Probleme lösen: Das klingt so logisch und attraktiv, dass man sich unweigerlich fragt, warum früher noch keiner auf die Idee gekommen ist.

Kommentar: Stärkung mit wenig Wirkung

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von Stefan Nährlich

So oft, wie in den letzten zehn Jahren Gesetze zur Stärkung des Ehrenamts verabschiedet wurden, müsste das Ehrenamt vor Kraft kaum laufen können. Doch die Realität sieht anders aus. Manche der neuen Regelungen gehen in die richtige Richtung, andere haben bedenkliche Nebenwirkungen. Eine nachhaltige Verbesserung lässt jedoch auf sich warten und wird auch mit dem aktuell vorliegenden Gesetzentwurf nicht erreicht.

Mehr Geld für die Ehrenamtlichen, wie es manche Politiker jetzt wieder so schön formulieren, heißt nämlich, dass es die Vereine und Stiftungen sind, die Geld in die Hand nehmen müssen, wenn sie die erneuerten Möglichkeiten der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschale anwenden wollen. Geld, das viele gemeinnützige Organisationen gar nicht haben. Geld, das viele so auch nicht einsetzen wollen. Denn das idealisierte Bild vom Ehrenamtlichen, dem man für seine gute Tat auch finanziell etwas unter die Arme greift, ist nur eine Seite der Medaille.