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Kommentar: Die wundersame Welt der Abgabenordnung

880 440 Stiftung Aktive Bürgerschaft

von Stefan Nährlich

Wer in Deutschland einen gemeinnützigen Verein oder eine gemeinnützige Stiftung gründen will, lernt bald die Abgabenordnung (AO) kennen. Dort geht es im dritten Abschnitt in den Paragraphen 51 bis 68 um die steuerbegünstigten Zwecke. Wer als gemeinnützig anerkannt sein will, muss seine Tätigkeit darauf richten, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern. Die Tätigkeiten müssen Satzungszwecken entsprechen, die das Finanzamt zwischen den Punkten 1 „Förderung von Wissenschaft und Forschung“ bis 25 „Förderung des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke“ der AO einordnen kann. Näheres regelt der Anwendungserlass zur Abgabenordnung.

Regelmäßig gerät die AO wegen dieser Zwecke in die Kritik: Sie seien unvollständig, der Katalog in seiner Zusammensetzung mehr willkürlich als logisch und vor allem starken Lobbyinteressen geschuldet. Bei der Beurteilung kämen die Finanzbehörden zu unterschiedlichen Auslegungen, wie sich zuletzt im Fall des globalisierungskritischen Netzwerks Attac prominent gezeigt habe, so die Kritiker. Befürworter der AO halten dagegen, dass die Zwecke ja nicht abschließend seien und verweisen auf die Öffnungsklausel des Paragraphen 52: Wer überzeugend das Gemeinwohlförderliche seines Anliegens darlegen könne, habe auch Chancen, als gemeinnützig anerkannt zu werden.

Kommentar: Nicht auf der Bremse stehen

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von Rudolf Speth

In den vergangenen Jahren hat sich das neue Feld der Engagementpolitik in Deutschland etabliert. Der Begriff hat es in die Rhetorik der Politik geschafft. Das Bundesfamilienministerium beschreibt sich selbst gerne als „Engagementministerium“ und hat sogar seine Struktur verändert: es gibt nun eine fünfte Abteilung, die sich nur mit Engagementpolitik beschäftigt. Der Anspruch ist hoch – die Regierung will die Gesellschaft gestalten und nennt das Gesellschaftspolitik. Dafür hat das Ministerium eine Engagementstrategie entworfen und gleich acht wichtige Projekte – von „Engagierter Stadt“ bis hin zur „Deutschen Engagementstiftung“ – benannt. Dies erfolgte mit der Rückendeckung des Koalitionsvertrages von 2013. Dort finden sich zahlreiche engagementpolitisch relevante Vereinbarungen. Man kann als ersten Eindruck gewinnen, dass es um die Engagementpolitik doch gar nicht so schlecht bestellt ist.

Tatsächlich sind die Absichten anerkennenswert. Doch: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! Wie sieht also das Verhältnis zwischen den Absichtserklärungen der Großen Koalition und ihren Taten am Ende dieser Legislaturperiode aus?

Stiftung Aktive Bürgerschaft zeichnet fünf Schulen für ihre Verknüpfung von Engagement und Lernen aus

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Experten diskutierten aktuelle Trends von Service Learning

Berlin, 1. Juni 2017 – Schulisches Lernen und gleichzeitig Demokratie und Engagement fördern: Das geht mit der Lehr- und Lernmethode Service Learning. Für ihre besonders gute Umsetzung wurden gestern in Berlin fünf Schulen ausgezeichnet, die am Service-Learning-Wettbewerb der Stiftung Aktive Bürgerschaft teilgenommen hatten: die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe (Baden-Württemberg), die Heinz-Nixdorf-Gesamtschule in Paderborn (Nordrhein-Westfalen), die Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg (Niedersachsen), die Regenbogenschule in Stolberg (Nordrhein-Westfalen) und das Städtische Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden (Nordrhein-Westfalen). Die Auswahl traf eine unabhängige Fachkommission.

Fünf Laudatoren überreichten die Urkunden und würdigten die Leistungen der Gewinner-Schulen:

Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe (Baden-Württemberg)
Tanja Schuhen, Lehrerin am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Wiehl und Kommissionsmitglied des Service-Learning-Wettbewerbs, überreichte die Urkunde an die Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe und sagte in ihrer Laudatio: „Die Schule hat ein eigenes Unterrichtsfach für Engagement eingerichtet und steht für eine starke und auf Dauer angelegte Verankerung von Service-Learning und Schule als Lebensort.“

Heinz-Nixdorf-Gesamtschule in Paderborn (Nordrhein Westfalen)
Der Heinz-Nixdorf-Gesamtschule in Paderborn überreichte Günter Vogt, Mitglied im Vorstand der Stiftung Aktive Bürgerschaft und stellv. Vorstandsvorsitzender der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold eG, die Urkunde und sagte: „Die Gesamtschule hat von Anfang an Service Learning in ihre Aktivitäten und ihr Selbstverständnis aufgenommen. Das Kollegium hat dies stets weiterentwickelt und sich dabei mit außerschulischen Partnern vernetzt. Davon können alle profitieren.“

Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg (Niedersachsen)
Birgit Berendes, Schulleiterin a. D. der Sekundarschule Möhnesee und Kommissionsmitglied des Service Learning Wettbewerbs, hob in ihrer Rede bei der Urkundenübergabe hervor: „Die IGS Kreyenbrück überzeugt durch die Verankerung von Service Learning in einem eigenen Unterrichtsfach ‚Lernen durch Engagement‘ und in Wahlpflichtkursen sowie die Einbindung weiterer ehrenamtlicher Aktivitäten in die Unterrichtszeit.“

Regenbogenschule in Stolberg (Nordrhein-Westfalen)
Werner Böhnke, Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Aktive Bürgerschaft und stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der DZ BANK AG sagte in seiner Laudatio über die Regenbogenschule, Stolberg: „In der sozialgenial-AG wechseln die Förderschüler die Rollen: Sie wirken in der Gesellschaft mit, statt nur Empfänger von Hilfe zu sein. Das stärkt die jungen Menschen und hilft ihnen auch bei anderen Aktivitäten.“

Städtisches Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden (Nordrhein-Westfalen)
Über das Städtische Johannes-Sturmius-Gymnasium Schleiden sagte Dr. Cornelius Riese, Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Aktive Bürgerschaft und Mitglied des Vorstands der DZ BANK AG: „Service Learning ist in der ganzen Schule Programm. Besonders beeindruckend ist die geschickte Anbindung an regionale und internationale Akteure, die mutig auch historisch und politisch herausfordernde Denkmäler, wie die von den Nationalsozialisten seinerzeit errichtete NS-Ordensburg Vogelsang, einbezieht.“

Service Learning Förderkonferenz

Die Auszeichnung der Schulen fand am 31. Mai 2017 im Rahmen der 2. Service Learning Förderkonferenz der Stiftung Aktive Bürgerschaft in Berlin statt. Die fünf Schulen präsentierten ihre Konzepte und ihre Praxis dem dortigen Fachpublikum. Die Stiftung Aktive Bürgerschaft hatte zu dieser Veranstaltung Fachleute aus Bildungspolitik und -verwaltung eingeladen, ebenso Vertreter von Bildungsförderern aus Wirtschaft, Stiftungswesen und Verbänden. Die Aktive Bürgerschaft will mit dem Wettbewerb und der Veranstaltung auf das Innovationspotenzial von Service Learning für Bildung und Engagement aufmerksam machen und die Weiterentwicklung und Verbreitung des Konzeptes vorantreiben. Im Wettbewerb haben sich in diesem Jahr bundesweit 35 Schulen beworben.

„Schülerinnen und Schüler werden zukünftig über Kompetenzen verfügen müssen, die sich wesentlich von denen, die für frühere Generationen wichtig waren, unterscheiden“, sagte der Stiftungsratsvorsitzende der Aktiven Bürgerschaft Werner Böhnke bei seiner Begrüßung. „Junge Menschen werden sich flexibel und schnell auf unterschiedliche und komplexe Situationen einstellen müssen, nicht nur im Berufsleben, sondern auch in der Mitgestaltung der Gesellschaft. Sie werden mit dem, was sie gelernt haben, neue, heute noch unbekannte Fragen beantworten müssen. Es wird darauf ankommen, Wissen nicht nur einfach abrufen zu können, sondern es situativ anzuwenden und neu zu interpretieren. Die dafür nötigen Kompetenzen fördert Service Learning.”

Hintergrund

Service Learning ist ein Bildungskonzept, das bürgerschaftliches Engagement und Unterricht verbindet. Es fördert sowohl Bildung als auch Bürgerengagement und Demokratieverständnis. 2009 hat die Stiftung Aktive Bürgerschaft in Nordrhein-Westfalen das Service-Learning-Programm „sozialgenial – Schüler engagieren sich“ gestartet. Bislang haben sich über 80.000 Schülerinnen und Schüler aus 600 Schulen im Rahmen von sozialgenial in 2.000 Projekten engagiert. sozialgenial wird gefördert von der DZ BANK AG und weiteren Genossenschaftsbanken.

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt sozialgenial seit dem Programmstart. Seit 2017 gibt es sozialgenial auch in Hessen mit Unterstützung des Landes. Die Zusammenarbeit entstand als Folge der 1. Service Learning Förderkonferenz im Jahr 2015.

Weitere Informationen über die Gewinnerschulen und den Service-Learning-Wettbewerb: www.sozialgenial.de/service-learning-wettbewerb

Fotos von der Veranstaltung stehen kostenfrei für redaktionelle Zwecke zum Download bereit: https://www.flickr.com/gp/aktive_buergerschaft/HDYH41

 

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Gastkommentar: Ringen um die Rolle in der Gesellschaft – Eindrücke von der Konferenz der kanadischen Bürgerstiftungen

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von Michael Alberg-Seberich, Toronto

Kanada ist aktuell in Feierlaune. Das Land im Norden des amerikanischen Kontinents begeht im Jahr 2017 seinen 150. Geburtstag als eigenständige Nation. Dieser Geburtstag wurde von den Bürgerstiftungen in Kanada auch auf deren Tagung vom 11. bis 13. Mai 2017 in Ottawa gefeiert. Was dabei überrascht ist, wie gedankenvoll der unabhängige Verband der Bürgerstiftungen Kanadas, die Community Foundations of Canada (CFC), das Jubiläum bestreitet. Die Bürgerstiftungen verstehen sich als Bewegung vor Ort, die aktiv zur Identität des Landes beitragen will.

In Kanada gibt es inzwischen mehr als 191 Bürgerstiftungen.

Gastkommentar: Ohne politischen Arm – die türkische Zivilgesellschaft nach dem Referendum

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von Anil Al-Rebholz, Istanbul

Die Machtkonzentration des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seiner Partei AKP in der Türkei schreitet voran. Am 16. April 2107 wurde durch ein Referendum eine grundlegende verfassungsrechtliche Änderung in der Türkei mit 51,4 Prozent zu 48,6 Prozent vom Volk mit einem „Ja“ befürwortet. Was ist in der Periode danach auf der Ebene der politischen Gesellschaft und der zivilen Gesellschaft passiert? Welche Auswirkungen hatte das in den vergangenen Wochen auf die türkische Zivilgesellschaft und die Menschen, die sich engagieren?

Bürgerstiftungen sind besonders attraktiv für Stifter

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Sie können auch der richtige Partner für viele kleine Stiftungen werden. Anlässlich des am 17. Mai 2017 beginnenden Deutschen Stiftungstages appelliert die Aktive Bürgerschaft an den Gesetzgeber, die Zulegung von Stiftungen unbürokratisch zu ermöglichen

Berlin, 16. Mai 2017 – Der Begriff der „notleidenden Stiftungen“ macht seit einiger Zeit die Runde. Viele kleine Stiftungen sind aufgrund niedriger Zinsen und fehlender Unterstützung nicht mehr in der Lage, alleine ihre Zwecke zu verfolgen. Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht hat in ihrem Abschlussbericht vorgeschlagen, die Auflösung, Zulegung und Zusammenlegung von Stiftungen bundeseinheitlich zu regeln und zu erleichtern.

Die Stiftung Aktive Bürgerschaft spricht sich in ihrer Stellungnahme zum Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht dafür aus, dass der Gesetzgeber hier aktiv wird.

“Bürgerstiftungen können für kleine Stiftungen attraktive Partner auf Augenhöhe sein”, sagt Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer der Stiftung Aktive Bürgerschaft. “Stifterwille und Stiftungszweck bleiben so weit wie möglich bei einer Zulegung erhalten und profitieren vom Netzwerk der Bürgerstiftung. Und die Bürgerstiftungen gewinnen einen Partner zur weiteren Erfüllung ihrer breiten Stiftungszwecke.”

Die Hürden für eine Zulegung sollten möglichst niedrig gehalten und so weit wie möglich in die Verantwortung der Gremienmitglieder der betroffenen Stiftungen gelegt werden. Anstelle einer grundsätzlichen Genehmigungspflicht sollten die Stiftungsbehörden ihre Zustimmung nur in begründeten Ausnahmefällen versagen dürfen, fordert die Aktive Bürgerschaft.

Bürgerstiftungen sind attraktiv für Stifter

Seit 20 Jahren gibt es Bürgerstiftungen in Deutschland. Inzwischen sind es rund 400. Zwischen Rendsburg und Garmisch-Partenkirchen, Dresden und Aachen fördern sie auf lokaler oder regionaler Ebene gemeinnützige Projekte oder führen sie selbst durch. Etwa 50.000 Menschen engagieren sich als Stifter oder Spender oder ehrenamtlich in Gremien und Projekten. Mit mehr als 100 Millionen Euro haben Bürgerstiftungen bislang Bildungsprojekte, Integrationsmaßnahmen, Kulturveranstaltungen und andere Projekte gefördert. Ihr Stiftungskapital beträgt über 334 Millionen Euro.

Bürgerstiftungen unterstützen auch das Engagement von Stifterinnen und Stiftern und ermöglichen es ihnen, eigene Ideen unter dem Dach der Bürgerstiftung zu verwirklichen. Über 650 Treuhandstiftungen, Stiftungsfonds und auch rechtsfähige Stiftungen werden durch Bürgerstiftungen verwaltet. Jährlich wird trotz anhaltender Niedrigzinsphase an Bürgerstiftungen deutlich mehr gestiftet als gespendet.

Stiftung Aktive Bürgerschaft

Die in Berlin ansässige Stiftung Aktive Bürgerschaft ist das Kompetenzzentrum für Bürgerengagement der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Sie fördert bürgerschaftliches Engagement und unterstützt die Bürgerstiftungen in Deutschland bei Managementaufgaben, Projekten und der Gewinnung von Stiftern und Ehrenamtlichen. Mit dem Service-Learning-Programm sozialgenial bietet sie außerdem ihr Know-how Schulen an, um junge Menschen frühzeitig an ehrenamtliches Engagement heranzuführen.

Hintergrundinformationen

Stellungnahme der Stiftung Aktive Bürgerschaft vom April 2017 zum Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Stiftungsrecht.

Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe „Stiftungsrecht“ an die Ständige Konferenz der Innenminister und –senatoren der Länder.

Zahlen und Fakten über die Entwicklung der Bürgerstiftungen in Deutschland

Das Buch „Wir Bürgerstifter“, herausgegeben von Stefan Nährlich und Gudrun Sonnenberg, porträtiert Menschen, die sich in einer Bürgerstiftung mit Geld und Zeit engagieren und zeigt, was sie zu ihrem Engagement bewegt.

 

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So gelingt die Integration: Ehrenamtliches Engagement für Geflüchtete ausgezeichnet

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Staatssekretärin Sawsan Chebli: “Danke an alle Bürgerstiftungen in Deutschland!”

Berlin, 03.05.2017 – Wie gelingt Integration? Diese Frage beschäftigte heute Abend die Teilnehmer der Förderpreisverleihung der Stiftung Aktive Bürgerschaft. 400 engagierte Bürger, Politiker, Künstler, Wirtschaftsvertreter und Fachleute kamen im Forum der DZ BANK AG am Brandenburger Tor in Berlin zusammen, wo die Bürgerstiftungen Jena und Kehl für ihr Engagement für Geflüchtete mit dem Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2017 ausgezeichnet wurden.

Die Bürgerstiftung Kehl erhielt den Preis, weil sie Partner aus der lokalen Wirtschaft dafür gewinnen konnte, ihr Projekt „Integration von Flüchtlingen – Qualifizierung junger Männer“ erfolgreich umzusetzen. Die Bürgerstiftung Jena fördert nicht nur das Engagement in der Flüchtlingsarbeit, sondern unterstützt auch Geflüchtete und Migranten darin, sich selbst ehrenamtlich zu engagieren. Beide Bürgerstiftungen erhalten ein Preisgeld von je 10.000 Euro. Für ihr Engagement und die im Wettbewerb eingereichten Ideen und Projekte wurden auch die Bürgerstiftungen aus Braunschweig, Haltern, dem Tecklenburger Land und Vorpommern gewürdigt. Sie erhalten eine Zuwendung von je 5.000 Euro. Insgesamt ist die Auszeichnung mit 40.000 Euro dotiert.

Die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung aus der Baden-Württembergischen Landesregierung, Gisela Erler, und der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) als Schirmherr der Stiftung Aktive Bürgerschaft, Uwe Fröhlich, würdigten in ihren Laudationes das Engagement der Bürgerstiftungen als vorbildhaft.

„Menschen zu helfen, selbst aktiv werden zu können, ist auch ein zutiefst genossenschaftlicher Ansatz. Wenn sich Bürgerinnen und Bürger aus eigener Initiative und ehrenamtlich für das Gemeinwesen vor Ort engagieren, verdient das unsere Unterstützung“, so Uwe Fröhlich.

Gisela Erler betonte in ihrer Laudatio: „Mit einer gelungenen Integration, die natürlich nicht von heute auf morgen zu leisten sein wird, stärken wir uns selbst. Wir belegen die Überlegenheit eines demokratischen Verfassungsstaates, der die Standards internationaler menschenrechtlicher Verträge einhält.  Und wir können neue Talente und junge Arbeitskräfte gewinnen, die wir immer dringender brauchen.“

Sawsan Chebli und Peter Frey diskutieren über Engagement und Integration

Zu den Themen Engagement und Integration führte Dr. Holger Backhaus-Maul, Vorstandsmitglied der Stiftung Aktive Bürgerschaft, eine Gesprächsrunde mit Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement in Berlin, und Dr. Peter Frey, Chefredakteur des ZDF. Beide sind bekannt dafür, in der Debatte um gelingende Integration deutlich Position zu beziehen.

„Die Integrationsdebatte wird uns in Politik und Gesellschaft noch jahrzehntelang begleiten. Die Bürgerstiftungen Jena und Kehl sind gelungene gesellschaftliche Beispiele für Engagement und Miteinander und werden hoffentlich durch solche Ehrungen wie den Förderpreis Aktive Bürgerschaft dazu ermutigt, ihre wichtige Arbeit weiterhin zu leisten”, meint Dr. Peter Frey zum Engagement der Preisträger.

Sawsan Chebli sagt: „Das Wichtigste ist, dass wir als Gesellschaft insgesamt das tun, was uns Tausende Freiwillige mit ihrem Engagement vorleben: offen sein für Begegnung, Anteil nehmen am Schicksal der Geflüchteten, gezielt helfen. Und dann vor allem: Chancen geben – durch Bildung und Arbeit! Wenn uns das gelingt, dann werden aus Geflüchteten Nachbarn, Kollegen, Staatsbürger unseres vielfältigen Landes. Auf dieses Ziel sollten wir gemeinsam hinarbeiten: Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Danke an alle Bürgerstiftungen in Deutschland, die dazu ihren Beitrag leisten!“

Dr. Holger Backhaus-Maul hob hervor: „Integration ist ein wechselseitiger Prozess zwischen Wohnbevölkerung und Zugewanderten, der kulturelle Bereicherung bedeutet. Bürgerstiftungen bieten hervorragende Gelegenheiten für diese wechselseitige Integration vor Ort.“

Die Stiftung Aktive Bürgerschaft feierte ihr 20-jähriges Jubiläum

Im Rahmen der Veranstaltung blickte die Stiftung Aktive Bürgerschaft auf ihre 20-jährige Geschichte zurück. Werner Böhnke, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der DZ BANK AG und Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Aktive Bürgerschaft, sagte einleitend in seiner Begrüßung: „Vor 20 Jahren haben tatkräftige Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit genossenschaftlichen Unternehmen die Aktive Bürgerschaft aus der Taufe gehoben. Wir waren damals und sind auch heute der festen Überzeugung, dass bürgerschaftliches Engagement von herausragender Bedeutung für unser Land ist. Diese Bewegung professionell zu fördern, bleibt unser zentrales Anliegen. Gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern, Wirtschaft und Wissenschaft, Gesellschaft und Politik setzen wir uns für eine Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und der in diesem Sinne tätigen gemeinnützigen Organisationen zum Wohle unseres Landes ein.“

Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Aktive Bürgerschaft, ehrte Werner Böhnke  als langjährigen und tatkräftigen Förderer der Aktiven Bürgerschaft. Eine weitere Würdigung ging an Friedemann Walther, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Neukölln, stellvertretend für alle Mitglieder der ehrenamtlichen Jury des Förderpreises Aktive Bürgerschaft. Bei der Veranstaltung berichteten außerdem Karin Gruhlke vom Bürgerkomitee Südstadt e.V. aus Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, die 1998 den ersten Förderpreis gewann, und Vertreter der Bürgerstiftung Berlin-Neukölln, die 2004 mit der Auszeichnung gewürdigt wurden, über die aktuellen Herausforderungen ihrer Arbeit.

Hintergrund zum Wettbewerb 2017 und zur Stiftung Aktive Bürgerschaft

Um den Förderpreis Aktive Bürgerschaft 2017 konnten sich Bürgerstiftungen aus ganz Deutschland bewerben, die den „10 Merkmalen einer Bürgerstiftung“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen entsprechen. Eine unabhängige Jury aus Experten der Dritte-Sektor-Forschung, Vertretern erfolgreicher Bürgerstiftungen und Engagementförderern aus dem Genossenschaftswesen ermittelte die Preisträger. Der Förderpreis Aktive Bürgerschaft zählt zu den ersten Auszeichnungen für bürgerschaftliches Engagement in Deutschland.
Die in Berlin ansässige Stiftung Aktive Bürgerschaft ist das Kompetenzzentrum für Bürgerengagement der Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken. Sie fördert bürgerschaftliches Engagement und unterstützt die Bürgerstiftungen in Deutschland bei Managementaufgaben, Projekten und der Gewinnung von Stiftern und Ehrenamtlichen. Mit dem Service-Learning-Programm sozialgenial bietet sie außerdem ihr Know-how Schulen an, um junge Menschen frühzeitig an ehrenamtliches Engagement heranzuführen.

Informationen über die Preisträger, den Förderpreis und die Jury sowie über die Stiftung Aktive Bürgerschaft unter: www.aktive-buergerschaft.de/presse sowie unter www.aktive-buergerschaft.de/foerderpreis

Fotos von der Veranstaltung stehen ab 21.00 Uhr zum Download bereit: https://www.flickr.com/gp/aktive_buergerschaft/731k2L

 

 

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Kommentar: Der Zweite Engagementbericht: Ein nüchterner Blick auf die Zivilgesellschaft

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von Rudolf Speth

Jüngst ist der Zweite Engagementbericht der Bundesregierung veröffentlicht worden. Bei einer solchen Publikation merken alle auf, die sich in dem Bereich des bürgerschaftlichen Engagements bewegen, Forscher wie Praktiker. Geschrieben ist der Bericht von einer Sachverständigengruppe, bestellt wurde er von der Bundesregierung, die ihn, wie es sich für solche Berichte gehört, auch kommentiert hat. Mit seinen rund 600 Seiten ist er ein dickes Dokument der Politikberatung. So hoffen es wenigstens die Sachverständigen. Ob er tatsächlich bei der künftigen Engagementpolitik der Bundesregierung berücksichtigt wird, bleibt abzuwarten.

Zu lesen ist der Bericht in jedem Fall als ein Dokument der Beobachtung der Gesellschaft durch Experten, die sich schon lange mit dem bürgerschaftlichen Engagement und der Zivilgesellschaft beschäftigen. In dem Bericht haben sie ihre Beobachtungen von Entwicklungstrends verdichtet. Viele dieser Beobachtungen sind nachvollziehbar und werden die Diskussion langfristig beeinflussen. Da ist an erster Stelle ein Begriff zu nennen, der zunächst ganz unscheinbar daherkommt: Der Engagementbericht spricht von einer Vielfalt des Engagements. Die Gesellschaft sei vielfältiger geworden und mit ihr auch das Engagement.

Feierlicher Auftakt in das Jubiläumsjahr: “20 Jahre Aktive Bürgerschaft”

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Berlin, 28.04.2017 – Die Stiftung Aktive Bürgerschaft feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit einem besonderen Akt: Die Fassade der vom Star-Architekten Frank O. Gehry entworfenen DZ BANK am Brandenburger Tor in Berlin schmückt ab heute für eine Woche der Schriftzug „20 Jahre Aktive Bürgerschaft“. Am 3.5.2017 verleiht die Stiftung Aktive Bürgerschaft dort ihren gleichnamigen Förderpreis an zwei Bürgerstiftungen aus Jena und Kehl. „Die DZ Bank ist der Aktiven Bürgerschaft seit 20 Jahren eng verbunden und wir freuen uns besonders, die vielen Aktiven, Freunde und Partner der Stiftung Aktive Bürgerschaft am 3. Mai in unserem Haus am Pariser Platz begrüßen zu dürfen“, so Dr. Cornelius Riese, Mitglied des Vorstands der DZ BANK AG und Mitglied im Stiftungsrat der Aktiven Bürgerschaft.

Stiftung feiert Jubiläum

Die Aktive Bürgerschaft wurde im Jahr 1997 als Kompetenzzentrum der Genossenschaftlichen Finanzgruppe gegründet, um bürgerschaftliches Engagement zu fördern. „Vor 20 Jahren haben Genossenschaftsbanken als erste Unternehmensgruppe mit der Aktiven Bürgerschaft eine zivilgesellschaftliche Organisation ins Leben gerufen“, sagt Dr. Peter Hanker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung. „Ein Kompetenzzentrum für Bürgerengagement zu gründen und engagierte Bürgerinnen und Bürger in ihrem Engagement zu unterstützen, war eine vorausschauende und richtige Entscheidung. Auch in Zukunft braucht unser Land Engagement und Mitgestaltung seiner Bürgerinnen und Bürger, vielleicht mehr denn je“.

Um die Entwicklung bürgerschaftlichen Engagements zu fördern, setzt die Aktive Bürgerschaft gezielt Schwerpunkte und baut langfristige Programme auf.

So begann sie im Jahr 2000 ihr Programm zur Förderung von Bürgerstiftungen in  Deutschland. Heute unterstützt sie Ehrenamtliche in 400 Bürgerstiftungen bei Managementaufgaben, Projekten und der Gewinnung von Stiftern und Aktiven. Der Förderpreis Aktive Bürgerschaft, erstmals 1998 an Bürgerstiftungen verliehen, ist eine der ersten privaten Auszeichnungen in Deutschland für bürgerschaftliches Engagement. Mit ihm unterstützt die Stiftung Aktive Bürgerschaft innovative Entwicklungen bei Bürgerstiftungen und gibt einen wichtigen Impuls zur Stärkung der Anerkennungskultur.

2009 hat die Aktive Bürgerschaft das Service-Learning-Programm „sozialgenial – Schüler engagieren sich“ aufgebaut. Heute hilft die Stiftung Aktive Bürgerschaft Lehrerinnen und Lehrern an mehr als 600 Schulen in Nordrhein-Westfalen bei der Verknüpfung von Bürgerengagement und Unterricht. In diesem Jahr startet sozialgenial auch im Bundesland Hessen.

Seit 2008 informiert die Aktive Bürgerschaft mit ihrem Nachrichtendienst über Ereignisse und Entwicklungen der Bürgergesellschaft im In- und Ausland. „bürgerAktiv“ informiert 11 x pro Jahr, orientiert sich an journalistischen Standards und wird derzeit von rund 20.000 Fach- und Führungskräften aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Wissenschaft genutzt.

„In langfristigen Programmen denken und handeln zu können, kennzeichnet die Arbeit der Aktiven Bürgerschaft“, sagt Dr. Stefan Nährlich, Geschäftsführer der Stiftung. „Man braucht oft einen langen Atem, um innovative Ideen praxistauglich zu machen und mit Partnern umzusetzen“.

Hintergrund

Der gemeinnützige Verein Aktive Bürgerschaft wurde am 20. August 1997 in Münster (Westfalen) gegründet. Anfang 2002 erfolgte der Umzug nach Berlin. Am 10.12.2014 wurde die Stiftung Aktive Bürgerschaft rechtlich anerkannt. Sie setzt die Arbeit des Vereins nachhaltig fort. Die Stiftung finanziert ihre Arbeit aus Spenden der Genossenschaftlichen Finanzgruppe. Die Stiftung beschäftigt 14 Mitarbeiter in ihrer Geschäftsstelle in Berlin. Ein sechsköpfiger Vorstand verantwortet die Arbeit der Stiftung und wird unterstützt und kontrolliert durch einen 40-köpfigen Stiftungsrat. Schirmherr der Stiftung Aktive Bürgerschaft ist der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken. Die Stiftung Aktive Bürgerschaft arbeitet partnerschaftlich mit Unternehmen, Ministerien und öffentlichen Einrichtungen sowie gemeinnützigen Organisationen zusammen.

Hinweis an die Medienvertreter

Anfragen zu Fotos, Informationen zu den Bürgerstiftungen und Interviewpartnern können an Nora Loewenberg unter 030 / 24 000 884 gerichtet werden. Während der Förderpreisverleihung besteht die Möglichkeit zu Bild-, Video- und Tonaufnahmen.

 

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Kommentar: Im selben Boot – Gesellschaftliche Teilhabe von Engagierten und Geflüchteten

880 440 Stiftung Aktive Bürgerschaft

von Holger Backhaus-Maul

„Simsala BIM“ in Zeiten von Flucht und Zuwanderung: Innerhalb kürzester Zeit – quasi herbeigezaubert – ist das Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung der Humboldt-Universität zu Berlin (BIM) zu einem der vielversprechendsten neuen Forschungsinstitute in Deutschland geworden. Soeben hat das Institut seinen umfangreichen Forschungsbericht („Solidarität im Wandel?“) vorgelegt, der einen interessanten Überblick über die Breite und Tiefe der Untersuchungen des BIM zu Fragen von Integration und Migration gibt. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei zwei aufeinander aufbauende quantitative Studien zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit aus den Jahren 2015 und 2016, die jetzt mit einer ergänzenden qualitativen Teilstudie über die Vorstellungen und Erfahrungen von Engagierten in Flüchtlingsinitiativen komplettiert wurden.