BürgerStiftung Hamburg: Neues Handlungsfeld entwickelt

Erbschaften haben wesentlich zur Entwicklung der BürgerStiftung Hamburg beigetragen. Als größte Bürgerstiftung Deutschlands setzt sie extra Ressourcen für die Abwicklung von Nachlässen ein. Doch als einmal eine Erbschaft mit der Auflage verbunden war, sich für Umweltschutz zu engagieren, musste sich die BürgerStiftung Hamburg etwas einfallen lassen.

„Für uns sind Erbschaften sehr wichtig“, sagt Dagmar Entholt-Laudien, Vorstandsvorsitzende der BürgerStiftung Hamburg. „Unsere bedeutsamen Entwicklungsschritte verdanken wir einigen wenigen Zustiftungen. Die meisten davon waren Erbschaften.“

Umweltbildung aufgebaut

Die großen Erbschaften machten jeweils einen Vermögenszuwachs im zweistelligen Millionenbereich aus. So auch 2019 jene Zustiftung mit der Auflage, etwas für den Umweltschutz zu tun. Umwelt? Da war die BürgerStiftung Hamburg noch nahezu blank. „Wir haben dafür ein neues Handlungsfeld aufgebaut. Der Zweck war offen formuliert, sodass wir das Thema selbst zuschneiden konnten“, sagt Entholt-Laudien. Die Stiftung fokussierte es auf Umweltbildung und richtete einen Jugendumweltrat ein: Junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren können mit einem eigenen, von der Stiftung zugewiesenen Budget Klima- und Umweltschutzprojekte junger Menschen in Hamburg fördern. Um sich und andere schlau zu machen, planen sie zudem Exkursionen, Workshops oder Fachvorträge.

„Um so ein Themenfeld aufzubauen, braucht es natürlich genügend Mittel. Man muss Feldforschung betreiben, was für Angebote es schon gibt und was man mit einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand und Wirkung dauerhaft umsetzen kann“, sagt Entholt-Laudien. Da die Erbschaft in diesem Fall so groß war, kann die Bürgerstiftung den Zweck mit den jährlichen Erträgen verfolgen.

Zwei bis drei Erbschaften pro Jahr

Üblicherweise bewegen sich laut Entholt-Laudien die Erbschaften der BürgerStiftung Hamburg im niedrigen einstelligen Millionenbereich oder darunter. Zwei bis drei pro Jahr seien es im Durchschnitt. Um die Erblasser zu gewinnen, bietet die BürgerStiftung Hamburg eine Erbschaftsberatung an, die kostenlos ist, wenn die Ratsuchenden der Stiftung etwas hinterlassen wollen. Zurzeit entwickelt sie weitere Veranstaltungsformate für Interessenten.

Es kommen Teilnachlässe oder ganze Nachlässe bei der BürgerStiftung Hamburg an. Erbschaften, die nicht explizit als Zustiftung oder als Spende angeordnet sind, übernimmt sie je nach Bedarf als Spende oder Zustiftung. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich um die Betreuung des Nachlasses: Im Wesentlichen übernimmt eine die bürokratische Abwicklung, die andere die Organisation von Beisetzung und Wohnungsauflösung.

Menschliche Herausforderung

Wenn die Bürgerstiftung Alleinerbin ist, wird die Erbschaft zu einer sehr persönlichen Angelegenheit. Das ist auch eine menschliche Herausforderung. „Es kann durchaus schwierig sein, mit den privatesten Gegenständen eines Menschen konfrontiert zu werden“, sagt Entholt-Laudien. „Um dem Willen unserer Erblasser bestmöglich gerecht zu werden, legen wir großen Wert darauf, sie schon zu Lebzeiten kennen zu lernen und ein gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen zu haben. Meistens gelingt das auch.“

Zur BürgerStiftung Hamburg

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Anne Ackermann
Das Bild stammt aus dem Projekt greenKIDS Neuengamme, das von der BürgerStiftung Hamburg gefördert wird.

Der Beitrag ist Teil des Fokus Wenn Stiftungen erben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte November 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

, Ausgabe 272 November 2025, Fokus