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    Kommentar: Die „Alleskönner“ – Mythos Wirtschaft

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    von Holger Backhaus-Maul

    Die „deutsche“ Wirtschaft und ihre Unternehmen gelten mittlerweile vielerorts als Alleskönner. Sie sind eine geradezu ideale Projektionsfläche für Verantwortungszuschreibungen und zugleich für Schuldzuweisungen bei angeblich fehlender Verantwortungsbereitschaft. Letzteres scheint sich zunehmender Beliebtheit zu erfreuen und bringt bemerkenswerte Koalitionen hervor, die die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Geflüchteten fordern und von der CDU einer Julia Klöckner bis hin zu Bernd Riexingers Linken reichen.

    Zu dieser Mythenbildung tragen Unternehmen ihren Teil bei. Kaum hatte die Bundeskanzlerin ihr mittlerweile schon legendäres „Wir schaffen das“ verkündet, bekannten namhafte deutsche Unternehmen quasi ohne Atempause „Wir wollen das“. Fachkräftemangel, unbesetzte Ausbildungsstellen und demografischer Wandel wurden reflexartig als Begründungen aufgerufen.

    Aber meinten Bundeskanzlerin und Unternehmensvertreter dasselbe?

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    Kommentar: Gemeinnützigkeitsrecht: Ein politischer Streit

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    von Rudolf Speth

    Der Streit um das Gemeinnützigkeitsrecht geht weiter: Den Globalisierungskritikern von Attac wurde die Gemeinnützigkeit entzogen, weil sie sich zu politischen Themen wie der Einführung der Vermögenssteuer äußern; dem elitären Golfclub Wannsee in Berlin wird vorgeworfen, die Gemeinnützigkeit als Deckmantel zu nutzen, um Steuern zu sparen und ein Elitenetzwerk zu pflegen.

    Der Streit um das Gemeinnützigkeitsrecht ist ein politischer. Wer es schafft, das eigene Anliegen in die Auflistung der gemeinnützigen Zwecke im Paragraf 52 der Abgabenordnung zu platzieren, der kann daraus materielle und ideelle Vorteile ziehen. Er kann Steuern sparen und Spendenquittungen ausstellen und bekommt darüber hinaus den Nimbus, wertvolle Beiträge zum Gemeinwohl – was immer das auch ist – zu liefern. Sein Ansehen steigt, auch wenn manchmal völlig unklar ist, was denn das Gemeinnützige an der bevorteilten Aktivität sein soll.

    Das Gemeinnützigkeitsrecht muss reformiert werden – manche fordern gar, es ganz abzuschaffen, doch soweit wird es nicht kommen.

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    Kommentar: Ärzte ohne Geld?

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    von Stefan Nährlich

    „Aus Protest gegen die Abschottungspolitik der Europäischen Union wird Ärzte ohne Grenzen keine Gelder mehr bei der EU und ihren Mitgliedstaaten beantragen.“ Dies hat die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen am 17. Juni 2016 öffentlich bekanntgegeben. Auf mehr als 50 Millionen Euro verzichtet die gemeinnützige Organisation dabei. Das klingt nach gewaltig viel, ist aber vielmehr nur relativ gewaltig. Denn der aktuelle International Financial Reports von Ärzte ohne Grenzen für 2015 weist für die 21 großen und größeren Ländergesellschaften Gesamteinnahmen von 1,44 Milliarden Euro aus. Die Nichtregierungsorganisation ist ein Big Player – ein wirklich großer Akteur – und offensichtlich so professionell wie konsequent.

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    Kommentar: Der ADAC als Vorbild?

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    von Rudolf Speth

    Zweieinhalb Jahre, nachdem der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) mit Manipulationen und finanziellen Verflechtungen die Schlagzeilen beherrschte, hat der Club seine Verhältnisse geordnet. Diese Neuorientierung ist auf den ersten Blick geglückt, wenn sie auch bei weitem noch nicht realisiert ist. Erstaunlich ist, dass der ADAC weiter so potent dasteht wie vor dem Skandal. Die Mitgliederzahlen steigen weiter und der ADAC hat sich nicht zerlegt. Wie ist dies gelungen, und können andere Nonprofit-Organisationen davon lernen?

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    Kommentar: Bekannte Trends und gestiegene Engagementzahlen – der neue Freiwilligensurvey

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    von Gisela Jakob

    Soeben ist der 4. Freiwilligensurvey erschienen. Auf mehr als 600 Seiten präsentiert er personenbezogene Daten zum freiwilligen Engagement. Die Fortsetzung der Beobachtung vermittelt damit wertvolle Informationen zur quantitativen Entwicklung des Engagements in den letzten 15 Jahren.

    Zunächst überrascht der Freiwilligensurvey 2014 mit deutlich gestiegenen Engagementzahlen. Demnach ist das freiwillige Engagement in den letzten fünf Jahren von knapp 36 Prozent auf 43,6 Prozent gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung der Engagementquote in den letzten 15 Jahren um fast 10 Prozent.

    Auf den ersten Blick ist dies eine erfreuliche Entwicklung, die aber auch überrascht, weil es keine eindeutigen Erklärungen für diese Steigerungsraten gibt.

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    Gastkommentar: Sozialwissenschaftliche Berichterstattung zum Dritten Sektor in Deutschland: Bestandsaufnahme nach 25 Jahren

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     von Helmut Anheier

    Seit der ersten Phase des „Johns Hopkins Comparative Nonprofit Sektor Projects“ (1990- 1994; die Johns Hopkins Universität lässt die Vorarbeiten außen vor und datiert deshalb den Beginn des Projekts auf ihrer Webseite auf 1991) ist fast ein Vierteljahrhundert vergangen, und auch die zweite Phase (1995-1999) liegt weit zurück. Damals wurden systematisch Informationen zu wirtschaftlichen und sozialen Strukturdaten des Dritten Sektors gesammelt, analysiert und vorgelegt. Es handelte sich ja um einen empirisch kaum erschlossenen Sektor: Wirtschaftlich ging es vornehmlich um Arbeitsplätze, Kosten, Einnahmen und Bruttowertschöpfung; in sozialer Hinsicht um soziale Partizipation und bürgerschaftliches Engagement; und politikwissenschaftlich waren Fragen zur gesellschaftspolitischen Rolle des Dritten Sektors und seiner Strukturprinzipien zentral, beispielsweise die Subsidiarität.

    Zum ersten Mal konnten so die wesentlichen Merkmale des Dritten Sektors in Deutschland nicht nur erfasst, sondern auch international eingeordnet werden.

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    Kommentar: Zwischen Kooperation und Konkurrenz

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    von Gisela Jakob

    In den Debatten um eine Neuorganisation von Wohlfahrt sind die Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen und die Öffnung sozialer und kultureller Einrichtungen und Organisationen für bürgerschaftliches Engagement in den Fokus gerückt. Jetzt hat im Auftrag des Bundesfamilienministeriums die INBAS-Sozialforschung GmbH aus Frankfurt/Main eine Studie zu eben diesem Thema vorgelegt: “Kooperation von Haupt- und Ehrenamtlichen in Pflege, Kultur und Sport”. Sie ermittelt für die genannten drei Bereiche Daten zu den beruflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihren Tätigkeiten, untersucht deren Zufriedenheit, arbeitet verschiedene Modelle der Kooperation heraus und diskutiert Vorbehalte und Probleme in der Kooperation beider Gruppen. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden Instrumente und Verfahren vorgestellt und in einem gesonderten Praxisleitfaden präsentiert, um die Kooperation zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu verbessern.

    Als ein zentrales Ergebnis lässt sich der große Entwicklungsbedarf bezüglich einer stärkeren Einbindung von engagierten Bürgerinnen und Bürgern in hauptamtlich dominierten Arbeitsfeldern festhalten.

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    Kommentar: Gut gemeint, doch keine Lösung

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    von Rudolf Speth

    Das Oberlandesgericht Nürnberg hat im November 2015 in einem Urteil die Haftung von ehrenamtlichen Vorständen in Vereinen und anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen auf vorsätzliches Handeln beschränkt. Wer aus grober Fahrlässigkeit einen Schaden verursacht, der muss nun nicht mehr haften. Dies ist auf den ersten Blick eine gute Nachricht. Denn vielfach wird darüber geklagt, dass es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche für Vorstands- und Aufsichtsämter zu gewinnen. Viel zu groß und unüberschaubar seien die mit einem solchen Amt verbundenen Risiken. Die Bundesregierung hat deshalb schon mit mehreren Gesetzen – 2009 und 2013 – die Haftung für ehrenamtlich tätige Vereinsvorstände und andere ehrenamtlich tätige Mitglieder von Vereinsorganen begrenzt. Damit sollten das Ehrenamt gestärkt und mehr Menschen dafür gewonnen werden, Vorstands- und Leitungsämter zu übernehmen.

    Diese an sich erfreuliche Beschränkung der Haftung trägt jedoch nur dann dazu bei, mehr Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen, wenn zwei weitere Dinge beachtet werden.

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    Kommentar: Die mündige Schule

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    von Jutta Schröten

    Im Spätherbst 2015 ist das Thema „Schule und Wirtschaft“ durch den Blätterwald gerauscht. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat sich in seiner Geschichte „Die gekaufte Schule“ (Ausgabe 45/2015) dem Engagement von Unternehmen in Schulen gewidmet, mit teils martialischem Vokabular wie Kapitulation und Kampf, Unterwandern und Infizieren. Der Beitrag kritisiert einerseits den Lobbyismus heftig und aufgeladen, um dann andererseits ein seit Jahren von der Wirtschaft gefordertes Pflichtfach Wirtschaft für Schulen zu bemängeln. Die Berichterstattung zeigt ungeachtet auch berechtigter Kritik vor allem eines: Schulleitungen und Lehrkollegien werden maßlos unterschätzt.¬ Sie kommen in dem Beitrag gar nicht zu Wort. Weder wurde eine Schulleitung interviewt noch Eltern, die in Deutschland weitgehend freie Schulwahl haben und schon gar keine engagierte Schülervertretung.

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    Kommentar: Der Wunsch zu helfen reicht nicht!

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    von Gisela Jakob

    Unzählige Bürgerinnen und Bürger engagieren sich vor Ort mit Patenschaften, Sprachkursen, Begleitung bei Behördengängen und Arztbesuchen oder mit Geld- und Sachspenden für Flüchtlinge und Asylbewerber. Ohne dass die Kommunen oder staatliche Instanzen dazu aufgerufen hätten, ist eine Bewegung zur Unterstützung für Flüchtlinge entstanden, die vorher niemand erwartet hätte. Während staatliche Instanzen überfordert sind und Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern hin und her verschoben werden, versuchen bemerkenswert viele Bürgerinnen und Bürger mit den ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten Hilfe zu leisten. Sie setzen damit ein eindeutiges Zeichen gegen brennende Flüchtlingsunterkünfte und fremdenfeindliche Äußerungen, die es ja auch gibt.

    Die spontane Hilfsbereitschaft hat aber auch eine Kehrseite, die sich beim genaueren Blick auf die Situation vor Ort offenbart: Konflikte zwischen professionellen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Gruppen von Ehrenamtlichen und diverse Missverständnisse zwischen den freiwilligen Helfern und den Flüchtlingen.

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