Wie die Stiftung Aktive Bürgerschaft mit Vibe Coding ihr so-geht-sozialgenial-Portal entwickelt hat.
Die Stiftung Aktive Bürgerschaft hat Anfang 2026 für ihr Service-Learning-Programm sozialgenial mit Künstlicher Intelligenz (KI) ein neues Webportal entwickelt. Sie nutzte dafür den KI-Agenten Manus. Das Projekt zeigt, dass KI-gestützte Webentwicklung auch für gemeinnützige Organisationen eine realistische Option ist und gewinnbringend sein kann – wenn intern fachliche Steuerung, Prozessverständnis und Zielklarheit vorhanden sind.
von Stefan Nährlich 
Das Beispiel des sozialgenial-Mitgliederportals macht deutlich, dass der Mehrwert von KI in diesem Fall nicht nur in niedrigen Entwicklungskosten liegt, sondern dadurch auch neue Möglichkeiten für einen besseren Support der Zielgruppen entstehen. Gleichzeitig führt ihr Einsatz zu Zeitersparnissen durch Automatisierung.
Das neue Portal – so-geht-sozialgenial.de – bündelt Praxishilfen, Projektbeispiele, Community-Funktionen, Bestellmöglichkeiten sowie News und Veranstaltungshinweise für sozialgenial-Lehrkräfte an einer Stelle. Das Admin-Dashboard bietet Nutzer- und Contentverwaltung, Import- und Exportfunktionen, Vorlagen und verschiedene Features wie zertifizierte Community-Profile oder die Möglichkeit, gezielt Beta-Tester für neue Funktionen einzuladen. Für die Stiftung Aktive Bürgerschaft ist das neue Portal ein wichtiger Schritt, weil das bisherige WordPress-basierte Vorgängerportal die benötigten Funktionen nur sehr eingeschränkt abbilden kann.
KI-gestützte Webentwicklung kann auch für kleinere Vereine und Stiftungen funktionieren – wenn intern klar ist, was gebraucht wird
Das Projekt wurde bei der Aktiven Bürgerschaft nicht von einem klassischen Entwicklerteam umgesetzt, sondern im Kern lag die Arbeit beim Geschäftsführer der Stiftung, der die Anwendung mit der KI aufgebaut hat. Eigene Programmierkenntnisse lagen nicht vor, aber eine gewisse Affinität zur Digitalisierung, Praxiserfahrung aus der Steuerung kleinerer IT-Projekte, das Wissen um die Bedarfe der Zielgruppen und die Fähigkeit, Anforderungen in logische Prozesse zu transformieren.
Die Entwicklung verlief schrittweise im Dialog mit der KI – so wie es auch von anderen Chatbots bekannt ist. Bei diesem „Vibe Coding“ geben Nutzer in natürlicher Sprache Anweisungen, also Prompts. KI-Agenten erstellen dann daraus die Programmcodes. Bei der Aktiven Bürgerschaft wurden teilweise konkrete Arbeitsaufträge formuliert, teilweise ging es im Dialog mit der KI zunächst um die Frage, wie sich eine Anforderung am sinnvollsten lösen ließ. An einzelnen Stellen musste nachgebessert werden. Größere Sackgassen, aus denen zentrale Teile der Anwendung hätten zurückgebaut werden müssen, traten nicht auf.
Bei der Entscheidung für die Manus-KI war neben der Programmierfähigkeit der KI die integrierte Veröffentlichungsfunktion ausschlaggebend: Das Hochladen auf den Server erfolgt automatisiert über die Manus-Plattform, einschließlich Hosting, SSL-Zertifikat, SEO-Optimierung und Unterstützung für eigene Domainnamen. Das so-geht-sozialgenial.de Portal wird DSGVO-konform in Rechenzentren in der EU gehostet. Datenfluss und Datenspeicherung erfolgen verschlüsselt.
Aufwand, Kosten und Umfang der Programmierung
Die Entwicklung des Projekts erstreckte sich über 32 Arbeitssessions mit insgesamt 60 Stunden Programmierzeit an 20 aktiven Entwicklungstagen. Hinzu kamen Zeiten für die Ideenentwicklung und die grobe Planung des Projekts. Die Kosten beliefen sich auf 226 US-Dollar bei 15.732 verbrauchten Credits. Hinzu kommen Personalkosten, wodurch der Gesamtkostenaufwand natürlich höher liegt.
Das Portal basiert auf 43.000 Codezeilen, was etwa einem Buch mit 800 Seiten entspricht. Eingebaut sind 80 Backend-Endpunkte wie beispielsweise „Nutzer speichern“, „E-Mail versenden“ oder „News generieren“; außerdem 50 React-Komponenten wie beispielsweise Eingabefelder oder Menüpunkte sowie 20 Datenbanktabellen. Insgesamt entstand also eine umfangreiche und professionelle Cloudanwendung mit vernetzten Tabellen, mehrstufigen Workflows, Filterlogik, Validierung bei Massenimporten und rollenbasierten Freigaben. Das Portal kann mit den üblichen Browsern genutzt werden.
Im Vergleich zur klassischen Auftragsvergabe an einen externen IT-Dienstleister dürfte die Kostenersparnis bei über 90 Prozent liegen, während der Zeitaufwand aufgrund der umfangreicheren Vorarbeiten und Abstimmungen mit einem Dienstleister vergleichbar sein sollte. Die Dokumentation hat die KI erstellt, auch Teile der Schulung von Mitarbeitenden.
Die ersten Erfahrungen mit dem neuen Portal
Ob eine mit KI entwickelte Webanwendung trägt, entscheidet sich nicht allein im Entwicklungsprozess. Ausschlaggebend ist, ob sie die vorgesehenen Aufgaben löst, verlässlich funktioniert und im Alltag angenommen wird.
Getestet wurde das Portal in mehreren Schritten: Während der Entwicklung liefen fortlaufend Tests und Fehlerbehebungen im System. Dann kamen zwei reale Test-Nutzungsphasen: zunächst im Team, anschließend mit ausgewählten Personen aus der Zielgruppe. Dabei zeigten sich noch kleinere Fehler, etwa Prozesse, die zwar technisch vorhanden, aber noch nicht in einem Menü verankert waren.
Bei zwei Präsenzveranstaltungen wurde das Portal vorgestellt und sehr gut angenommen. Nach zwei Wochen verzeichnete das Portal bereits 100 registrierte und freigegebene Nutzer. Weder bei den Nutzern noch im Admin-Bereich sind bisher Fehler oder Probleme aufgetreten. Die Rückmeldungen sind meist positiv. Verbesserungsvorschläge betreffen unter anderem die optische Darstellung.
Was andere gemeinnützige Organisationen mitnehmen können
Das Beispiel der KI-gestützten Entwicklung eines Webportals bei der Stiftung Aktive Bürgerschaft liefert über den Einzelfall hinaus einige wichtige Erkenntnisse, für andere, auch kleine Vereine oder Stiftungen.
Vibe Coding kann:
- die Fähigkeiten einer gemeinnützigen Organisation erweitern, ihre Zielgruppen zu unterstützen, zum Beispiel im Schulungs- und Trainingsbereich, bei der Vernetzung oder beim Management von Angeboten,
- zu deutlich geringeren Kosten realisiert werden als durch IT-Dienstleister, wodurch sich oft erstmalig auch kleineren gemeinnützigen Organisationen entsprechende Potenziale der Digitalisierung erschließen,
- im Ergebnis zu Zeitersparnissen führen – einerseits durch die Automatisierung und andererseits durch mehr Eigenständigkeit auf der Nutzerseite, wenn die Nutzenden Anwendungsaufgaben wie beispielsweise die Verwaltung ihrer Daten selbst übernehmen.
Vibe Coding bedarf:
- einer guten Kenntnis des Nutzens und des Leistungsumfangs einer zu erstellenden Anwendung,
- der Fähigkeit, strukturierte und prozessorientierte Anforderungen an die KI zu formulieren sowie
- Zeit und Neugierde, neue Möglichkeiten der KI konkret auszuprobieren.
Der Beitrag ist Teil des Fokus KI – Was machen wir mit ihr und sie mit uns? der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte April 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.
Fotos: James Harrison/unsplash, Werner Kissel/Stiftung Aktive Bürgerschaft