FJNSB: Engagement in Ostdeutschland – Fußball

    Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika erscheint das Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen (Heft 2 – Juni 2010) zum Schwerpunkt “Fußball und Gesellschaftspolitik”. Sebastian Braun stellt “Thesen zum vereins- und verbandsorganisierten Fußball als zivilgesellschaftlichem Mitspieler” auf. Angesichts von Mitgliederschwund und Dienstleistungsorientierung drohe der Fußball seine Sozialisations-, Integrations- und Partizipationsfunktion zu verlieren. Die Fußballverbände und -vereine müssten ein zivilgesellschaftliches Leitbild entwerfen, so Braun, um ihren Wert als zivilgesellschaftlicher Akteur herauszustellen und “eine systematische staatliche Förderpolitik […] inhaltlich fundiert legitimieren zu können”. Mark Terkessidis untersucht das Verhältnis von Fußball, Kommerzialisierung und Migration. Neokoloniale und emanzipatorische Aspekte des internationalen Fußballs thematisieren Gerald Hödl, der die Auswirkungen der WM 2010 auf die soziale und politische Situation Südafrikas prognostiziert, und Kurt Wachter, der sich mit Fußball als entwicklungspolitischem Instrument in Afrika befasst.
    Der Sonderschwerpunkt “20 Jahre nach der friedlichen Revolution – ein Blick auf das bürgerschaftliche Engagement in Ostdeutschland” dokumentiert Zwischenergebnisse des Forschungsprojekts “Erinnerungskultur und Zivilgesellschaft in Ostdeutschland – Lokale Erfahrungen”. Es wurde von 2008 bis 2010 vom Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer gefördert und untersuchte Formen bürgerschaftlichen, nonkonformen Engagements in den 1980er Jahren in der DDR, die bislang kaum bekannt sind. Darüber hinaus widmeten sich die Wissenschaftlerinnen, die an den Forschungsverbund SoPro e.V. angedockt waren, der Entwicklung des Engagements nach 1990 und den Biografien der damals Aktiven.

    , Ausgabe 101 Mai 2010