Vier Jahre Krieg in der Ukraine und kein Ende in Sicht: Die ukrainische Zivilgesellschaft sei Rückgrat, Motor und Moderator der Demokratie und Resilienz der Ukraine, „auch und gerade im Krieg“, postuliert Dr. Susanne Worschech von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) im Forschungsjournal Soziale Bewegungen (FJSB, Jg. 39/2026, Heft 1). Gerade unter den Bedingungen des Krieges sei ihre Rolle für Demokratisierung und Rechtsstaatlichkeit gewachsen. Bereits vor 2022 hatte sie Aufgaben wie die Versorgung von Binnenflüchtlingen, Think-Tank-Koalitionen und auch die Unterstützung von Streitkräften übernommen; zudem etablierten sich professionell arbeitende Nichtregierungsorganisationen als Partner der internationalen Demokratieförderung, analysiert Worschech. Aktuell gehört die Ukraine laut World Giving Index zu den Ländern mit den höchsten Engagementquoten der Welt. Zahlreiche lokale Initiativen unterstützen formell oder informell den Wiederaufbau in kriegszerstörten Städten und Dörfern. Teilweise engagieren sich Bürgerinnen und Bürger auch als Unterstützer der ukrainischen Streitkräfte, beispielsweise führen sie als „Cybervolonteries“ koordinierte Angriffe gegen russische Server aus. Andere sammeln Daten über kriegsbedingte Umweltschäden. In den Kriegsjahren habe sich eine Art „civic entrepreneurship“ herausgebildet: „eine in ihrem Grundsatz unternehmerische, gewissermaßen klassisch-liberale Haltung, die sich aus Unternehmertum und Innovation, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die je eigene soziale Gemeinschaft und ein gewisses Misstrauen in staatliche Institutionen speist“, so Worschech. „Trotz nur semidemokratischer Institutionen konnte sich eine aktive, prodemokratische Zivilgesellschaft mit einem starken Selbstverständnis als Wächterin der Demokratie etablieren“, schreibt sie unter dem Titel „Aktivismus im Krieg: Entwicklung und Handlungsrepertoires der ukrainischen Zivilgesellschaft seit 2022“.
FJSB: Resilienz der ukrainischen Zivilgesellschaft
, Ausgabe 275 März 2026, Wissen