Kommunalwahl, Berufe-Forum, Barrierefreiheit – so engagieren sich die Schülerinnen und Schüler

sozialgenial setzt in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler an. Ausgehend von der Frage „Was kannst du gut, was anderen nützt?“ entwickeln sie eigene Ideen für Engagementprojekte und setzen sie selbst in die Praxis um. Das gehört zu den Standards von sozialgenial. Drei Beispiele aus Hessen zeigen, was in den Projekten entstehen kann.

 

Politiker eingeladen: Kommunalwahl-Arena in der Schule

Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen

Wie stehen die örtlichen Parteien zu Themen, die Jugendlichen in Bad Wildungen wichtig sind? Um das herauszufinden, interviewten 65 Elftklässlerinnen und Elftklässler am Gustav-Stresemann-Gymnasium in Bad Wildungen vor den hessischen Kommunalwahlen die Lokalpolitiker. In ihren Politik- und Wirtschaft-Kursen erarbeiteten sie zunächst einen Katalog mit Fragen zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, zu Plänen für ein Schwimmbad, nach dem Leerstand in der Stadt und zum Umgang mit der AfD. Diesen Katalog leiteten sie den im Stadtrat vertretenen Parteien zu. Anfang Dezember 2025 besuchten jeweils ein oder zwei Vertreter dieser Parteien (CDU, SPD, Freie Wähler, Grüne, FDP, Linke) einen der drei Kurse und stellten sich den Interviewfragen der Schülerinnen und Schüler.

Aufbereitung für Mitschüler und Jugendforum

Danach werteten die Schüler die Antworten der Parteienvertreter aus und bereiteten im Unterricht die Positionen der einzelnen Parteien kreativ und jugendgerecht auf – in Präsentationen, Videos, Podcasts, Flyern und interaktiven Formaten. Die Ergebnisse präsentierten sie der Oberstufe ihrer Schule sowie Schülerinnen und Schülern der Ense-Schule, einer Haupt- und Realschule in Bad Wildungen. Nach der Kommunalwahl am 15. März 2026 wurden die Ergebnisse auch auf den Social-Media-Kanälen der Schule und des Jugendforums Bad Wildungen veröffentlicht. So sollten sich die Parteien später an ihren Aussagen messen lassen können.

Das sozialgenial-Projekt fand in einem Orientierungskurs sowie in zwei Grundkursen im Fach Politik und Wirtschaft (PoWi) statt. Es griff das im Curriculum der PoWi-Orientierungskurse hinterlegte Bildungsziel „Hineinwachsen in die Gesellschaft – politische Sozialisation“ auf. Der Anstoß dazu war vom Jugendforum Bad Wildungen gekommen, das nach Wegen suchte, Jugendliche und junge Erwachsene für Lokalpolitik und politische Entscheidungsprozesse zu interessieren.

Die Mitarbeit im Projekt floss in die mündliche Note des PoWi-Kurses ein, zusätzlich erhielten die Schülerinnen und Schüler die sozialgenial-Zertifikate. Neben methodischen Kompetenzen haben sie das Wissen mitgenommen, etwas politisch bewirken zu können, sagt die Lehrerin Anja Henke: „Ich kann mich informieren, eine Position entwickeln, mich einsetzen und mitgestalten.“ Das Projekt wurde von der Aktiven Bürgerschaft als sozialgenial-Projekt des Monats März 2026 ausgezeichnet.

 

Perspektiven gesucht: Schüler organisieren Berufe-Forum

Heinrich-Heine-Schule Dreieich

Welcher Beruf passt zu mir? Was für Möglichkeiten gibt es überhaupt? Antworten auf diese Fragen bot das Berufe-Forum „meet and greet your future“, das Schülerinnen und Schüler des Service-Learning-Kurses der Heinrich-Heine-Schule in Dreieich gemeinsam mit der Kinder- und Jugendförderung der Stadt organisierten. Ziel der Veranstaltung war es, Schulabgänger aus den Dreieicher Schulen mit Unternehmen zusammenzubringen, die Ausbildungsplätze anbieten, und so ein niedrigschwelliges Informationsangebot zu schaffen.

Im Vorfeld übernahmen die Schülerinnen und Schüler zahlreiche Aufgaben. Sie telefonierten mit Unternehmen und luden diese zur Teilnahme ein, besuchten die Abschlussklassen der Dreieicher Schulen, verteilten Flyer und organisierten die Anmeldungen.

Fraport, Merck, DHL

Auch am Veranstaltungstag waren sie überall im Einsatz: Sie kauften Getränke und Snacks ein, kümmerten sich um Auf- und Abbau, verkauften Essensmarken und betreuten die Stände. An zahlreichen Ständen kamen die Besucherinnen und Besucher mit den Ausbildungsbetrieben aus unterschiedlichen Branchen ins Gespräch. Unternehmen wie Fraport, Merck, die Deutsche Post/DHL oder die Handwerkskammer informierten über Ausbildungswege, Praktika und berufliche Perspektiven. Ergänzt wurde das Angebot durch Workshops und individuelle Beratungen rund um Bewerbung, Lebenslauf und Bewerbungsfoto.

Die Heinrich-Heine-Schule ist eine Gesamtschule. Der Service-Learning-Kurs ist im Wahlpflichtbereich des Realschulzweiges verankert. Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 9 und 10 wählen das Fach mit drei Wochenstunden und bereiten ihr Engagement systematisch im Wahlpflichtunterricht vor, wobei Inhalte aus verschiedenen Unterrichtsfächern fächerübergreifend eingebunden werden. Die Jugendlichen planen, recherchieren und entwickeln eigene Projekte und gestalten ihr Umfeld aktiv mit. Das Berufe-Forum als eines dieser Projekte wurde 2026 bereits zum dritten Mal umgesetzt.

 

Lego-Rampe für Barrierefreiheit in der Stadt

Erich-Kästner-Schule in Langen

Die Schülerinnen und Schüler der Erich-Kästner-Schule in Langen kennen sich mit Barrieren im Alltag aus, denn viele von ihnen sind auf einen Rollstuhl angewiesen. Fragen wie „Funktioniert der Aufzug an der S-Bahn?“ oder „Wie kommen wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Frankfurt?“ gehören für die Schülerinnen und Schüler zum Alltag.

Im sozialgenial-Projekt haben zehn von ihnen eine Lego-Rampe für den barrierefreien Zugang zu einem Buchladen in ihrer Stadt gebaut. Außerdem prüften sie Gehwege, Eingänge zu Geschäften und öffentliche Toiletten in der Innenstadt von Langen auf Barrierefreiheit. Ihre Beobachtungen trugen sie in den digitalen Stadtplan für ein barrierefreies Langen ein. Mit dem Projekt knüpfte die Schule an Langens Rolle als Modellstadt für eine inklusive Innenstadt an und wollte auf spielerische Weise Bewusstsein für Teilhabe schaffen.

Umgesetzt wurde das Projekt in der Projektwoche im März 2026. Weil die Lego-Rampe aus gebrauchten Steinen gebaut werden sollte, rief die Stadt Langen in einer Pressemitteilung zu Lego-Spenden auf. Auf dem städtischen Wertstoffhof informierten sich die Schülerinnen und Schüler über Wiederverwertung und nachhaltige Materialnutzung.

Fachliche Unterstützung von der „Lego-Oma“

Fachlich unterstützt wurden die Kinder von der „Lego-Oma“ Rita Ebel aus Hanau, einer engagierten Bürgerin, die zusammen mit anderen Ehrenamtlichen bereits rund 150 Auffahrhilfen aus gebrauchten Legosteinen realisiert hatte. Sie zeigte den Schülerinnen und Schülern, wie sie eine tragfähige, stabile Rampe bauen konnten. Am Ende der Projektwoche wurde die neue Lego-Rampe vor dem Buchladen installiert und offiziell übergeben.

Die Erich-Kästner-Schule ist eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Ausflüge werden regelmäßig genutzt, um Mobilität im öffentlichen Raum zu üben und Selbstständigkeit zu stärken.

Mit dem Projekt erweiterten die Kinder nicht nur ihre handwerklichen, digitalen und sozialen Kompetenzen, sondern erlebten auch, dass sie ganz konkret etwas für die Langener Bevölkerung tun und ihrerseits Inklusion fördern konnten. Das Engagement war jahrgangsübergreifend organisiert. Es wurde im Zeugnis vermerkt und mit den sozialgenial-Zertifikaten gewürdigt. Die Stiftung Aktive Bürgerschaft zeichnete das Projekt als sozialgenial-Projekt des Monats Februar 2026 aus. Das Projekt wurde auch mit Mitteln aus dem sozialgenial hilft-Förderfond der Union Investment Stiftung unterstützt.

Text: Sonja Beckmann
Fotos: Stupp/Stadt Langen, Gustav-Stresemann-Gymnasium Bad Wildungen

Der Beitrag ist Teil des Fokus EINEN UNTERSCHIED MACHEN der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte August 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

, Ausgabe 280 August 2026, Fokus
Stiftung Aktive Bürgerschaft
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