Mitmachen für alle

Aufmerksamkeit ist der erste Schritt, um Menschen zum Mitmachen bei der Bürgerstiftung zu gewinnen. Doch dann braucht es gute Angebote und kalkulierbare Aufgaben. Ob Vorstand, Projekte oder Freundeskreis: Vier Bürgerstiftungen berichten, wie sie Freiwilligen den Einstieg ins Engagement und das Dranbleiben leicht machen.

 

Bürgerstiftung Braunschweig: Einfache Zugänge bieten

Von Katrin van der Veen, zuständig für die Ehrenamtlichen der Bürgerstiftung Braunschweig

Fast 700 Ehrenamtliche sind aktuell in der Bürgerstiftung Braunschweig aktiv. Seit der Gründung der Bürgerstiftung 2003 wächst die Beteiligung stetig. Ob in Projekten, Gremien, bei Veranstaltungen oder in der Geschäftsstelle – die Einsatzfelder für ehrenamtliches Engagement sind vielfältig.

Das Projekt „Radeln ohne Alter“ zählt derzeit die meisten Aktiven in der Bürgerstiftung Braunschweig: Mehr als 200 Menschen radeln in E-Rikschas Seniorinnen und Senioren durch die Stadt. Die roten Rikschas sind im Stadtbild sehr präsent, und von den Medien wird das Projekt regelmäßig aufgegriffen. Dadurch steigt das Interesse am Mitmachen. Auch Projekte wie das Trauercafé „Café Kränzchen“ oder das neu geschaffene „MitMachEck“ sorgen für Sichtbarkeit. Diese positive Ausstrahlung trifft zeitgleich auf eine hohe Nachfrage, denn insbesondere die verrenteten Babyboomer suchen nach einer sinnstiftenden Aufgabe. Oft kommen neue Ehrenamtliche auf Empfehlung.

Damit aus interessierten Menschen im nächsten Schritt Ehrenamtliche der Bürgerstiftung werden, sind niedrigschwellige Zugänge gefragt: Auf der Website der Stiftung gibt es detaillierte Informationen zu den einzelnen Ehrenämtern, außerdem ist eine digitale Anmeldung zur „Inforunde Ehrenamt“ möglich. In diesen unverbindlichen Runden informiere ich als Ehrenamtskoordinatorin über die Stiftung und die Beteiligungsmöglichkeiten. Die Erfahrung zeigt: Je konkreter die Aufgaben beschrieben werden, desto leichter fällt die Entscheidung.

Um die Ehrenamtlichen zu binden, finden regelmäßige Treffs in den einzelnen Projektgruppen statt, genauso wie Fortbildungen. Einmal im Jahr lädt die Bürgerstiftung Braunschweig außerdem alle engagierten Menschen ins Kino ein. So entsteht das gute Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

 

Bürgerstiftung Rottenburg am Neckar: Den Vorstand entlasten

Von Dr. Walter Hahn, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Rottenburg am Neckar

Eine zentrale Herausforderung für uns ist es, Ehrenamtliche für den Vorstand der Bürgerstiftung Rottenburg zu gewinnen. Deshalb haben wir die Vorstandsarbeit in den letzten Jahren neu organisiert. Der Knackpunkt: Die Arbeit ist jetzt limitiert, sodass die einzelnen Vorstandsmitglieder entlastet sind.

Der Vorstand beschränkt sich konsequent darauf, Entscheidungen zu treffen. Er bewilligt ein Projekt oder lehnt es ab, aber er führt es nicht selbst durch. Es gilt der Grundsatz: Ohne Projektteam kein Projekt. Bevor der Vorstand ein neues Projekt beschließt, muss klar sein, wer die Verantwortung übernimmt und es umsetzt – sonst geht es zurück an diejenigen, die es vorschlagen. Beschließt der Vorstand ein Projekt, arbeitet das Projektteam weitgehend selbstständig. Der Projektleiter oder die Projektleiterin kann Entscheidungen treffen, Ausgaben veranlassen und Rechnungen sachlich freigeben. So konnte die Bürgerstiftung deutlich mehr Projekte entwickeln, ohne dass die Vorstandsarbeit entsprechend zunahm.

Wir lagern auch spezielle fachliche Aufgaben aus dem Vorstand aus. Zum Beispiel haben wir die Integration neuer Stiftungen sowie Fragen der Vermögensanlage an qualifizierte Ehrenamtliche übertragen, die dafür entsprechende Vollmachten bekommen. Es muss nicht alle Fachkompetenz im Vorstand sitzen, sondern dort brauchen wir Menschen, die die Stadtgesellschaft kennen und gut vernetzt sind.

Dank unserer modularen Struktur können wir Wechsel von Personen und Zuständigkeiten leichter verkraften. Neue Menschen für den Vorstand gewinnen wir mit einer klaren Ansage zum Zeitaufwand: Sechs bis acht Sitzungen im Jahr, jede Sitzung dauert höchstens zwei Stunden. Gerade für berufstätige oder jüngere Menschen ist das wichtig.

 

Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland: Aktionstage als Türöffner

Von Nadine Höhn, Koordinatorin der Freiwilligenagentur der Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland

Wir suchen ständig Freiwillige, die sich ehrenamtlich bei der Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland und in der Region engagieren, und setzen dabei darauf, den Einstieg ins Engagement so leicht wie möglich zu machen.

Im Mittelpunkt stehen unsere Aktionstage. So rufen wir einmal im Jahr die Stadtbevölkerung auf, das Ufer der Saale von Müll zu befreien. Man kann spontan oder angemeldet kommen, einzeln oder als Gruppe. Beim letzten „Saale- PUTZ“ waren 500 Leute da – da wurde der Müll schon knapp! Oft ist diese erste positive Erfahrung der Türöffner. Viele kommen wieder, manche bringen beim nächsten Mal sogar neue Leute mit. Und manchmal wird auch ein dauerhaftes Engagement daraus.

Außerdem setzen wir auf Sichtbarkeit. Wir werben mit Plakaten, in Zeitungen, Stadtteilmedien, auf Social Media oder in der Straßenbahn. Wir beteiligen uns mit Infoständen an Veranstaltungen und Festen. Besonders erfolgreich ist unsere Beteiligung beim „Markt der Möglichkeiten“ an der Universität und beim Tag der Vielfalt, den die Stadt veranstaltet. Neu ist, dass wir einmal im Monat mit einer Engagementberatung direkt an der Universität präsent sind.

Es ist wichtig, immer wieder einfache Gelegenheiten zum Mitmachen zu schaffen. Denn die Bürgerstiftung Jena hat ein paar sehr erfolgreiche Projekte wie unsere Chancenpatenschaften für Geflüchtete und das „wellcome“-Projekt für Familien mit Neugeborenen – für beide gibt es lange Wartelisten mit Menschen, die Unterstützung benötigen.

Außerdem betreiben wir die Freiwilligenagentur in Jena, die Menschen auch an andere gemeinnützige Organisationen vermittelt. Für längerfristig Engagierte haben wir eine Weiterbildungsreihe, die allen Ehrenamtlichen in Jena offensteht.

 

Schwäbisch Haller Bürgerstiftung: 300 Freunde und Förderer

Von Margot Gropper, Vorsitzende des Kreises der Freunde und Förderer der Schwäbisch Haller Bürgerstiftung

Bei der Schwäbisch Haller Bürgerstiftung spielt der Kreis der Freunde und Förderer die zentrale Rolle, wenn es ums Mitmachen geht: So gut wie alle unsere Ehrenamtlichen kommen aus diesem Freundeskreis der Bürgerstiftung.

Er ist vor 20 Jahren aus dem Beirat der Bürgerstiftung hervorgegangen. Wir haben seither immer wieder mit Aktionen für die Bürgerstiftung getrommelt und weitere Mitglieder hinzugewonnen. Inzwischen sind es knapp 300 Freunde und Förderer. Sie engagieren sich sowohl mit ihren Mitgliedsbeiträgen für eine verlässliche Finanzierung der Bürgerstiftung als auch mit ihrer Zeit.

Mitmachen kann jede und jeder: Privatpersonen, Paare und Familien oder auch Unternehmen. Der Mindestbeitrag liegt bei 50 Euro pro Jahr, für Familien mit schulpflichtigen Kindern ist er auf 20 Euro reduziert. Im vergangenen Jahr kamen rund 18.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen zusammen, die die Bürgerstiftung mit ausschütten konnte.

Alternativ und natürlich auch zusätzlich können die Freunde und Förderer ihre Zeit spenden und zum Beispiel beim jährlich vor Himmelfahrt stattfindenden großen Kinderfest in Schwäbisch Hall unseren Stand betreuen. Zeitspender kümmern sich auch um unseren Adventskalender, den wir in einer Auflage von 7000 für 5 Euro pro Stück verkaufen.

Wer zu den Freunden und Förderern gehört, erhält regelmäßig einen Newsletter, der über die Aktivitäten der Bürgerstiftung auf dem Laufenden hält. Einmal im Jahr gibt es einen großen Empfang. Es bleibt zwar eine Herausforderung, die Bürgerstiftung bekannt zu machen. Trotzdem gewinnen wir immer wieder neue Mitglieder für den Freundeskreis hinzu. Er ist eine denkbar unkomplizierte Möglichkeit, bei der Bürgerstiftung mitzumachen.

Mitmachen bei Bürgerstiftungen
Bürgerstiftung finden
Zum bürgerAktiv Magazin 2026

Fotos: Marek Kruszewski/Bürgerstiftung Braunschweig, Bürgerstiftung Rottenburg, Stefan Riehmer Fotografie, freiraumfoto.de

Der Beitrag ist Teil des FOKUS 30 JAHRE BÜRGERSTIFTUNGEN der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte September 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

, Ausgabe 281 September 2026, Fokus
Stiftung Aktive Bürgerschaft
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