Bürgerschaftliches Engagement kommt in Schulen oft als Zusatzaufgabe daher, die der Vermittlung von Fachkenntnissen Zeit raubt. Doch das ist eine Frage des Konzepts. Mit dem Service-Learning-Ansatz von sozialgenial wird Engagement zum Pluspunkt für den Fachunterricht. Wie das geht, zeigte sich unlängst im Französischunterricht an der Martin-Luther-King-Gesamtschule in Dortmund.
So funktionierte der Einstieg in sozialgenial:
Andrea Seyb, Französischlehrerin an der Martin-Luther-King-Gesamtschule (MLKG), stieß durch das bürgerAktiv-Magazin der Stiftung Aktive Bürgerschaft auf sozialgenial und meldete sich anschließend zum Einsteigerseminar an. Die Schule wurde damit sozialgenial-Mitgliedsschule. Die Tools von sozialgenial werden an der MLKG unter anderem für die Entwicklung von Projekten für die Schulgemeinschaft oder im Stadtteil genutzt.
So lief das Projekt:
Im Schuljahr 2024/25 startete Seyb im Französischunterricht der Jahrgangsstufe 9 das sozialgenial-Projekt „Jung und engagiert – jeunes et engagés“. Es schöpfte die Möglichkeiten des Service-Learning-Ansatzes aus, das schulische Lernen mit gesellschaftlichem Engagement zu verbinden und dabei beides zu bereichern – die fachlichen Kompetenzen durch die Anwendung und Resonanz in der Praxis auf der einen Seite, das Engagement durch die fachliche Unterfütterung auf der anderen Seite.
Mit Anregungen aus den sozialgenial-Materialien – Seyb: „Ich habe sie wie einen Steinbruch genutzt und viele Ideen übernommen“ – startete die Lehrerin das Projekt. Ausgangspunkt war ein Kapitel im Französischbuch, in dem es um soziales Engagement von Stars ging. Die Schülerinnen und Schüler entwickelten dazu um den Jahreswechsel herum eigene Vorsätze. Wie realisiert man gute Taten? In Teams recherchierten sie zu Nichtregierungsorganisationen und sozialen Initiativen. Hier kam die Kooperation mit der französischen Partnerschule, dem Lycée Marcelin Berthelot im Pariser Vorort Pantin ins Spiel: Die Schüler bereiteten ihre Rechercheergebnisse jeweils für die Schüler aus dem Nachbarland auf und stellten sie sich gegenseitig in der anderen Sprache vor.
Höhepunkt von „Jung und engagiert – jeunes et engagés“ war eine gut vorbereitete Kursfahrt nach Frankreich mit vollem Programm. Die Schüler trafen und interviewten Freiwillige aus der gemeinnützigen französischen Organisation Secours populaire, arbeiteten bei der Tafel mit und veranstalteten Schminkaktionen für Kleinkinder.
Noch während der Fahrt schrieben Seybs Schülerinnen und Schüler Blogbeiträge über ihre Aktionen und machten Fotos. Daraus produzierten sie ein E-Book. In einer ergänzenden Unterrichtseinheit entwickelten sie Memes. Am Ende des Schuljahrs bekamen sie Urkunden aus Frankreich, und für Mai 2026 ist ein Gegenbesuch der Franzosen geplant.
So wirkte das Projekt:
Es gelang, was im fremdsprachlichen Schulalltag oft schwierig ist: Die Schülerinnen und Schüler fingen an, frei in der anderen Sprache zu sprechen. „Schüler, die im Unterricht schüchtern und zurückhaltend waren, kamen mit breitem Grinsen von ihrem Einsatz zurück“, berichtet Seyb über die Fahrt nach Frankreich. Dabei konnten sie sich nicht nur gut verständigen, sondern auch ihr Engagement ließ sich sehen: Schülerinnen, die in einem Supermarkt Spenden für die Tafel eingeworben hatten, waren so erfolgreich, dass die Tafel einen kleinen Lieferwagen schicken musste, um die Spenden abzuholen. Bei der Tafel beschloss man, häufiger jüngere Leute in der Spendenwerbung einzusetzen. Die französische Partnerschule startete anschließend ein eigenes Projekt mit der Hilfsorganisation.
Das Fazit:
Andrea Seyb empfiehlt ihr sozialgenial-Projekt zur Nachahmung: „Weil das das Leben ist und die Schülerinnen und Schüler nachhaltig etwas mitnehmen aus Schule“, sagt sie. „Ich bin mir sicher, dass man das in ganz vielen Fächern umsetzen kann. Man muss sich manchmal trauen, Sachen wegzulassen und sich überlegen, wie man es anders machen kann.“
Der Pluspunkt: Förderung aus dem sozialgenial-Fonds
Als sozialgenial-Mitgliedsschule konnte sich die Martin-Luther-King-Gesamtschule um eine Förderung aus dem sozialgenial-hilft-Förderfonds der Dortmunder Volksbank für die sozialgenial-Schulen in der Region bewerben. Sie erhielt eine Förderung von 500 Euro für das Schuljahr 2024/25, die sie teils für den Kauf von Materialien für die Aktionen in Frankreich verwendete und teils beim Gegenbesuch der französischen Schüler in Dortmund einsetzen wird.
Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Martin-Luther-King-Gesamtschule Dortmund
Der Beitrag ist Teil des Fokus WAS SCHULEN MIT SERVICE LEARNING ERREICHEN KÖNNEN der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte Januar 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.