Stefan Nährlich (rechts) und Gudrun Sonnenberg in der Rotunde im Alten Museum in Berlin. Foto: Ingo Wilhelm/Stiftung Aktive Bürgerschaft

Stiften und Spenden in der Antike

Dauerhaft Gutes tun und für das Gemeinwohl spenden: Das gab es schon in der Antike. Sechs Beispiele zeigen, was reiche Römerinnen und Römer sich einfallen ließen, um sich bei ihren Mitmenschen beliebt zu machen. Lesen Sie, wie römische Stifter Steuern sparten, wo in Wahrheit die erste Bürgerstiftung entstand und welche Rolle Frauen spielten.

Im Interview erklärt Autor Stefan Nährlich, wo die Verbindungen zur heutigen Welt der Nonprofits sind.

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„Damals hat sich das Stiften noch richtig gelohnt“

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Wie kommt man als promovierter Volkswirt dazu, sich mit Stiften und Spenden in der Antike zu befassen?

Mein Studienschwerpunkt waren Nonprofit-Organisationen  – ich habe ein Faible für Themen, die nicht Mainstream sind. Auf die Stifter der Antike bin ich zunächst zufällig gestoßen. Auf Reisen zu archäologischen Stätten, hier eine Inschrift, da ein Hinweis in einem Buch – irgendwann vor ein paar Jahren dachte ich, es läge nahe, mich näher damit zu beschäftigen, zumal ich aus der Aktiven Bürgerschaft berufliches Wissen mitbringe. Dann habe ich gesehen, dass Stiften im Römischen Reich eher die Regel als die Ausnahme war.

Waren das etwa bessere Menschen damals?

Das kann man nicht schlussfolgern. Vielmehr wurde es erwartet zu stiften oder zu spenden, wenn man zur Oberschicht in seiner Stadt gehörte. Die Reichen haben das auch eingesetzt, um ihre Karrieren zu befördern oder in politische Ämter gewählt zu werden. Das war nicht gerade der reine Altruismus.

Wir stehen in der Rotunde der Antikensammlung in Berlin zwischen 20 Skulpturen von antiken Göttern. Gibt es auch Stifter in diesem Museum zu sehen?

Nur einen! Man kennt ihn nicht namentlich, aber seine Statue ist als Spielgeber bezeichnet. Damit ist gemeint, dass er dem Volk Spiele, Gladiatorenkämpfe, Wagenrennen gegeben hat – als Profi in dem Bereich würde ich ihn zu den Spendern oder Sponsoren zählen. Wer mehr Statuen von antiken Stiftern oder Spendern möchte, sei auf Perge in der heutigen Türkei hingewiesen. Dort hatte die Stifterin Plancia Magna einen städtischen Platz verschönert und mit einem ganzen Ensemble von Statuen ausgestattet. Da kann man übrigens auch sehen, wie die Wohltätigkeit für den sozialen Status genutzt wurde – in dem Ensemble gesellen sich die Statuen von Göttern und Kaisern zu den Darstellungen Plancia Magnas und ihrer Familie. (Mehr über Plancia Magna lesen Sie hier.)

Was wurde denn üblicherweise gespendet und gestiftet in der Antike?

Man finanzierte den Bau einer Therme, eines Theaters, eines Tempels oder einer Brunnenanlage. Oder die Kolonnaden, die die Straße zum Marktplatz säumten. Also praktisch alles an Infrastruktur, was so eine römische Stadt brauchte. Und auch vieles von dem, was diese Orte mit Leben füllte, also eine Theateraufführung, Wagenrennen, Gladiatorenspiele – und dauernd Feste zu Ehren der vielen Götter und des Kaisers und seiner Familie. Mein Eindruck ist, dass die Römer weniger gearbeitet und mehr gefeiert haben.

Dann hat man vielleicht tatsächlich eine Stiftung gegründet für den Unterhalt einer öffentlichen Badeanlage und verfügt, dass der Eintritt am Tag der Stiftungsgründung oder des Geburtstags des Stifters kostenlos war und alle noch ein warmes Essen bekamen – aber auch, dass die Statuen des Stifters mit Lorbeerkränzen geschmückt wurden oder Blumen gestreut wurden. Damals hat sich das Stiften noch richtig gelohnt!

Gab es auch Bürgerstiftungen?

In dem Sinne, dass gemeinschaftlich gestiftet wurde: ja. Ein Beispiel ist die Brücke von Alcantara, wo die Bevölkerung aus verschiedenen Kommunen sich eine Brücke geleistet hat, um zusammen Handelswege zu erschließen. Und dass lokal gestiftet wurde, war ohnehin die Regel. Aber es hat natürlich nicht die Zweckvielfalt gegeben, die wir heute zu den wesentlichen Merkmalen von Bürgerstiftungen zählen. Man kannte ja damals auch keine Abgabenordnung.

Wie hat die Nonprofit-Branche bislang auf deine Veröffentlichung zum antiken Spenden reagiert?

Es haben sich tatsächlich Kollegen gemeldet, die sich auch mit der Antike beschäftigen und teilweise in entsprechenden Organisationen engagieren, von denen ich gar nicht wusste, dass wir ein gemeinsames Interesse haben!

Gäbe es mehr zu erzählen über das Stiften und Spenden in der Antike oder hast du das Thema mit deiner Auswahl einigermaßen erschöpfend behandelt?

Die Beispiele sind keine Einzelfälle. Ich habe versucht, die Vielfalt des damaligen Engagements zu zeigen. Es gäbe noch einiges mehr zu erzählen. Neulich fand ich einen dünnen Band aus den 2000ern, in dem die Satzungen ägyptischer Vereine in der frühen römischen Kaiserzeit untersucht wurden. In diesen Satzungen war vor allen Dingen geregelt, was passiert, wenn man seinen Mitgliedsbeitrag nicht bezahlte. Das scheint ein großes Problem gewesen zu sein. Vielleicht finde ich mal konkrete Regelungen einer antiken Stiftung und mache daraus eine moderne Satzung. Mal sehen, wie weit unsere heutigen Stiftungsbehörden mitgehen.

Die Fragen stellte Gudrun Sonnenberg.

Dr. Stefan Nährlich ist Geschäftsführer und Vorstandsmitglied der Stiftung Aktive Bürgerschaft. In seiner Freizeit widmet er sich der römischen Antike und betreibt dazu das viel gelesene Blog Das Erbe Roms.
Links im Bild: Der namenlose Spender – „Spielgeber“ – in der Antikensammlung des Alten Museums in Berlin.

„Die Beispiele sind keine Einzelfälle. Ich habe versucht, die Vielfalt des damaligen Engagements zu zeigen.“

Die sechs Beiträge über das Stiften und Spenden in der Antike erschienen zuerst in zweimonatlichen Abständen in der Zeitschrift Stiftung&Sponsoring, von Ausgabe 3/2025 bis 2/2026. Wir danken der Redaktion für die gute Zusammenarbeit.
Stiftung Aktive Bürgerschaft
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