Tu Gutes und lerne dabei

Arbeitgebersicht auf Service Learning: Mit sozialgenial entwickeln Schülerinnen und Schüler berufspraktische Kompetenzen und Verantwortungsbewusstsein. Kirsten Siersleben, Vorständin der Stiftung Aktive Bürgerschaft, erläutert, was Service Learning aus der Sicht von Unternehmen bewirkt und welche Kompetenzen für das Berufsleben besonders wichtig sind.

Von Kirsten Siersleben

Vor gerade einmal vier Jahren haben der damalige hessische Kultusminister R. Alexander Lorz und Cornelius Riese (Stiftungsratsvorsitzender der Aktiven Bürgerschaft und CEO der DZ BANK) gemeinsam die Albert-Schweitzer-Schule in Kassel als hundertste hessische Schule im Service-Learning-Programm sozialgenial der Stiftung Aktive Bürgerschaft begrüßt. Heute gibt es in Hessen bereits 153 sozialgenial-Mitgliedsschulen – was für ein Wachstum in so kurzer Zeit! Insgesamt haben sich seit 2009 an mittlerweile 1162 deutschen Schulen rund 160.000 Schülerinnen und Schüler in sozialgenial-Projekten engagiert, Tendenz steigend.

Cornelius Riese verwies damals auf die vielschichtigen Vorteile von Service Learning: „Die Kinder und Jugendlichen lernen frühzeitig, im Rahmen von sozialgenial-Projekten Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig erwerben sie dabei relevante Kompetenzen für ihr späteres Berufsleben. Einfach ein Gewinn für alle!“ Es ist exakt dieses „Win-win“, das den Erfolg von sozialgenial wesentlich begründen dürfte. Denn bei diesem Programm heißt es nicht so sehr „Tu Gutes und rede darüber“, sondern vielmehr „Tu Gutes und lerne dabei!“.

Dreierlei Nutzen

Aus Arbeitgebersicht lässt sich der Nutzen daraus konkret an drei Punkten festmachen. Erstens an den berufsrelevanten Kompetenzen: Unserer Erfahrung nach bringen junge Menschen bei einer Bewerbung heute oft gute digitale Skills und generell eine hohe Affinität zu neuen Technologien mit – eben echte „Digital Natives“! Etwas Nachholbedarf besteht hingegen öfters bei Themen wie Sorgfalt und Verbindlichkeit, Selbsteinschätzung, Teamfähigkeit und Lernbereitschaft.

Das setzt sich zweitens häufig fort bei den berufspraktischen Kompetenzen, die sich meist erst im Arbeitsalltag erweisen: Wie beschafft man sich notwendige Informationen? Wie kommuniziert man mit Vorgesetzten? Wie interagiert man mit Kolleginnen und Kollegen oder Kundinnen und Kunden? Auch hier bestehen teilweise Schwächen – verständlicherweise, denn so etwas vermittelt kein Schulbuch und keine App.

„Ein Gewinn für alle“

Als umso wertvoller erweisen sich daher sowohl der inhaltliche und methodische Kompetenzerwerb durch die sozialgenial-Projekte als auch die vielgestaltigen zwischenmenschlichen Erfahrungen, die damit einhergehen. Vermutlich nicht alle Heranwachsenden würden Schule freiwillig als Komfortzone bezeichnen – aber durch sozialgenial brechen sie eben doch zu noch einmal völlig neuen Ufern auf, meistern neue Herausforderungen und profitieren davon sehr, mit Blick auf alle oben genannten Kompetenzen.

Der dritte für uns relevante Punkt ist, dass Schülerinnen und Schüler durch sozialgenial eingeladen werden, noch stärker gesellschaftliche Verantwortung anzunehmen. Werte und Bildung, Umwelt- und Ressourcenschutz, Demokratie und Frieden sowie Integration und Teilhabe: Diese Themen bilden nicht nur die vier Handlungsfelder von sozialgenial, sondern spielen auch für uns Unternehmen und unsere gesellschaftliche Verantwortung eine immer größere Rolle. Auch hier entsteht eine Win-win-Situation: Zum einen wachsen junge Menschen noch besser zu mündigen und verantwortungsbewussten Staatsbürgern heran, zum anderen bereichern sie damit später die Unternehmenskultur ihrer Arbeitgeber. Eben ein Gewinn für alle. Wir sagen: Bitte weiter so!

Dr. Kirsten Siersleben ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung Aktive Bürgerschaft. Sie leitet das Generalsekretariat der DZ BANK AG, die das Programm sozialgenial langjährig unterstützt, und ist Geschäftsführerin der DZ BANK-Stiftung.

Foto: Norbert Miguletz

Der Beitrag ist Teil des Fokus Lernen fürs Leben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte August 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

 

Ausgabe 269 August 2025, Fokus