Turbulenzen um Trikotwerbung

Heftige Proteste bei Fans und Tierschützern hat der Vertrag des Bundesliga-Fußballvereins Werder Bremen mit dem Geflügelproduzenten Wiesenhof hervorgerufen. Für jährlich 5 bis 8 Millionen Euro sollen die Spieler in den kommenden zwei Jahren den Wiesenhof-Schriftzug auf den Trikots tragen. Wiesenhof ist mehrfach wegen Tierquälerei und Hygieneproblemen in die Schlagzeilen geraten. In Internetforen und bei Facebook protestierten tausende Menschen gegen den Sponsorenvertrag. Der grüne Umweltpolitiker Jürgen Trittin, „Umweltbotschafter“ des Vereins, trat wegen der Trikotwerbung zurück.
Ein anderer Eklat droht am 15. September 2012. Alle Bundesligavereine sollen an diesem Tag auf die Trikots mit dem Sponsorenschriftzug verzichten und als Zeichen gegen Rassismus und Fremdenhass statt dessen Trikots mit dem Aufdruck „Geh deinen Weg“ verwenden, ein Slogan der Stiftung Integration. Hauptsponsor dieser Kampagne: Die Deutsche Telekom, deren Logo normalerweise auf den Trikots des FC Bayern München prangt. Prompt wurde Kritik laut, nun werde an diesem Tag die Deutsche Telekom als einziger Sponsor doch präsent sein können. Über ihre Teilnahme haben noch nicht alle Sponsoren entschieden.
Mit der Trikotwerbung verdienen viele große Vereine Millionenbeträge. Eine der wenigen Ausnahmen war jahrelang der spanische Erstligist FC Barcelona. Seine Trikots hatten nur das Emblem des UN-Kinderhilfswerks UNICEF, das der Verein mit jährlich 1,5 Millionen Euro unterstützte. Seit 2010 allerdings werben auch die Barca-Trikots, und zwar für stolze 30 Millionen Euro pro Jahr für die Qatar Foundation. Einen eigentlich unfreiwilligen Verzicht übt derzeit der österreichische Bundesligist SC Wiener Neustadt: Mangels eines Brustsponsors wirbt er karitativ für die „Hilfe für Schmetterlingskinder“ des gemeinnützigen Vereins DEBRA Austria.

, Ausgabe 126 August 2012
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