„Wir hätten sie am liebsten dabehalten“

Was kannst du gut, was anderen nützt? Wer jung ist, muss sich ausprobieren, um diese Frage zu beantworten. Schülerinnen und Schüler der Technische Oberschule an der berufsbildenden Carl-Engler-Schule in Karlsruhe haben im sozialgenial-Projekt ihre Kompetenzen entdeckt, weiterentwickelt und neue hinzugewonnen.

Planen, kalkulieren, umsetzen, optimieren, auswerten: So geht Projektmanagement, sei es im Unternehmen, sei es in politischen oder ehrenamtlichen Projekten. Für Elias Isaak Loos und Erkan Bolat war die Weiterentwicklung dieser Kompetenzen zentral bei ihrer ersten Erfahrung mit dem Bildungskonzept Service Learning, das Lernen und Engagement verbindet. Sie machten sie im Rahmen des Programms sozialgenial der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Herausforderung: Grundschüler für Klimaschutz begeistern

Die jungen Männer, beide Anfang 20, besuchen die Technische Oberschule an der berufsbildenden Carl-Engler-Schule in Karlsruhe, einer Mitgliedsschule im Programm sozialgenial der Stiftung Aktive Bürgerschaft. Im Rahmen des Projektunterrichts, in dem die Schülerinnen und Schüler ihr Fachwissen aus den Unterrichtsfächern Physik, Chemie und Gemeinschaftskunde einbringen, engagierten sie sich mit einem Klimaschutzprojekt. Es ging darum, Grundschülern das Thema Klima und Energie nahezubringen; es galt, das Fachwissen für Grundschüler aufzubereiten und auch selbst in einer Unterrichtseinheit zu vermitteln, zu der die Grundschüler in die Carl-Engler-Schule eingeladen wurden.

Die Projektgruppe ließ sich nicht lumpen

Die Projektgruppe dachte sich richtig was aus: Sie konzipierte und baute einen Parcours aus Experimentierstationen, an denen die Grundschüler altersgerecht erkunden konnten, wie Energieerzeugung funktioniert. Es gab zum Beispiel Windräder, die ein Leuchtmittel mit Strom versorgten, aber auch Versuchsanordnungen zu Solarenergie, Photovoltaik, Kohle- und Wasserkraft.

Dabei galt es, einige Schwierigkeiten zu überwinden. Loos und Bolat berichten von Durchhängern – „Am Anfang ist uns nichts eingefallen, wie wir den Unterricht gestalten könnten“ – und Lösungen: „Als wir uns eine Weile damit beschäftigt hatten, kamen uns die Ideen.“ Sie vertieften für das Projekt ihr Schulwissen über die Klima- und Energiethematik und eigneten sich dabei wissenschaftliche Zitier- und Arbeitsweisen an, wie im Lehrplan zu diesem Zeitpunkt vorgesehen. Bei der Aufbereitung nahmen sie didaktische Fachlektüre zu Hilfe. Als die Kleinen nahten, hatten die Oberschüler Sorge: Würde es gelingen, sie bei der Stange zu halten? Oder würden sie desinteressiert herumlärmen? Doch die gute Vorbereitung zahlte sich aus: Die Kinder waren von den ungewöhnlichen Lehrkräften äußerst angetan und ließen sich nur allzu gerne auf die Abwechslung vom üblichen Unterricht an ihrer Grundschule ein.

„Wir hätten sie am liebsten dabehalten“, sagt Bolat. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sie so unglaublich motiviert sein würden.“
„Man konnte auf ihren Gesichtern die Aha-Effekte beim Lernen sehen“, sagt Loos.

Kompetenzgewinn für die Oberschüler

Für sich selbst verbuchen sie Kompetenzgewinne in mehrfacher Hinsicht. Ein großer Teil davon betrifft Kommunikation: Trotz Vorerfahrungen aus der Arbeit mit Kindern in vorangegangener Ausbildung und im Verein war es für beide ein Aha-Erlebnis, in der Arbeit mit den Grundschülern zu erkennen, welch unterschiedliche Lernvoraussetzungen sie hatten, und zu erleben, dass sie selbst in der Rolle als Lehrende in der Lage waren, darauf einzugehen. Zudem haben sie viel darüber gelernt, wie man Kenntnisse erarbeitet, anschaulich aufbereitet und vermittelt. Darüber hinaus, sagen sie, haben sie auch ganz neue Kompetenzen entwickelt: zu organisieren, gut zu planen, Aufgaben sinnvoll im Team zu verteilen und den Zeitaufwand realistisch einzuschätzen.

„Insbesondere der Umgang mit Schwierigkeiten und Herausforderungen im Arbeitsprozess ist wichtig“, sagt dazu Maria Blatsiou, Bildungswissenschaftlerin mit langjähriger Erfahrung im Schuldienst und Programm-Managerin Service Learning bei der Stiftung Aktive Bürgerschaft. „So ein Projekt stärkt auch die Sozialkompetenz, denn es erfordert, Selbstverantwortung zu übernehmen und Empathie zu zeigen.“ Service-Learning-Projekte bringen das fachliche Wissen mit den sozialen und persönlichen Kompetenzen zusammen, meint Blatsiou: „So können die jungen Menschen ihre Persönlichkeit entfalten und weiterentwickeln. Das schafft Selbstvertrauen.“

Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Werner Kissel/Stiftung Aktive Bürgerschaft

Der Beitrag ist Teil des Fokus Lernen fürs Leben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte August 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.

Ausgabe 269 August 2025, Fokus