Die Volksbank Stuttgart unterstützt elf Bürgerstiftungen in der Region, etliche von ihnen hat sie initiiert. Vorstandsmitglied Oliver Grötsch erläutert, wie die Zusammenarbeit funktioniert und warum sich das Engagement über die Jahre für beide Seiten gelohnt hat.
bürgerAktiv Viele Bürgerstiftungen in der Region sind auf Initiative der Volksbank Stuttgart gegründet worden. Was hatte die Volksbank vor?
Oliver Grötsch Wir sind als Genossenschaftsbank tief in dieser Region verwurzelt und wollen nicht nur Finanzpartner sein, sondern auch ein Motor für gutes Zusammenleben vor Ort. Als wir begonnen haben, Bürgerstiftungen in der Region zu unterstützen, stand genau dieser Gedanke im Mittelpunkt: engagierten Menschen und Unternehmen vor Ort die Möglichkeit zu geben, ihre Stadt, ihren Stadtteil, ihr Dorf dauerhaft mitzugestalten.
Unser Ziel war es, die Gründungsphase zu erleichtern – Menschen zusammenzubringen, Stiftungskapital einzuwerben, rechtliche Fragen mit Partnern zu klären und ein Stück Sicherheit zu geben: „Ihr seid nicht allein, wir gehen diesen Weg mit euch.“ Das passt sehr gut zu unserem genossenschaftlichen Selbstverständnis: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele zusammen.
bürgerAktiv Haben sich diese Erwartungen erfüllt? Wie blicken Sie auf die vergangenen 20 Jahre zurück?
Oliver Grötsch Ja, unsere Erwartungen wurden eindeutig erfüllt – in mancher Hinsicht sogar übertroffen. Wenn ich heute auf die letzten Jahre schaue, sehe ich eine beeindruckende Vielfalt an Projekten: von Lesepaten an Schulen über Kultur- und Integrationsprojekte bis hin zu Umwelt- und Klimaschutzinitiativen. Viele dieser Projekte hätte es ohne die Bürgerstiftungen schlicht nicht gegeben.
„Das Modell Bürgerstiftung ist robust, wenn viele Menschen dahinterstehen“
Besonders freut mich, dass die Stiftungen vor Ort ein eigenes Profil entwickelt haben. Sie sind längst nicht mehr „Bank-Projekte“, sondern eigenständige, lebendige Akteure in der Zivilgesellschaft. Natürlich gab es unterwegs auch Durststrecken – etwa Phasen, in denen Spenden zurückgingen oder die ehrenamtlichen Kräfte knapp waren. Aber gerade dann hat sich gezeigt, wie robust das Modell Bürgerstiftung ist, wenn viele Menschen dahinterstehen.
bürgerAktiv Welche Herausforderungen gab es auf diesem Weg?
Oliver Grötsch Am Anfang mussten wir oft das Konzept der Bürgerstiftung erklären: Schon mit einem überschaubaren Betrag können Sie Stifterin oder Stifter werden. Sie können mitreden, wofür das Geld eingesetzt wird. Und: Das Stiftungskapital bleibt dauerhaft erhalten – es geht um langfristige Wirkung, nicht um schnelle Effekte.
Eine zweite Herausforderung war, ausreichend Ehrenamtliche zu finden, die sich nicht nur für einzelne Projekte begeistern, sondern bereit sind, Verantwortung in Gremien zu übernehmen – im Vorstand, im Stiftungsrat, in Projektgruppen. Das ist anspruchsvoll, denn viele Menschen sind beruflich stark eingebunden. Hier haben wir als Bank mit unserem Netzwerk geholfen, Leute zusammenzubringen.
bürgerAktiv Wie arbeitet die Bank mit den Bürgerstiftungen zusammen?
Oliver Grötsch Wir unterstützen zum einen die Bürgerstiftungen finanziell – etwa durch Anschubfinanzierungen, Zustiftungen, Spendenaktionen mit unseren Kundinnen und Kunden oder durch gemeinsame Projekte. Zum anderen stellen wir unser Know-how zur Verfügung: Bei Fragen zu Vermögensanlage, rechtlichen Rahmenbedingungen oder zur Organisationsentwicklung sind unsere Fachleute Ansprechpartner. Wichtig ist uns, dass die Entscheidungen immer bei den Gremien der Bürgerstiftungen liegen – sie sind unabhängig, wir beraten und begleiten.
Eine dritte Ebene ist unser Netzwerk: Wir bringen Menschen ins Gespräch, die zusammenpassen – Unternehmerinnen, Vereine, Kommunen, Engagierte. Oft entsteht daraus mehr, als wir von der Bankseite allein hätten anstoßen können. Und nicht zuletzt beteiligen sich auch viele unserer Mitarbeitenden mit Herzblut persönlich als Spenderinnen, Stifter oder Projekt-Unterstützer.
„Ich wünsche mir noch mehr gemeinsame Projekte“
bürgerAktiv Möchten Sie an der Zusammenarbeit in der Zukunft etwas verändern?
Oliver Grötsch Ich wünsche mir noch mehr gemeinsame Projekte, bei denen nicht nur Geld fließt, sondern auch Kompetenzen und Netzwerke zusammenkommen. Und ich möchte bei uns eine stärkere Vernetzung organisieren. Kürzlich besuchte uns Dr. Nährlich von der Stiftung Aktive Bürgerschaft, und es haben sich unsere Regionaldirektoren versammelt, die sich in den Bürgerstiftungen engagieren. Dieses Treffen stieß an, dass wir uns intern mehr austauschen könnten: Gegenseitig erfahren, was die anderen machen, welche Projekte sie haben und was ihre Erfahrungen sind. Das sollte regelmäßig stattfinden. Gegebenenfalls kann man so einen Austausch auch in andere bankinterne Runden integrieren. Wir haben über unsere engagierten Mitarbeiter die Bürgerstiftungen ja quasi im Haus.
Das Interview ist eine gekürzte Fassung und in voller Länge im bürgerAktiv Magazin 2026/27 der Stiftung Aktive Bürgerschaft zu lesen.
Zum bürgerAktiv Magazin 2026/27
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Interview: Gudrun Sonnenberg
Foto: Ingo Wilhelm/Stiftung Aktive Bürgerschaft
Der Beitrag ist Teil des FOKUS 30 JAHRE BÜRGERSTIFTUNGEN der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte September 2026 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.