Neun Billionen Euro: So hoch ist laut Bundesbank das Vermögen aller Menschen in Deutschland. Gut ein Drittel davon – mehr als 3 Billionen Euro – dürfte in den vergangenen zehn Jahren vererbt worden sein, das wären rund 300 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Zahl stammt aus einer Schätzung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge für die Jahre 2015-2024. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostizierte 2017, dass bis 2027 jährlich rund 400 Milliarden pro Jahr vererbt würden.
Statistik auf Umwegen
Genaue Zahlen über Erbschaften gibt es nicht, da das Statistische Bundesamt und die Finanzämter nur steuerlich relevante Beträge melden. Die vielen Erbschaften, die unter den Freibeträgen liegen, werden so nicht erfasst. Deshalb lässt sich nur schwer beziffern, wie hoch der Anteil der Nachlässe ist, die an gemeinnützige Organisationen und Stiftungen vermacht wird.
Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) erstellte 2020 eine Statistik aus Zahlen von 230 Organisationen, die das DZI-Spendensiegel erhalten hatten (zuletzt veröffentlicht im DZI Spenden-Almanach 2024). Diesen 230 Organisationen wurden nach deren Angaben rund 2,342 Milliarden Euro gespendet. Davon kamen rund 286 Millionen Euro aus Nachlässen – das entspricht 12,2 Prozent.
Das mag als Anhaltspunkt für eine Größenordnung dienen – aber nicht mehr. Denn schon wenn man eine Hochrechnung versuchte, indem man zwölf Prozent des gesamten Spendenvolumens ausrechnete, stieße man auf höchst unterschiedliche Zahlen: Die Angaben für 2024 reichten von 5,1 Milliarden Euro (Bilanz des Helfens des Deutschen Spendenrats) bis zu 12,5 Milliarden Euro (DZI).
Festhalten lässt sich an dieser Stelle, dass der Anteil der Vermögen, die an gemeinnützige Organisationen vererbt werden, bislang sehr gering dürfte, wenn man die Spendenzahlen den vererbten Vermögen insgesamt gegenüberstellt.
Die Tendenz ist steigend
Was sich trotz der schwierigen Datenlage sagen lässt: Die Tendenz, an gemeinnützige Organisationen zu vererben, ist steigend. Die oben genannte Summe des DZI von 286 Millionen Euro an Nachlässen aus dem Jahr 2020 ist eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000. Die Zahl der Menschen ohne Kinder steigt, und durch die demographische Entwicklung dürften in den kommenden Jahren mehr Vermögen vererbt werden. Laut Spendenmonitor 2024 des Fundraisingverbandes konnten sich 20 Prozent der 50- bis 70-Jährigen vorstellen, eine gemeinnützige Organisation in ihrem Testament zu berücksichtigen. In einer Umfrage der Deutschen Bank aus 2024 sagten 5 Prozent derjenigen, die angaben, sich schon einmal über das Thema Vererben Gedanken gemacht zu haben, dass ihr Erbe wohltätigen Organisationen zugute kommen solle. Für gemeinnützige Organisationen und Stiftungen lohnt es sich in jedem Fall, über die Ansprache von Erblassern nachzudenken und Menschen auf sich aufmerksam zu machen, die sich eine sinnvolle Verwendung für ihr Vermögen nach ihrem Tod wünschen.
Text: Gudrun Sonnenberg
Foto: Drew Beamer/unsplash
Der Beitrag ist Teil des Fokus Wenn Stiftungen erben der bürgerAktiv – Nachrichten für Engagierte November 2025 der Stiftung Aktive Bürgerschaft.