Eine Mehrzahl von Menschen regt sich über Missstände auf, aber nur eine Minderheit engagiert sich, um Abhilfe zu schaffen. Das leitet der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent aus der repräsentativen Umfrage zu Krisengefühlen ab, die er für sein Buch „Keine Macht der Ohnmacht“ durchführte. Im Interview „Demokratien nehmen Gefühle nicht ernst genug“ mit Lenz Jacobsen für ZEIT online beschreibt er, wie Menschen ihre Ohnmachtsgefühle kompensieren, indem sie charismatischen und zerstörerischen Gruppen folgen. Unter Menschen, die sich engagieren, fänden sich dagegen deutlich weniger Anhänger der AfD. Quent wirbt für niedrigschwellige Beteiligungsformate und mehr direkte Demokratie. „Wir wollen eine demokratische Gesellschaft, in der alle mitbestimmen können. Aber in der Schule und vor allem bei der Arbeit, also dort, wo Menschen einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen, machen Menschen diese Erfahrung meist gerade nicht“, sagt er. „Langfristig kann eine demokratische Gesellschaft nur funktionieren, wenn sich ihre Mitglieder nicht als ohnmächtig erleben, sondern als handlungsfähig.“ Das Interview erschien am 7. März 2026.
ZEIT online: „Die Mehrheit ist emotional aktiviert“
, Ausgabe 275 März 2026